Heikler Staatsbesuch

Charles im US-Kongress: Können Differenzen wieder überwinden

28. April 2026, 22:25 Uhr · Quelle: dpa
Britisches Königspaar zum Staatsbesuch in den USA
Foto: Kylie Cooper/Pool Reuters/AP/dpa
Charles ist erst der zweite Monarch nach seiner Mutter Queen Elizabeth II., der zum US-Kongress sprach.
Erstmals seit 1991 spricht mit König Charles III. ein britischer Monarch zum US-Kongress. Mit einenden Worten will er das strapazierte Verhältnis kitten - spricht aber auch unbequeme Themen an.

Washington (dpa) - In einer mit Spannung erwarteten Rede vor dem US-Kongress hat König Charles III. die Fähigkeit der USA und Großbritanniens beschworen, Differenzen zu überwinden. «Immer und immer wieder haben unsere beiden Länder Wege gefunden, wieder zusammenzufinden», sagte der Monarch. Dispute hätten die gemeinsame Geschichte zwar geprägt. Als Ergebnis der gemeinsamen Tradition seien beide Länder jedoch «instinktiv gleichgesinnt».

Seine Rede nutzte der britische Monarch auch, um mehreren Meinungsäußerungen von Trump zumindest indirekt etwas entgegenzusetzen. Dabei wies er auf die Gefahr des Klimawandels hin, den der Republikaner immer wieder praktisch geleugnet hatte. Ohne Trumps Namen in diesem Kontext zu nennen, betonte der Monarch auch die Bedeutung der Nato und der Verteidigung der Ukraine. Trump hatte in den vergangenen Wochen immer wieder damit kokettiert, die US-Mitgliedschaft in der Nato zu beenden.

Für Charles gilt der Staatsbesuch als diplomatischer Drahtseilakt: Trump ist zwar großer Fan der britischen Royals, gilt aber als unberechenbar. Insbesondere auf Premierminister Keir Starmer war Trump zuletzt nicht gut zu sprechen. Wegen der aus seiner Sicht fehlenden Unterstützung im Iran-Krieg griff Trump den Premier mehrfach verbal an.

Mehr Militärausgaben: Charles zeigt Entgegenkommen

Charles war folglich auch bemüht, die Wogen zu glätten - etwa im Bereich Militärausgaben. Das Vereinigte Königreich sei sich darüber im Klaren, dass die Bedrohungen von heute neue Antworten erforderten, so Charles. «Deshalb hat sich unser Land, um für die Zukunft gerüstet zu sein, zur größten nachhaltigen Aufstockung der Verteidigungsausgaben seit dem Kalten Krieg verpflichtet.»

Charles ist erst der zweite Monarch nach seiner Mutter Queen Elizabeth II., der zum US-Kongress spricht. Ähnlich wie sie erntete er bereits vor seiner Rede andauernden Applaus. Elizabeth II. hatte 1991 die Einheit beider Länder auch an ihrer gemeinsamen Reaktion auf den Krieg in Kuwait festgemacht. Charles sprach zwar vom Konflikt im Mittleren Osten, nahm jedoch keinen direkten Bezug auf den Krieg im Iran, der das Verhältnis zwischen London und Washington zuletzt belastete.

Ukraine und Klimawandel: Charles spricht Reizthemen an

«Es ist eine Zeit, die in vielerlei Hinsicht unbeständiger und gefährlicher ist als die Welt, von der meine verstorbene Mutter 1991 in diesem Plenarsaal sprach», sagte Charles. Der König nutzte die Chance, um zu einer entschlossenen Verteidigung der Ukraine aufzurufen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 habe die Nato ihren Artikel fünf aktiviert - und die Verbündeten hätten zu den USA gestanden. 

Heute sei «dieselbe unerschütterliche Entschlossenheit erforderlich, um die Ukraine und ihr mutiges Volk zu verteidigen», sagte er in Richtung des Sprechers des Repräsentantenhauses, Mike Johnson.

Trump: «Keine engeren Freunde als die Briten»

Charles und Königin Camilla waren am Montag in Washington empfangen worden. Bereits während der ersten Schritte des britischen Königspaars war zu erahnen, auf welcher Mission sich die Royals befinden. Camilla, gekleidet ganz in Rosa, trug eine Brosche, die die Flaggen beider Nationen eng miteinander verschlungen zeigt.

Vor der Rede hatte Trump das Königspaar bei einer Militärparade im Garten des Weißen Hauses empfangen. Während vier F-35-Kampfjets über den Himmel zogen, sprach Trump über die außergewöhnliche Allianz beider Länder. «In den Jahrhunderten seit unserer Unabhängigkeit gab es für die Amerikaner keine engeren Freunde als die Briten», sagte Trump vor dem Weißen Haus. Das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten teilten «dieselbe Wurzel, sprechen dieselbe Sprache, teilen dieselben Werte», sagte der Republikaner.

Dabei ging er auch auf die persönliche Verbindung zum britischen Königshaus ein. Seine Mutter, gebürtige Schottin, habe royale Events mit Queen Elizabeth II. stets gebannt am Fernseher verfolgt, erinnerte sich der US-Präsident. «Meine Mutter war verliebt in Charles.»

Charles spricht das Thema Epstein nicht direkt an

Brisant ist Charles' Besuch in Washington auch wegen der Causa Jeffrey Epstein: Forderungen nach einem Treffen mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer des verstorbenen Multimillionärs hatte der Palast vor dem Besuch zurückgewiesen. Charles' jüngerer Bruder, Ex-Prinz Andrew, war viele Jahre mit Epstein befreundet; das Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte ihm vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Andrew wies das stets zurück. Auch diesen Komplex erwähnte Charles nicht.

Wie Elizabeth II. sorgte Charles in seiner Rede immer wieder für laute Lacher im Saal. Die nicht besonders große gewachsene Königin hatte ihre Rede 1991 mit der Frage eröffnet, ob jeder sie gut sehen könne. Charles sorgte mit einem Zitat von Oscar Wilde für heitere Stimmung: «Wir haben heutzutage wirklich alles mit Amerika gemeinsam, außer natürlich der Sprache.»

Staatsoberhaupt / Adel / Regierung / Parlament / Großbritannien / USA / NATO
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