Wal vor Dänemark

Buckelwal «Timmy» ist tot – Rettungsversuch gescheitert

16. Mai 2026, 18:03 Uhr · Quelle: dpa
Toter Wal vor dänischer Insel Anholt entdeckt
Foto: Marcus Golejewski/dpa
Es ist das Ende einer langen Geschichte: Wal «Timmy» ist tot, wie die Behörden nun mitgeteilt haben.
Das war es nun mit «Timmy»: Eine private Initiative wollte dem mehrfach an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal ein weiteres Leben in Freiheit im offenen Meer ermöglichen. Doch daraus wurde nichts.

Anholt (dpa) - Ein Buckelwal strandet mehrfach vor der deutschen Ostseeküste. Eine Gruppe aus Privatleuten nimmt sich vor, ihn mit viel Geld und Aufwand zurück ins offene Meer zu transportieren – allen Warnungen renommierter Experten zum Trotz. Knapp zwei Wochen später strandet genau dieser Wal tot vor der dänischen Insel Anholt. Möwen machen sich über sein Kadaver her. So endet die Geschichte von «Timmy» – dem wohl ersten Buckelwal, dessen Spitznamen ganz Deutschland kennt.

Wie es dazu kam

Als der tote Wal am Donnerstag gesichtet wurde, war die Aufregung in Deutschland groß: Ist es «Timmy» oder nicht? Man schnitt dem Wal ein Stück Schwanzflosse um, um per Laboranalyse Gewissheit zu bekommen. Doch letztlich war es ein an dem Wal angebrachter GPS-Sender, der Gewissheit brachte: Die private Initiative, die den Wal per Lastkahn in die Nordsee verschiffte, hatte diesen angebracht, um nachverfolgen zu können, wo sich das Tier aufhält. Eine nach Anholt gereiste Tierärztin der Initiative fand gemeinsam mit zwei dänischen Tauchern letztlich den Tracker mit der gleichen Seriennummer am Wal, wie die Behörden mitteilten.

Versuch der Rettung ist gescheitert

Damit ist auch klar: Der Rettungsaktion der privaten Initiative ist gescheitert. Der mehrmals an der Küste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns gestrandete Wal war von der privaten Initiative mit Hilfe eines Lastkahns ins offene Meer gebracht und am 2. Mai etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak ausgesetzt worden. Nach seiner Freilassung blieb unklar, was mit dem Wal geschah, da das Schweriner Umweltministerium anders als angekündigt keine Standortdaten übermittelt bekam.

Experten von Tierschutzorganisationen sowie dem Deutschen Meeresmuseum hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt und dringend von der Aktion abgeraten. Mutmaßlich habe sich das Tier mehrfach stranden lassen, um in Ruhe sterben zu können, hieß es von ihnen. Die Unternehmer Walter Gunz und Karin Walter-Mommert und ihre Mitstreiter ließen sich jedoch nicht von ihren Plänen abbringen. Über die immensen Kosten der Aktion bewahrten die Geldgeber Stillschweigen. Letztlich endete das Unterfangen in Zoff, weil sich die Initiative, die Behörden und die beteiligte Reederei gegenseitig Vorwürfe über das Vorgehen rund um Transport und Freilassung machten.

Große Anteilnahme an dem Tier

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) rechtfertigte sich trotzdem dafür, grünes Licht gegeben zu haben: Viele Menschen hätten großen Anteil an dem Schicksal des Tieres genommen und gehofft, dass es gelingen würde, den Wal wieder in die Freiheit zu entlassen. Wissenschaftler hätten nicht ausschließen können, dass der Wal trotz seines sicher schlechten Gesundheitszustandes überleben könnte. «Deswegen hat mein Haus entschieden, den Bergungsversuch zu dulden. Leider hat das Tier seine Chance nicht nutzen können.»

Mit Blick auf Warnungen betonte Backhaus weiter, die Duldung des Rettungsversuchs sei keine Wissenschaftskritik gewesen. «Ich halte es für absolut menschlich, auch die geringste Chance zu nutzen, wenn es um ein Leben geht. Wer das kritisieren will, möge das tun.»

