Bundesrat debattiert über CO2-Speicherung unter Nord- und Ostsee
Der Bundestag verabschiedet sich von der rein theoretischen Erforschung der Kohlendioxid-Speicherung und diskutiert am Freitag eine heikle Novelle: die offizielle Erlaubnis zur CO2-Speicherung unter der Nord- und Ostsee. Diese Gesetzesänderung zielt darauf ab, Kohlendioxid in großen Mengen zur Küste zu bringen und von dort zu weiter entfernten Lagerstätten zu transportieren. Dies wäre ein Paradigmenwechsel für Deutschland, das bislang lediglich zu Forschungszwecken das Abscheiden und unterirdische Speichern von CO2 erlaubt hat.
Mit der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) könnte der industrielle CO2-Ausstoß erheblich gesenkt werden. Jedoch stehen die bestehenden Infrastrukturen für CO2-Transporte noch am Anfang, was den Aufbau durch die Privatwirtschaft notwendig macht. Während erste Projekte bereits in Nordrhein-Westfalen und weiteren Bundesländern angestoßen werden, ist die industrielle Nutzung solcher Infrastrukturen in Deutschland derzeit kaum vorhanden. Die Bundesregierung hat ein Förderprogramm von sechs Milliarden Euro bis 2026 in Aussicht gestellt, um den Ausbau zu unterstützen. Zugleich sind Fördergelder auf EU-Ebene verfügbar.
Der Ausbau der CO2-Infrastruktur wird von skeptischen Umweltschützern und zuversichtlichen Wirtschaftsakteuren vielfältig kommentiert. Während Umweltschutzverbände die Langzeitsicherheit der Technologie infrage stellen, warnen Wirtschaftsverbände vor einer alleinigen Belastung der Privatwirtschaft bei der Finanzierung. Die lokale Speicherung von CO2 wird von einigen Bundesländern rigoros abgelehnt. Hinsichtlich der Zeitplanung prognostizieren Bundeswirtschaftsministerium und Branchenlenker den Aufbau der notwendigen Infrastruktur bis Mitte der 2030er Jahre – eine Zielsetzung, die ambitioniert erscheint, jedoch notwendig ist, um Deutschlands Treibhausgasneutralität bis 2045 zu erreichen.
Trotz der nationalen Herausforderungen geht in Norwegen bereits das Energieunternehmen Equinor mit gutem Beispiel voran, indem seit 1996 CO2 unter dem Meeresboden gespeichert wird. Die bevorstehende Entscheidung des Bundesrates könnte den deutschen Umgang mit CO2-Emissionen grundlegend transformieren, auch wenn der Weg dorthin noch voller Stolpersteine ist.

