Biathlon bei Olympia

Preuß rätselt über letztes Schießen: «Es wackelt nur noch»

16. Februar 2026, 08:54 Uhr · Quelle: dpa
Olympische Winterspiele 2026
Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Wieder keine Medaille: Franziska Preuß läuft in der Verfolgung ins Ziel.
Franziska Preuß kämpft am Schießstand mit den Nerven. Warum schon wieder 30 Sekunden über Olympia-Träume entschieden haben - und was ihr Freund Simon Schempp ihr jetzt wünscht.

Antholz (dpa) - Auf der Suche nach den Gründen für ihr neuerliches Scheitern ausgerechnet im letzten Schießen wirkte Franziska Preuß ziemlich ratlos. «Es wackelt nur noch», sagte Deutschlands beste Biathletin bei den Olympischen Winterspielen in Antholz: «Ich bin dann so angespannt und bekomme nicht mehr den Fokus auf das Wesentliche. Dann geht einfach nichts mehr.»

Eigentlich wollte die 31-Jährige in Südtirol endlich ihre erste Einzelmedaille bei Olympia gewinnen und ihre Karriere nach einem weiteren emotionalen Höhepunkt beenden. Doch dieser Plan scheint aufgrund einer unerklärlichen Nervenschwäche zu scheitern. Wie schon über 20 Kilometer zerstörten im Verfolgungsrennen zwei Fehler im finalen Stehendschießen ihren Traum. Vor einem Jahr noch hatte Preuß im Jagdrennen eiskalt Gold bei der WM in der Schweiz gewonnen. Nun vergab sie mindestens Bronze, wurde nur Sechste und brach hinterher mehrfach in Tränen aus.

«Ich bin enttäuscht, dass ich es nicht durchziehen kann»

«Dass das letzte Schießen so scheiße läuft, das tut richtig weh», sagte Preuß. Auch zum Olympia-Auftakt in der Mixed-Staffel handelte sie sich so noch eine Strafrunde ein. Dank ihrer starken Teamkollegen reichte es trotzdem zu Bronze. Es ist der einzige Lichtblick erneut schwieriger Winterspiele für Deutschlands Sportlerin des Jahres. Auch im Sprint verfehlte sie stehend eine Scheibe. «Ich bin einfach nur enttäuscht, dass ich es nicht durchziehen kann», sagte Preuß.

Ein Grund aufzugeben, ist das aber nicht. Sie blickt positiv nach vorn. «Leider entscheiden 30 Sekunden über Freude oder Enttäuschung», schrieb Preuß gut sechs Stunden nach dem bitteren Zieleinlauf bei Instagram: «Ja, diese letzten, entscheidenden 30 Sekunden ärgern mich immer noch, aber genau sie treiben mich an. Ich stecke den Kopf nicht in den Sand, ich arbeite weiter.»

Spätestens am Saisonende plant sie aufzuhören, womöglich ist aber schon am kommenden Samstag Schluss. Bislang hält sich Preuß offen, ob sie noch mal in den Weltcup zurückkehrt oder der olympische Massenstart ihr finaler Auftritt wird. Ganz sicher wird das die letzte Chance auf eine Individualmedaille, eine weitere Möglichkeit auf Edelmetall gibt es am Mittwoch mit der Frauen-Staffel, die sie im Weltcup regelmäßig als Schlussläuferin anführte. Zuletzt patzte sie aber in Ruhpolding mit einer Strafrunde. Und auch in Antholz droht wieder ein nervenaufreibender Showdown beim letzten Schießen.

«Extreme Drucksituationen» am Schießstand

«Sie hat es viele, viele Jahre geschafft, genau in diesen Situationen zu bestehen», sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Aktuell habe sie zwar einige Probleme, aber das sei kein Grund, an ihr zu zweifeln. «Das, was wir im Training sehen, ist, dass sie diesen Bock jederzeit umstoßen kann», sagte Bitterling. Auch das Trainerteam sei «wirklich positiv mit Blick auf die zweite Woche, dass wir da eine andere Franzi sehen in dieser Situation».

Grund für die Schwäche in den entscheidenden Momenten des Rennens sei «eine gewisse Unsicherheit», sagte Bitterling: «Ich glaube, dass es nichts Technisches ist oder sie zum Beispiel die Waffe verkantet.» Letzte Schießen um Olympia-Medaillen seien viel mehr «extreme Drucksituationen». Diese zu bestehen, ist die hohe Kunst des Sports. Dass Preuß das kann, hat sie oft genug bewiesen. Dass es ausgerechnet beim letzten Highlight ihrer Laufbahn nicht klappt, sei «natürlich sehr, sehr hart», sagte sie selbst.

Partner Schempp: «Sie ist nach wie vor hungrig»

Bis zum letzten Gang an den Schießstand zeigte Preuß einmal mehr eine Weltklasseleistung. Auch die Laufform stimmt und würde wieder reichen, um ganz vorn anzugreifen. «Ich wünsche ihr einen Wettkampf mit 100 Prozent Trefferleistung, dann geht auch mehr», sagte Simon Schempp, seit über zehn Jahren der Partner an Preuß' Seite. Der Ex-Weltmeister und Staffel-Olympiasieger hat als Aktiver selbst harte Zeiten durchgemacht und steht seiner Freundin nun bei. «Sie ist nach wie vor hungrig», sagte der 37-Jährige.

Das deutsche Biathlon-Team holte erstmals in sechs Einzelrennen zum Olympia-Start keine einzige Medaille. Der Druck ist mittlerweile enorm, weil die Auswahl des Deutschen Skiverbandes den hohen Erwartungen trotz einiger Top-Ten-Plätze nicht gerecht wird. Dass Preuß weiterhin die Einzige ist, die aus eigener Kraft und ohne Fehler der anderen Medaillen gewinnen kann, macht es noch schwieriger. Es mangelt an Entlastung, für die Vanessa Voigt im Einzel als Vierte zumindest mal kurzzeitig sorgen konnte.

Ein Blick in die Statistik zeigt: Als Preuß in der Vorsaison den Gesamtweltcup gewann, traf sie 88 Prozent ihrer Schüsse im Stehendschießen, im laufenden Winter sind es nur noch 79 Prozent - eine deutliche Verschlechterung. Das Liegendschießen eingerechnet kommt sie auf 191 Treffer bei 223 Schüssen (Trefferquote 86 Prozent). Zum Vergleich: Voigt hat als besten Schützin im Weltcup eine Gesamttrefferquote von 94 Prozent (217 Treffer bei 230 Schüssen), Lou Jeanmonnot aus Frankreich (270/297) und Verfolgungs-Olympiasiegerin Lisa Vittozzi aus Italien (222/245) liegen bei 91 Prozent.

Olympia / Biathlon / Wintersport / Italien / Deutschland / International / Franziska Preuß
16.02.2026 · 08:54 Uhr
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