Bieterschlacht um ProSiebenSat.1 intensiviert sich: MFE stockt Angebot auf
Im Rennen um die Übernahme von ProSiebenSat.1 rüstet die Berlusconi-Familie weiter auf. Die italienische Holding MediaForEurope (MFE) hat angekündigt, ihre Offerte für den deutschen Medienkonzern deutlich zu verbessern.
Während der Baranteil unverändert bei 4,48 Euro pro Aktie bleibt, hat MFE die Aktienkomponente ihres Angebots erhöht. Statt der ursprünglich vorgesehenen 0,4 bietet MFE nun 1,3 eigene Aktien zusätzlich an. Damit steigt der Wert der gesamten Offerte auf ansehnliche 8,62 Euro je Aktie des SDax-gelisteten Unternehmens.
Die Annahmefrist für das Angebot läuft weiterhin bis zum 13. August. Bisher hatte MFE lediglich den gesetzlich geforderten Mindestpreis für die Aktien geboten. Aktuell hält die Berlusconi-Holding rund 30,1 Prozent der Stimmrechte an ProSiebenSat.1. Die Nachricht über die Angebotserhöhung ließ die Aktie von ProSiebenSat.1 im frühen Handel um fast elf Prozent klettern und erreichte 7,805 Euro.
Dennoch liegt dieser Wert unterhalb des von MFE gebotenen Preises. Im Gegensatz dazu gaben die MFE-Aktien leicht nach. Trotz des jüngsten Kursgewinns hat das ProSiebenSat.1-Papier seit seinem Höchststand im November 2015 fast 85 Prozent an Wert verloren und notiert nun bei einem Börsenwert von rund 1,8 Milliarden Euro.
Der Vorstand von ProSiebenSat.1 zeigte sich in einer Mitteilung positiv gestimmt über die Erhöhung des Angebots, das als Beleg für das nachhaltige Interesse und die Unterstützung von MFE gewertet wird. Eine umfassende Stellungnahme seitens des Vorstands und Aufsichtsrats wird folgen, sobald die formale Anpassung des Übernahmeangebots eingegangen ist.
Ein wahres Ringen um ProSiebenSat.1 entfaltet sich zwischen MFE und dem weiteren Großaktionär, der tschechischen PPF-Gruppe. PPF offeriert derzeit 7,00 Euro pro Aktie mit dem Ziel, seinen Anteil auf bis zu 29,99 Prozent auszubauen. ProSiebenSat.1 hat jedoch keine Empfehlung für das PPF-Angebot herausgegeben, da dieses als zu gering angesehen wird.
Sorgenvoll beobachtet die deutsche Politik die Marktentwicklung. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer äußerte Bedenken über die journalistische Unabhängigkeit des Senders im Falle einer Übernahme durch MFE. Gespräche mit MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi, dem Sohn des verstorbenen italienischen Politikers Silvio Berlusconi, sind geplant.

