Balearische Herausforderung: Liebe auf Distanz?
Die Balearen sind nach wie vor ein heißbegehrtes Urlaubsziel, doch die Stimmung auf Mallorca und den benachbarten Inseln ist getrübt. Obwohl der Archipel von Januar bis September mit 16,6 Millionen Besuchern einen neuen Rekord verzeichnete, zeigt die Statistikbehörde INE eine interessante Entwicklung: Deutsche Touristen, langjährige Stammgäste, meiden zunehmend das einstige Paradies ihrer Urlaubssehnsüchte. Fast zwei Prozent weniger deutsche Besucher deutet darauf hin, dass der Zauber schwindet.
Ein Grund dafür könnten die lauter werdenden Proteste gegen den Massentourismus sein, die nicht nur auf Mallorca, sondern auch in anderen spanischen Touristenhochburgen wie Málaga und Valencia immer heftiger werden. Bilder von Protesten mit Wasserpistolen schafften es bereits um die Welt. Insbesondere auf Mallorca bemerken Besucher signifikante Preissteigerungen. Einst als preiswertes Urlaubsziel geschätzt, ist die Insel nun zunehmend teuer.
Erfahrungen wie die von Andrea Franz aus Hanau spiegeln, was viele denken: "Für das Hotel zahlen wir mittlerweile doppelt so viel wie früher." Auch Karl und Monika Finken aus Mönchengladbach beschließen nach fast 40 Jahren Treue zur Insel, Abschied zu nehmen. Sie vermissen das frühere Ambiente und finden, der Ballermann sei zunehmend zum Schauplatz für Sauftourismus verkommen.
Trotz boomender Besucherzahlen, die 2025 die 20-Millionen-Grenze überschreiten könnten, profitieren längst nicht alle inselbewohnenden Menschen davon. Die wirtschaftlichen Gewinne stehen in krassem Widerspruch zu den Realitäten vieler Einwohner, die sich durch die steigenden Lebenshaltungskosten und Umweltprobleme bedrängt fühlen. Angesichts dieser Konflikte schlagen lokale Organisationen Alarm und rufen in einem offenen Brief gar dazu auf, die Insel zu meiden.
Der Ruf der Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum und sozialen Bedürfnissen wird lauter. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Inseln in den kommenden Jahren positionieren und ob sie es schaffen, den Tourismus nachhaltiger zu gestalten.

