Bitcoin: Kapitulation oder Kaufgelegenheit? Was aktuelle On-Chain-Daten zeigen

Bitcoin befindet sich an einem kritischen Punkt, wobei Händler zwischen zwei Szenarien schwanken: einem vollständigen Kapitulationsereignis oder dem Beginn eines nachhaltigen Bodenbildungsprozesses. Laut dem Analysten Maartunn von CryptoQuant deuten die Daten auf Letzteres hin, jedoch mit dem Vorbehalt, dass ein Boden eher allmählich als plötzlich erreicht wird.
Ist der Bitcoin-Boden erreicht?
Der Bitcoin-Kurs liegt derzeit etwa 50% unter seinem Allzeithoch. Diese Abwärtsbewegung erscheint isoliert betrachtet drastisch, ist jedoch geringer als die Rückgänge von über 70% in früheren Bärenmärkten. Maartunn stellt die Frage, ob die typischen Anzeichen für eine Trendwende bereits sichtbar sind.
Ein wesentlicher Faktor ist der „strukturelle Verkaufsdruck“, der mit Spot-ETFs verbunden ist. Diese ETFs haben einen Rückgang von $8,2 Milliarden von ihren Höchstständen verzeichnet, was den größten jemals aufgezeichneten Rückgang darstellt. Der aktuelle Preis liegt etwa 17% unter dem durchschnittlichen Kaufpreis der ETF-Investoren, was einige dazu veranlassen könnte, ihre Positionen zu reduzieren.
Zusätzlich gibt es eine „mechanische Bereinigung“ im Bereich der Derivate. Das offene Interesse ist von $45,5 Milliarden auf $21,7 Milliarden gefallen, mit einem Rückgang von 27% allein in der letzten Woche. Maartunn beschreibt dies als ein breites Deleveraging-Ereignis, das zwar schmerzhaft ist, aber historisch gesehen Bedingungen schafft, die eine Bodenbildung ermöglichen.
Um zu beurteilen, ob der Rückgang zu einer Kapitulationsstimmung führt, betrachtet Maartunn die kurzfristigen Halter. Der MVRV-Indikator für kurzfristige Halter liegt bei 0,72, was bedeutet, dass diese Gruppe im Durchschnitt etwa 28% im Minus ist. Dies ist der niedrigste Stand seit dem Tiefpunkt im Juli 2022 und ein Niveau, das historisch mit maximalem finanziellem Schmerz verbunden ist.
Maartunn sieht die aktuelle Situation auch als einen erneuten Test eines wichtigen Unterstützungsclusters, wo das Allzeithoch des vorherigen Zyklus die obere Grenze einer älteren Handelsspanne schneidet. Frühere Bärenmärkte deuten auf ein breites Zeitfenster zwischen Juni und Dezember 2026 hin, wobei die letzten beiden Zyklen am engsten zwischen September und November lagen.
Sein abschließender Punkt ist, dass Böden selten an einem einzigen Tag entstehen. In seiner Sichtweise können ETF-getriebener Verkaufsdruck, die Bereinigung von Hebelpositionen, Stress bei kurzfristigen Haltern und der Test wichtiger Niveaus alle Teil eines längeren Bodenbildungsprozesses sein — mit der Stimmung als finalem Indikator.
Insgesamt deutet Maartunns Analyse darauf hin, dass die Daten auf frühe Signale einer Bodenbildung hindeuten könnten, aber die Bestätigung, insbesondere in Bezug auf Flüsse und Stimmung, könnte in Etappen erfolgen, begleitet von Volatilität und weiteren Belastungstests.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Bitcoin-Kurs bei $68,710.

