Investmentweek

Audis US-Gamble: Wer zahlt den Preis für den Aufbruch nach Amerika?

11. August 2025, 08:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Audis US-Gamble: Wer zahlt den Preis für den Aufbruch nach Amerika?
Foto: InvestmentWeek
Der geplante US-Absatz von bis zu 400.000 Fahrzeugen jährlich ist Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit eines eigenen Werks – aktuell liegt Audi bei unter 200.000.
Die VW-Tochter will ein eigenes Werk in den USA errichten – doch was wie ein strategischer Befreiungsschlag klingt, droht zu einem riskanten Kraftakt zu werden. Denn die Zölle steigen, der Q5 steht unter Druck, und das Geld für den Milliardenbau fehlt.

Zölle als Geschäftsrisiko

Die Rechnung ist brutal einfach: Wer keine Autos in den USA baut, zahlt drauf. Audi ist derzeit der einzige deutsche Premiumhersteller ohne lokale Fertigung in den Vereinigten Staaten – und das wird immer teurer.

Nach der jüngsten Zolleinigung zwischen der EU und den USA müssen für Fahrzeuge aus Europa 15 Prozent Einfuhrzoll entrichtet werden. Noch schlimmer trifft es den SUV Q5 aus Mexiko, auf den 25 Prozent, möglicherweise bald 30 Prozent, anfallen.

Ein Teil dieser Mehrkosten lässt sich intern auffangen, doch vieles landet direkt beim Kunden – und genau das könnte künftig zum Problem werden. Denn Audi verkauft ein Drittel seiner Q5-Produktion in die USA. Werden die Fahrzeuge dort zu teuer, kippt das Geschäftsmodell.

Werk ja – Lösung nein

Deshalb denkt Audi über ein eigenes Werk in den USA nach. Favorit ist ein sogenanntes „Zwillingswerk“ in Chattanooga, wo Konzernmutter Volkswagen bereits produziert.

Der Standort würde Bauzeit und Kosten drücken, doch eine Entscheidung steht noch aus. Konzernchef Oliver Blume verhandelt direkt mit der US-Regierung über mögliche Investitionsanreize. Laut Insidern könnte jeder in den USA investierte Euro mit Zollnachlässen „verrechnet“ werden.

Doch so logisch die Idee klingt – sie bringt massive Folgeprobleme mit sich. Audi müsste seinen Absatz in den USA drastisch steigern, um die Investition zu rechtfertigen. Von derzeit unter 200.000 Einheiten auf bis zu 400.000 jährlich. Das erscheint ambitioniert. Auch, weil Audi zuletzt weltweit schwächelte: 2024 wurden weniger als 1,7 Millionen Fahrzeuge verkauft – weit entfernt vom einstigen Drei-Millionen-Ziel.

Audi importiert 100 % seiner US-Fahrzeuge – im Gegensatz zu BMW und Mercedes – und steht deshalb unter massivem Druck durch Trumps neue Zollregelung.

Der Fall Q5 – und das Mexiko-Dilemma

Ein zentrales Problem ist das Werk im mexikanischen San José Chiapa. Dort wird der Q5 produziert – Audis Bestseller auf dem US-Markt. Im ersten Halbjahr 2025 gingen 21.520 Fahrzeuge allein in die USA. Doch genau dieser Absatz ist jetzt in Gefahr.

Verlagert man Teile der Produktion nach Chattanooga, um die Zölle zu umgehen, steht das mexikanische Werk zur Disposition. Eine Schließung aber ist kaum machbar: Die Anlage ist das jüngste Werk im Audi-Portfolio, die Rückstellungen wären doppelt so hoch wie bei der Werksaufgabe in Brüssel (1,2 Milliarden Euro). Ein Kahlschlag ist finanziell nicht tragbar.

Stattdessen wird nun geprüft, ob andere Konzernmarken – etwa Cupra – in Mexiko produzieren könnten. Die spanische Performance-Tochter wird ohnehin nicht in den USA vertrieben, wäre also immun gegen Trumps Zollpolitik. Denkbar wäre auch eine Doppelnutzung: Q5 und Cupra im Wechsel, um das Werk auszulasten. Doch noch ist alles offen.

Ein Werk ohne Finanzierung

Während das Strategiepapier auf Hochtouren läuft, bleibt die Finanzierungsfrage ungelöst. Audi stehen im Fünfjahresplan des VW-Konzerns rund 37 Milliarden Euro zur Verfügung.

