Arthur oder Niko? Rockstar-Mastermind Dan Houser kürt seine liebsten Videospielfiguren
Dan Houser, einer der Mitbegründer von Rockstar Games und die kreative Feder hinter einigen der meistgefeierten Titel der Studiogeschichte, hat in einem seltenen und tiefgründigen Interview mit Lex Fridman Einblicke in seine persönliche Ruhmeshalle der Charaktere gewährt. Dabei enthüllte er, welche seiner unzähligen Schöpfungen ihm am meisten am Herzen liegen. Für viele Fans wenig überraschend, für andere eine Bestätigung mit Gewicht: Arthur Morgan, der tragische Held aus Red Dead Redemption 2, sei der „beste Hauptcharakter“, den er je geschrieben habe. In fast demselben Atemzug nannte er jedoch auch eine weitere Ikone, die ihm ebenbürtig erscheint.
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zweier Legenden
In dem Gespräch wurde deutlich, dass es für Houser keine einfache Wahl ist. Auf die Frage, ob Arthur seine beste Kreation sei, antwortete er: „Ich denke, er ist der beste Hauptcharakter.“ Schnell fügte er jedoch hinzu, dass Niko Bellic, der düstere Protagonist aus Grand Theft Auto 4, direkt neben Arthur auf dem Thron sitze. „Er und Niko sind die beiden, die ich mag. Sie waren die zwei ambitioniertesten. Für mich ist es also immer eine Art Kopf-an-Kopf-Rennen, wissen Sie?“ Dieses unverblümte Bekenntnis zeigt, welche beiden Figuren für ihn den Gipfel seines erzählerischen Schaffens darstellen, weil sie die komplexesten und am besten ausgearbeiteten Persönlichkeiten besitzen.
Die Magie hinter Arthur Morgan
Warum er Arthur so hoch schätzt, führte Houser weiter aus und gab dabei einen faszinierenden Einblick in den kollaborativen Prozess bei Rockstar. Es war nicht allein der geschriebene Text, sondern das perfekte Zusammenspiel mit anderen Abteilungen. „Das Art-Team hat so eine erstaunliche Arbeit geleistet“, erklärte er. „Es war ihre Idee mit dem Tagebuch.“ Diese Funktion, in der Arthur seine Reisen mit Bleistiftskizzen und persönlichen Notizen dokumentierte, war ein entscheidender Baustein. „Die Art und Weise, wie all die Features in Arthurs Charakter eingeflossen sind, fand ich wirklich … er war wirklich abgerundet, er hat auf viele verschiedene Weisen sehr gut funktioniert. Ich liebte seine fehlerhafte Beziehung zu seiner alten Freundin, solche Dinge.“
Die inspirierende Macht eines Nebencharakters
Doch nicht nur die Hauptfiguren haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Als es um die besten Nebencharaktere aus Rockstars Pantheon ging, fiel die Wahl eindeutig auf Dutch van der Linde. Houser würdigte hierbei vor allem die Leistung des Synchronsprechers Benjamin Byron Davis. Dessen Darbietung im ersten Red Dead Redemption war so kraftvoll, dass sie die Figur für Houser erst richtig zum Leben erweckte. „Ich liebe Dutch“, gestand Houser. „Als der Schauspieler sprach, kam mir sofort ihre gesamte Hintergrundgeschichte in den Sinn. […] Ich wusste von da an, dass er ein größerer Gangster war. Ich sah sozusagen genau, wer er war. Er fühlte sich für mich wie ein lebendiger Charakter an.“
Von Londoner Gassen und Budget-Problemen
Das Interview streifte auch andere spannende Themen. So offenbarte Houser, warum er glaubt, dass ein Grand Theft Auto außerhalb der USA kaum funktionieren würde. Die amerikanischen Schauplätze seien ideal, weil man „Waffen braucht, man braucht diese überlebensgroßen Charaktere“, was in London oder anderswo schwer umzusetzen sei. Zudem gab er zu, dass die Entwicklung von Red Dead Redemption 2 eine angespannte Zeit war, da das Projekt „hinter dem Zeitplan“ und „über dem Budget“ lag – ein ehrlicher Einblick in die turbulenten Prozesse hinter einem Meisterwerk.


