Antje Boetius: Ein Weckruf für die globale Wissenschaftsgemeinschaft
Die renommierte Meeresbiologin Antje Boetius, bekannt für ihre wegweisenden Arbeiten im Bereich der Polar- und Meeresforschung, äußert ernsthafte Bedenken hinsichtlich der zukünftigen internationalen Forschungskooperationen. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur warnte die scheidende Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven vor den weitreichenden Konsequenzen des Wissenschaftsangriffs durch den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, der international spürbare Auswirkungen habe.
Boetius, die im Mai als Präsidentin des Monterey Bay Aquarium Research Institute nach Kalifornien wechselt, hebt hervor, dass die deutsche und amerikanische Forschungsgemeinschaft seit Jahrzehnten eng verbunden sind. Gemeinsame Projekte, insbesondere in der Polar- und Meeresforschung, könnten durch eine Schwächung der amerikanischen Wissenschaft erheblich beeinträchtigt werden.
Bereits zuvor seien Forschungskooperationen mit russischen und chinesischen Partnern auf Eis gelegt oder kritisch beäugt worden, was die internationale Forschungslandschaft weiter verkompliziert. Boetius betont, dass reduzierte Mittel für wissenschaftliche Nachwuchsförderung und Bildung das gesamte System nachhaltig beeinflussen könnten.
Trotz der politischen Unsicherheiten zeigt sich Boetius optimistisch, was ihre neue Rolle in den USA betrifft. Dank der Finanzierung durch eine private Stiftung sieht sie ihre zukünftige Forschung am kalifornischen Institut gesichert. Gleichzeitig warnt sie jedoch eindringlich davor, dass Druck auf Wissenschaft und Bildung langfristige negative Auswirkungen für Gesellschaft und Wirtschaft haben könnte.
Mit ihrer neuen Anstellung in Kalifornien erhofft sich die 58-Jährige, mehr Freiraum für eigene Forschungsaktivitäten zu gewinnen. Die Nähe zu faszinierenden Ökosystemen der Tiefsee soll es ihr ermöglichen, den direkt vor der Küste gelegenen Canyon zu erforschen – ein vielversprechendes Vorhaben in einer unsicheren Zeit der Wissenschaft.

