Investmentweek

Claire’s zweiter Absturz – Warum der Modehändler wieder Pleite ist

10. August 2025, 09:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Claire’s zweiter Absturz – Warum der Modehändler wieder Pleite ist
Foto: InvestmentWeek
Zwischen 1 und 10 Milliarden Dollar Schulden, bis zu 50.000 Gläubiger – die neue Insolvenz zeigt, wie riskant das Wetten auf ein veraltetes Filialmodell geworden ist.
Der US-Schmuckfilialist Claire’s hat zum zweiten Mal Insolvenz angemeldet – trotz Tausender Läden, namhafter Investoren und ursprünglicher Börsenambitionen. Was wirklich hinter dem erneuten Zusammenbruch steckt – und warum das Filialsterben weitergeht.

Zweimal Gläubigerschutz in fünf Jahren

Claire’s, die einstige Lieblingsadresse amerikanischer Teenager für Ohrlöcher, Glitzerketten und Handytaschen, steht erneut unter Gläubigerschutz – und diesmal könnte es endgültig sein.

Das Unternehmen meldete am Mittwoch Insolvenz an, nur fünf Jahre nach der letzten Rettungsaktion. Im Bundesstaat Delaware beantragte die Handelskette Schutz nach Chapter 11 des US-Konkursesystems – der Antrag listet sowohl Vermögenswerte als auch Verbindlichkeiten zwischen einer und zehn Milliarden US-Dollar auf.

Allein die Bandbreite zeigt: Es herrscht Unsicherheit – sowohl über den wahren Wert des Unternehmens als auch über das Ausmaß des Schuldenbergs. Die Zahl der Gläubiger? Zwischen 25.001 und 50.000. Ein untergehendes Schiff mit vollen Rettungsbooten.

Quelle: Eulerpool

Sinkende Nachfrage, schrumpfende Relevanz

Claire’s macht vor allem eines: Schuldige suchen. Der Hauptgrund für den Kollaps sei eine „nachlassende Nachfrage“, heißt es. Tatsächlich leidet der stationäre Einzelhandel seit Jahren unter dem Wandel zum Online-Shopping – besonders in Mode- und Accessoire-Bereichen.

Doch während andere Ketten wie H&M oder Zara massiv in Digitalisierung und Logistik investierten, blieb Claire’s beim alten Konzept: billiger Schmuck in pinken Filialen mit Zielgruppe „Teenage Girl“.

Der Zeitgeist ist allerdings längst weitergezogen. Nachhaltigkeit, Individualität und Online-Ästhetik dominieren den Jugendmarkt – nicht bunte Plastikclips. Und: TikTok ersetzt mittlerweile das Einkaufserlebnis im Einkaufszentrum.

Ein wachsendes Filialnetz, das niemand mehr braucht

Claire’s betreibt noch immer über 2750 Filialen in 17 Ländern – darunter auch in zahlreichen deutschen Shoppingmalls. Allein die bloße Masse dieser Standorte wirkt aus der Zeit gefallen.

Während Wettbewerber ihre Fläche verkleinern, hat Claire’s das Netz über die Jahre weiter gepflegt – und dabei auf einen Börsengang gesetzt, der nie kam. Im Juni 2023 zog man das IPO-Vorhaben kurzfristig zurück. Schon damals kursierten erste Spekulationen über stagnierende Umsätze und die Unfähigkeit, neue Zielgruppen zu erschließen.

Jetzt ist klar: Der Börsengang war wohl der letzte Versuch, Kapital zu beschaffen – bevor der Absturz kam.

Investorendämmerung bei Elliott und Monarch

Spannend ist auch, wer hinter Claire’s steht. Die Hedgefonds Elliott Management und Monarch Alternative Capital hatten sich nach der ersten Insolvenz 2018 massiv engagiert – in der Hoffnung auf ein Turnaround-Modell nach klassischem Private-Equity-Lehrbuch. Doch aus operativem Umbau wurde offenbar wenig. Statt Restrukturierung gab es pinkes Facelift, aber keine digitale Innovation.