Darin enthalten: Investitionen in Elektromobilität, Digitalisierung – aber kein Geld für ein US-Werk.

Das bedeutet: Entweder greift der Konzern tief in die eigene Tasche – oder Audi müsste den Milliardenbau aus dem operativen Cashflow stemmen. Intern rechnet niemand damit, dass das zu stemmen ist, ohne die Gewinnziele zu reißen. Und das, obwohl Audis operative Marge bereits jetzt im Vergleich zur Konkurrenz unter Druck steht.

Döllners Drahtseilakt

Audi-CEO Gernot Döllner steht unter Zugzwang. Im September will er seine neue US-Strategie vorstellen, möglicherweise verbunden mit einer Vertragsverlängerung bis 2028. Seine Mission: Audi im wichtigsten Automarkt der Welt fit machen – ohne die Bilanz zu sprengen.

Döllner steht für einen klaren Strategiewechsel. Unter seinem Vorgänger Markus Duesmann herrschte eine aggressive Wachstumslogik. Döllner will realistischere Ziele: 2,2 bis 2,3 Millionen Fahrzeuge weltweit – anstelle der symbolischen Drei-Millionen-Marke. Doch auch er weiß: Ohne Fortschritt in den USA droht Audi der Anschluss an BMW und Mercedes zu entgleiten.

Politik als Risiko

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Donald Trump. Der US-Präsident ist bekannt für unberechenbare Zollentscheidungen. Schon jetzt deutet er eine Erhöhung der Mexiko-Zölle auf 30 Prozent an.

Gleichzeitig lockt er mit Sonderdeals für Investoren – je größer das Investment, desto niedriger der Zoll. Audi versucht, auf dieser Bühne mitzuspielen. Doch ohne Einfluss, wie ihn VW-Chef Blume besitzt, bleibt der Spielraum gering.

Trump ist kein Freund der Multilateralität – und erst recht keiner der EU. Sollte sich die politische Großwetterlage ändern, etwa durch eine neue Zollrunde oder einen Handelsstreit mit China, könnte das gesamte Investitionsszenario hinfällig werden.

