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Coinbase will das westliche WeChat werden – und meint es ernst

18. Juli 2025, 17:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Coinbase will das westliche WeChat werden – und meint es ernst
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Coinbase wagt den Sprung zur westlichen WeChat-Kopie – doch Super-Apps sind außerhalb Asiens bislang reihenweise gescheitert. Meta, X und selbst Revolut bissen sich an der Integration sozialer und finanzieller Dienste bisher die Zähne aus.
Coinbase kündigt die Base App an, die den Wandel von einer Kryptobörse zu einer Plattform für digitale Identität und Zahlungen markiert. Die strategische Ausrichtung könnte den Finanzsektor revolutionieren.

Ein Klick, eine Blockchain, eine Mission

Coinbase will raus aus der Nische – und rein ins digitale Leben der Massen. Mit der Vorstellung der neuen „Base App“ verabschiedet sich die größte US-Kryptobörse nicht nur von ihrer Wallet, sondern läutet eine neue Strategie ein: weg vom bloßen Handel, hin zur Plattform für digitale Identität, Express-Zahlungen, Content-Monetarisierung und soziale Netzwerke – gebündelt in einer Anwendung.

Was in China mit WeChat längst Alltag ist, soll nun auch im Westen Realität werden. Doch der Angriff auf die dominanten Player im Zahlungsverkehr ist riskant.

Angriff aus der zweiten Reihe

Dass Coinbase überhaupt in diese Rolle schlüpft, ist bezeichnend: Während Meta, X und andere Tech-Giganten seit Jahren vergeblich versuchen, eine Super-App zu etablieren, nutzt Coinbase seine Blockchain-Infrastruktur und startet von einem ganz anderen Ausgangspunkt.

Die hauseigene „Base“-Blockchain soll zum Rückgrat des neuen Ökosystems werden – mit Transaktionskosten unter einem Cent und finaler Abwicklung in unter einer Sekunde. Technologisch ist das ambitioniert – und potenziell revolutionär.

Mit „Base Pay“ will Coinbase Zahlungen über den Stablecoin USDC etablieren – doch Stablecoins stehen in den USA weiter im Fokus der SEC und werden außerhalb der Kryptoblase bislang kaum für Alltagskäufe genutzt.

USDC im Zentrum: PayPal und Visa könnten alt aussehen

Im Zentrum der App steht nicht Bitcoin oder Ethereum, sondern USDC, der Dollar-gebundene Stablecoin von Circle, an dem Coinbase über eine strategische Partnerschaft direkt mitverdient.

Über „Base Pay“, das in Kooperation mit Shopify entstand, sollen Kunden in wenigen Sekunden mit USDC zahlen können – derzeit bereits bei zehntausenden Händlern.

Ein Prozent Cashback für Nutzer ist geplant, was gerade in den USA ein attraktiver Anreiz sein könnte. Ziel: den Dollar ins Internet bringen, ohne Banken.

Identität ist die neue Währung

Ein weiteres Element: der „Base Account“ – eine Art Blockchain-ID für Nutzer. Coinbase will damit Identitäten dezentral verwalten und Zahlungen, Content-Nutzung und soziale Interaktion miteinander verknüpfen.

Das klingt nach Web3 und Dezentralisierung, ist in Wahrheit aber ein kalkulierter Vorstoß, um Kontrolle über ein eigenes Ökosystem zu gewinnen.

Wer den Account hat, bleibt bei Coinbase. Wer zahlt, zahlt mit USDC. Wer konsumiert, konsumiert über die App. Das erinnert nicht zufällig an Apples Strategie.

Risiken? Genug – aber auch Chancen

Die Strategie ist riskant. Coinbase war in der Vergangenheit zu stark vom spekulativen Kryptohandel abhängig – und erlitt damit in Bärenmärkten regelmäßig schmerzhafte Einbrüche.

Die neue App soll das Geschäftsmodell verbreitern, aber: Ob Nutzer tatsächlich bereit sind, Alltagszahlungen über eine Blockchain abzuwickeln, bleibt offen. Die meisten Kunden nutzen Stablecoins bislang nicht für ihren Einkauf bei Shopify.

Zudem hat der Kryptomarkt zuletzt regulatorischen Gegenwind bekommen – insbesondere in den USA.

Die Konkurrenz schläft nicht

PayPal, Apple Pay, Google Wallet – sie alle verfügen bereits über Millionen Nutzer, gewachsene Infrastruktur und etablierte Vertrauensverhältnisse. Coinbase muss nicht nur technisch überzeugen, sondern regulatorisch liefern, Sicherheitsbedenken zerstreuen und gleichzeitig den Nutzerkomfort von Apple & Co. übertreffen.

Dass JPMorgan bereits Projekte auf Base testet, ist zwar ein gutes Zeichen, aber noch kein Durchbruch. Auch Meta hatte mit Libra einst prominente Unterstützer – und scheiterte krachend.

Ein hochriskanter, aber strategisch kluger Zug

Coinbase denkt groß – und handelt entsprechend. Die Base App ist kein Update, sondern eine Kampfansage an die Finanzbranche. Sollte es gelingen, mit USDC tatsächlich eine Alltagswährung im Netz zu etablieren, wäre das ein echter Umbruch.

Für Anleger bleibt die Aktie damit ein spekulatives, aber strukturell spannendes Investment. Die Frage ist nicht mehr, ob Coinbase sich neu erfindet – sondern ob der Markt bereit dafür ist.

Finanzen / Unternehmen / Kryptowährungen / Super-App / Blockchain
[InvestmentWeek] · 18.07.2025 · 17:00 Uhr
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