Lesen Sie auch:

Gewinn schrumpft, Vision wächst – was AMDs Quartalszahlen wirklich zeigen
Trotz eines kräftigen Umsatzsprungs muss AMD beim Gewinn Federn lassen. Warum der KI-Hype dennoch greift – und was hinter dem überraschend starken Cashflow steckt.

Die Beteiligung der aggressiven Finanzinvestoren wirft nun unangenehme Fragen auf: Wurde Claire’s wirklich langfristig saniert – oder lediglich auf maximale Exitfähigkeit getrimmt, die dann ausblieb?

Europa ist mit betroffen

Der Gläubigerschutz gilt zunächst für das US-Geschäft, doch auch europäische Filialen sind gefährdet. Die Pleite von Claire’s könnte Teil einer größeren Konsolidierungswelle im europäischen Einzelhandel sein.

Denn: Während sich Konsumgewohnheiten drastisch wandeln, stecken viele Filialisten in veralteten Verträgen und Konzepten. Claire’s ist kein Einzelfall, sondern ein Warnsignal.

Ein zweites Mal zu viel?

Dass ein Unternehmen in so kurzer Zeit zweimal in die Insolvenz rutscht, ist im amerikanischen Einzelhandel kein Einzelfall – aber dennoch ein Zeichen massiven Missmanagements. Vor allem, wenn dieselben Fehler wiederholt werden: kein Umbau der Strategie, zu hohe Ladenmieten, zu wenig Markenmodernisierung.

Ob Claire’s eine dritte Chance erhält? Zweifel sind angebracht. Und das nicht nur wegen der Zahlen – sondern wegen der fehlenden Idee, wofür die Marke heute noch stehen soll.