Wie geht es mit dem Kadaver weiter?

Thilo Maack von Greenpeace sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Mit diesem Todfund findet jetzt diese zum Teil absurde Geschichte ein Ende. Die Lehre, die daraus gezogen werden kann, ist, dass es wirklich Sinn macht, auf die Wissenschaft zu hören und von dem Einzelschicksal des bemitleidenswerten Tieres Aufmerksamkeit auf ein größeres Problem zu lenken» – nämlich den unzähligen Walen und Delfinen, die qualvoll als Beifang in Fischereinetzen verenden.

Auch Backhaus will Lehren aus der Buckelwal-Saga ziehen. «Der Tod des Wals sollte uns mahnen, Natur, Artenschutz und Klimaschutz noch ernster zunehmen. Denn wir Menschen sind Teil des gesamten Ökosystems», sagte der Minister und dankte der dänischen Umweltbehörde, die geholfen habe, das Schicksal des Wals endgültig zu klären. Nun müsse mit den dänischen Behörden geklärt werden, was weiter mit dem toten Tier geschehen solle.

Dänemark lässt der Natur üblicherweise freien Lauf

Von der dänischen Naturschutzbehörde hieß es zuvor, es gebe momentan keine Pläne, den Wal-Kadaver zu entfernen. Da er weit vom Strand entfernt liege, störe er niemanden, meinte Morten Abildstrøm von der dänischen Naturschutzbehörde Naturstyrelsen und fügte hinzu, dass sich derzeit mehrere Dutzend Möwen an dem toten Tier satt äßen. Zahlreiche Möwen tummelten sich seit der Strandung am Donnerstag um das Tier und pickten an dem etwa 75 Meter vor dem Strand liegenden Kadaver herum.

An den weitläufigen Küsten Dänemarks kommt es immer wieder mal vor, dass Wale stranden – doch der Umgang der Dänen damit könnte nicht weiter vom Geschehen um «Timmy» entfernt sein. Im entsprechenden Bereitschaftsplan für gestrandete Meeressäuger der Umweltbehörde Miljøstyrelsen heißt es: «Walstrandungen werden als ein natürlicher Teil des Gangs der Natur betrachtet, der nicht durch menschliche Eingriffe gestört werden sollte.»