Finanzen / Automobile
[InvestmentWeek] · 11.08.2025 · 08:00 Uhr
[0 Kommentare]
Milliarden-Wahnsinn: Eli Lilly zündet die nächste Stufe
Was zunächst nur als Gerücht durch die Flure des Wall Street Journal geisterte, ist nun harte Realität und spült Milliarden in den Markt. Der Pharma-Gigant aus Indianapolis nutzt seine prall gefüllte Kriegskasse für einen strategischen Schachzug, der die Konkurrenz das Fürchten lehren dürfte. Für eine Bewertung von 1,2 Milliarden Dollar wandert die Biotech-Schmiede Ventyx Biosciences unter das […] (00)
vor 22 Minuten
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr
Washington (dpa) - US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat die deutsche Regierung wegen Strafverfahren im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie kritisiert und ihr vorgeworfen, die Autonomie von Patienten zu missachten. Aus diesem Grund habe er am Freitag einen Brief an die deutsche Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geschickt, teilte er am Samstag auf der Plattform X mit. Den […] (05)
vor 45 Minuten
Ariana Grande
(BANG) - Ariana Grande bräuchte "ein zusätzliches Gehirn und vier weitere Arme", um ein neues Album zu machen. Die 'Wicked'-Darstellerin hat bestätigt, dass es "definitiv" keine neue Musik von ihr geben wird, bevor sie im Juni ihre 'Eternal Sunshine'-Tour startet, da sie mit anderen Verpflichtungen stark eingespannt ist. Gegenüber 'Variety' sagte sie über die Möglichkeit eines neuen Albums: "Nein […] (00)
vor 9 Stunden
Elon Musk
London (dpa) - Mit kritischen wie kryptischen Beiträgen auf seiner Plattform X hat Techmilliardär Elon Musk auf die britische Untersuchung der KI Grok reagiert. Musk warf der Regierung in London unter anderem Zensur vor, in einem Beitrag nannte er sie «faschistisch». Ähnliche Vorwürfe gegen Großbritannien hatte Musk immer wieder erhoben. Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom untersucht […] (00)
vor 3 Stunden
Gerüchte: Nächstes Age of Empires nutzt Unreal Engine & Microsoft will StarCraft zurückbringen
Als Echtzeit-Strategie-Fan ist man seit Jahrzehnten hart im nehmen. Man nimmt alles, was man kriegen kann und erwartet sich eigentlich nichts mehr. Tempest Rising war ein so großes Ding, ein „Command & Conquer-Comeback“ (aber nicht von EA oder dem alten Westwood-Team), dass kurz nach Release in die Bedeutungslosigkeit geschlittert ist. Und eigentlich hat man sich von Age of Empires 4 auch mehr […] (00)
vor 35 Minuten
«Relationship Goals» startet bei Prime Video
Was passiert, wenn Liebe plötzlich nach Regeln funktioniert? Prime Video schickt eine romantische Komödie ins Rennen, die Romantik, Karriereambitionen und Glaubensfragen miteinander verknüpft. Prime Video hat den offiziellen Trailer zu Relationship Goals veröffentlicht. Der Film startet am 4. Februar 2026 weltweit beim Streamingdienst und setzt auf ein prominentes Duo: Kelly Rowland und Method Man übernehmen die Hauptrollen in der romantischen […] (01)
vor 7 Stunden
1. FC Union Berlin - FSV Mainz 05
Berlin (dpa) - Bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte hat Urs Fischer mit Schlusslicht FSV Mainz 05 zum Jahresauftakt einen Big Point im Abstiegskampf verpasst. Der Schweizer Coach, der Union Berlin einst von der 2. Liga in die Champions League geführt hatte, musste sich mit seinem neuen Club trotz 2: 0-Führung mit einem 2: 2 (1: 0) in Köpenick begnügen. Damit warten die Mainzer weiter auf ihren ersten Erfolg in […] (00)
vor 2 Stunden
Ermüdung nach den Feiertagen: Was Expertinnen und Experten zu Erholungstypen sagen
Linden, 10.01.2026 (lifePR) - Die Zeit nach Weihnachten gilt als ruhig und erholsam – dennoch berichten viele Menschen von anhaltender Müdigkeit und innerer Unruhe. Laut Beobachtungen des MindTecStore hängt dies mit verschiedenen „Erholungstypen“ zusammen, die unterschiedlich auf soziale Reize, Abläufe und Umgebungen reagieren. Fachleute unterscheiden dabei häufig zwischen Menschen, die durch […] (00)
vor 2 Stunden
 
cryptocurrency, bitcoin, coin, money, digital, finance, crypto, cognac, liquor, clock, business, investments, cryptocurrency, cryptocurrency, crypto, crypto, crypto, crypto, crypto
Nach der längsten positiven Serie eines krypto-basierten ETFs an der Wall Street verzeichneten […] (00)
stock, chart, apple, bitcoin, investing, trading, crypto, block chain, vpn, euro, business, ipad, logo, options, derivatives, futures, digital, electronic, corporate, office, monitor, work, crypto, crypto, crypto, crypto, crypto, vpn, vpn, vpn
Nach einem optimistischen Start ins neue Jahr könnte der Bitcoin-Kurs laut einem Marktanalysten […] (01)
Foxconn profitiert vom KI-Boom – Rekordumsatz im Quartal
Rekordquartal dank Künstlicher Intelligenz Der taiwanische Konzern Foxconn hat im […] (00)
Streik (Archiv)
Berlin - Der Bundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbunds, Volker Geyer, hat die Forderung von […] (04)
Gegen die Pfunde: Wie ein Eingriff in den Zellstoffwechsel das Abnehmen verändern könnte
Übergewicht gilt längst nicht mehr nur als Frage von Lebensstil oder Willenskraft, sondern als […] (00)
810 km Reichweite! Volvo kündigt für 2026 den Rekordstromer EX60 an
Ganz entspannt in den Urlaub fahren, ohne zwischendurch zu laden: Dafür können 810 Kilometer […] (00)
Merz warnt vor Wirtschaftsabschwung – Lage in Teilen der Wirtschaft „sehr kritisch“
Wettbewerbsfähigkeit reicht nicht aus In einem Brief an die Bundestagsabgeordneten von Union […] (01)
«1923» feiert Free-TV-Premiere bei TF1 Séries Films
Das «Yellowstone»-Prequel «1923» erreicht Ende Januar das französische Free-TV und zeigt den […] (00)
 
 
Suchbegriff