Finanzen / Quartalszahlen
[InvestmentWeek] · 10.08.2025 · 09:00 Uhr
[0 Kommentare]
woman, crypto, bitcoin, digital, currency, coin, blockchain, happy, success, business, income, finance, gold
Die führende Risikokapitalgesellschaft im Bereich digitaler Vermögenswerte, a16z crypto, hat Prognosen für das Jahr 2026 veröffentlicht. Diese betonen, dass Datenschutz, dezentrale Kommunikation und stärkere Sicherheitsrahmen die nächste Entwicklungsphase der Blockchain-Technologie prägen werden. Datenschutz als zentrale Infrastruktur In einem kürzlich veröffentlichten Beitrag argumentierten die […] (00)
vor 33 Minuten
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr
Washington (dpa) - US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat die deutsche Regierung wegen Strafverfahren im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie kritisiert und ihr vorgeworfen, die Autonomie von Patienten zu missachten. Aus diesem Grund habe er am Freitag einen Brief an die deutsche Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geschickt, teilte er am Samstag auf der Plattform X mit. Den […] (05)
vor 40 Minuten
Michelle
(BANG) - Michelle spricht offen über ihr Karriereende. Es war ein großer Schock für die Schlagerfans: Ende 2023 verkündete die Sängerin, in Rente zu gehen. Dieses Jahr findet ihre große Abschiedstournee statt. Ab dem 18. Januar wird sie in 20 Städten mit ihrem Album 'Flutlicht' auftreten. Das allerletzte Konzert findet am 15. Februar in der Uber Arena in Berlin statt – pünktlich zu Michelles 54. […] (00)
vor 9 Stunden
Elon Musk
London (dpa) - Mit kritischen wie kryptischen Beiträgen auf seiner Plattform X hat Techmilliardär Elon Musk auf die britische Untersuchung der KI Grok reagiert. Musk warf der Regierung in London unter anderem Zensur vor, in einem Beitrag nannte er sie «faschistisch». Ähnliche Vorwürfe gegen Großbritannien hatte Musk immer wieder erhoben. Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom untersucht […] (00)
vor 3 Stunden
Gerüchte: Nächstes Age of Empires nutzt Unreal Engine & Microsoft will StarCraft zurückbringen
Als Echtzeit-Strategie-Fan ist man seit Jahrzehnten hart im nehmen. Man nimmt alles, was man kriegen kann und erwartet sich eigentlich nichts mehr. Tempest Rising war ein so großes Ding, ein „Command & Conquer-Comeback“ (aber nicht von EA oder dem alten Westwood-Team), dass kurz nach Release in die Bedeutungslosigkeit geschlittert ist. Und eigentlich hat man sich von Age of Empires 4 auch mehr […] (00)
vor 30 Minuten
«Relationship Goals» startet bei Prime Video
Was passiert, wenn Liebe plötzlich nach Regeln funktioniert? Prime Video schickt eine romantische Komödie ins Rennen, die Romantik, Karriereambitionen und Glaubensfragen miteinander verknüpft. Prime Video hat den offiziellen Trailer zu Relationship Goals veröffentlicht. Der Film startet am 4. Februar 2026 weltweit beim Streamingdienst und setzt auf ein prominentes Duo: Kelly Rowland und Method Man übernehmen die Hauptrollen in der romantischen […] (01)
vor 6 Stunden
1. FC Union Berlin - FSV Mainz 05
Berlin (dpa) - Bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte hat Urs Fischer mit Schlusslicht FSV Mainz 05 zum Jahresauftakt einen Big Point im Abstiegskampf verpasst. Der Schweizer Coach, der Union Berlin einst von der 2. Liga in die Champions League geführt hatte, musste sich mit seinem neuen Club trotz 2: 0-Führung mit einem 2: 2 (1: 0) in Köpenick begnügen. Damit warten die Mainzer weiter auf ihren ersten Erfolg in […] (00)
vor 2 Stunden
Ermüdung nach den Feiertagen: Was Expertinnen und Experten zu Erholungstypen sagen
Linden, 10.01.2026 (lifePR) - Die Zeit nach Weihnachten gilt als ruhig und erholsam – dennoch berichten viele Menschen von anhaltender Müdigkeit und innerer Unruhe. Laut Beobachtungen des MindTecStore hängt dies mit verschiedenen „Erholungstypen“ zusammen, die unterschiedlich auf soziale Reize, Abläufe und Umgebungen reagieren. Fachleute unterscheiden dabei häufig zwischen Menschen, die durch […] (00)
vor 2 Stunden
 
Merz warnt vor Wirtschaftsabschwung – Lage in Teilen der Wirtschaft „sehr kritisch“
Wettbewerbsfähigkeit reicht nicht aus In einem Brief an die Bundestagsabgeordneten von Union […] (01)
Maduro gestürzt – warum Teheran jetzt mehr zu verlieren hat als Caracas
Die Festnahme von Nicolás Maduro durch die USA verändert die Machtbalance weit über […] (00)
Modegigant demütigt Analysten mit brutalen Zahlen
Fast Retailing liefert nicht nur ab, der Konzern dominiert. Die japanische Muttergesellschaft […] (00)
Proteste im Iran
Oslo/Teheran/Berlin (dpa) - Trotz des verschärften Vorgehens der Behörden dauern die […] (01)
2026 auf dem Markt? Fluggerät für unter 40.000 Dollar, das auf einen Pick-up passt
Als Pendlerfahrzeug ist es gedacht, das Fluggerät X4 des chinesischen Herstellers Rictor. Und […] (00)
1. FC Union Berlin - FSV Mainz 05
Berlin (dpa) - Union Berlins ehemaliger Kult-Trainer Urs Fischer hat bei seiner emotionalen Rückkehr an […] (00)
Jane Seymour
(BANG) - Jane Seymour glaubt, dass die Rolle als Bond-Girl ihrer Karriere in England geschadet […] (00)
Das Video, das alles vernichtet: Philips dunkelste Nacht und das brutale Ultimatum!
Kian hat den roten Knopf gedrückt und die Eskalationsstufe auf das Maximum geschraubt. Was als […] (00)
 
 
Suchbegriff