Tier / Wissenschaft / Rettungsaktion / Dänemark / Deutschland / Ostsee / Schleswig-Holstein
16.05.2026 · 18:03 Uhr
[17 Kommentare]
Kleingarten (Archiv)
Frankfurt/Main - In Deutschland setzen sich Gartenbesitzer zunehmend für den Erhalt der Artenvielfalt ein. Eine Befragung von KfW-Research ergab, dass 93 Prozent der Haushalte mit Garten auf den Einsatz von Pestiziden und synthetischen Düngemitteln verzichten. Zudem wählen 79 Prozent der Haushalte gezielt Pflanzen aus, die heimischen Vögeln als Nahrung […] (01)
vor 49 Minuten
Justin Baldoni
(BANG) - Justin Baldoni und seine Anwälte "würden nicht zögern", erneut vor Gericht gegen Blake Lively zu ziehen. Die beiden 'It Ends with Us'-Stars waren seit Dezember 2024 in einen Rechtsstreit verwickelt. Damals hatte Lively dem Regisseur sexuelle Belästigung sowie die Organisation einer Diffamierungskampagne gegen sie vorgeworfen. Daraufhin reichten […] (00)
vor 2 Stunden
Review: xTool M2 – Der ultimative Gamechanger für kreative Start-ups?
Ich habe schon einiges auf meinem Schreibtisch gehabt, aber ein Lasercutter, der gleichzeitig ein vollwertiger Tintenstrahldrucker ist? Das klang für mich im ersten Moment nach einer eierlegenden Wollmilchsau, die am Ende vermutlich nichts von beidem richtig kann. Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) hat mich der nagelneue xTool M2 brennend […] (00)
vor 5 Stunden
Gears of War: E-Day verzichtet auf offene Welten und setzt auf über 14 Stunden pure Kampagnen-Wucht
The Coalition hat im IGN-Interview mit Creative Director Matt Searcy Klartext geredet, und was dabei herauskam, ist die präziseste Ansage, die dieses Studio seit Jahren gemacht hat. Während die halbe Branche ihre Kampagnen zu überladenen Open World Kompromissen aufbläht, stemmt Gears of War: E-Day genau das Gegenteil: eine fokussierte, brutale Story […] (00)
vor 3 Stunden
Hulu startet Thriller-Serie «Furious» Ende Juli
Emmy Rossum jagt als FBI-Agentin eine Serienmörderin, deren Weg sich zunehmend mit ihrem eigenen Schicksal verknüpft. Hulu hat den Starttermin seiner neuen Thriller-Serie Furious bekanntgegeben. Die Produktion aus der Feder von Elizabeth Meriwether («New Girl», «The Dropout») feiert am 27. Juli Premiere. Zum Auftakt werden drei Episoden veröffentlicht, anschließend folgen die weiteren Folgen […] (00)
vor 1 Stunde
Julian Nagelsmann
Houston (dpa) - Manuel Neuer fliegt nach den Bällen und packt sicher zu. Julian Nagelsmann freut sich über jede Abkühlung auf dem heißen Trainingsplatz. Und Leroy Sané erlaubt sich - so ist er nun einmal - ein kleines Späßchen mit Jamal Musiala. Vor dem WM-Auftakt gegen den krassen Außenseiter Curaçao zeichnet die Fußball-Nationalmannschaft ein Bild […] (02)
vor 5 Stunden
bitcoin, cryptocurrency, finance, blockchain, money, currency, crypto, coin, digital, virtual
Nach der Anmeldung bei der US-Börsenaufsicht SEC im Mai hat das von Elon Musk geführte Unternehmen SpaceX am Freitag mit einem beeindruckenden Börsenwert von fast 2 Billionen $ an der Wall Street debütiert. Das Unternehmen hält weiterhin Bitcoin in seiner Bilanz. Die Frage ist nun, ob dieser Börsengang kurzfristig oder langfristig positiv oder […] (00)
vor 51 Minuten
Autismus – Mehr als eine Diagnose
Höchst im Odenwald, 13.06.2026 (lifePR) - Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) betreffen weltweit Millionen von Menschen und deren Familien. Charakteristisch sind Unterschiede in der sozialen Interaktion, Kommunikation sowie sensorischen Verarbeitung und wiederholten Verhaltensmustern. Viele Betroffene und Angehörige suchen nach ganzheitlichen Ansätzen, […] (00)
vor 6 Stunden
 
Nina Warken (Archiv)
Berlin - Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) spricht sich für eine stärkere […] (07)
Seniorin mit Helferin (Archiv)
Berlin - Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat die Bundesländer […] (06)
Zwei Bundestagsabgeordnete (Archiv)
Berlin - Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) betont mit Blick auf den […] (04)
Peer Steinbrück (Archiv)
Berlin - Der SPD-Politiker Peer Steinbrück übt scharfe Kritik an der schwarz-roten […] (01)
49 Milliarden Euro Betrug pro Jahr: Welche Europäer fallen wirklich auf Scams herein?
49 Milliarden Euro: Das wahre Ausmaß des Betrugs in Europa Eine kürzlich […] (00)
WM 2026 - USA - Paraguay
Inglewood (dpa) - Traum-Auftakt für die USA: Der Co-Gastgeber ist mit viel Schwung […] (00)
Roborock im Fußballfieber: Rocky kommentiert jetzt jedes Toooor!
Roborock ist weltweit die Nr. 1 Saugrobotermarke 2025 und verschafft seinen Kunden […] (01)
PS4 verliert einen Dienst, den viele wohl nie gesehen haben
Die PlayStation 4 bekommt eine weitere kleine Abschaltung. Diesmal betrifft es aber […] (00)
 
 
Suchbegriff