Analyse: Jagd auf Steuersünder

30. Januar 2010, 21:54 Uhr · Quelle: dpa
Berlin (dpa) - Auf die Schweiz ist kein Verlass mehr. Nach der Liechtenstein-Affäre müssen unbelehrbare Steuerhinterzieher fürchten, dass ihre illegalen Geschäfte bei eidgenössischen Banken auffliegen. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) winkt ein Geldsegen für die klamme Staatskasse.

Der ein oder andere Bürger könnte demnächst zusammenzucken, wenn es morgens an der Tür schellt. Sind die Steuerfahnder schon da? Oder doch nur der Stromableser? Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel kann ein Lied davon singen. Im Februar 2008 tauchten im Morgengrauen Polizisten und Staatsanwälte vor seiner Villa in Köln auf. Sichtlich angeschlagen wurde der einst hoch geachtete Topmanager vor laufenden Kameras aus dem Haus geführt.

Für seine Steuergeschäfte im Fürstentum Liechtenstein kam Zumwinkel am Ende mit zwei Jahren Haft auf Bewährung davon. Die Gier nach der ganz großen Rendite kostete ihn aber alle Spitzenposten und mehrere Millionen an Steuern, Zinsen und Gebühren.

Noch ist unklar, wie gut und belastbar die angebotenen Daten aus der Schweiz sind. Auch die Identität des Informanten liegt im Dunkeln. Eine erste Stichprobe mit fünf Verdächtigen soll ein Volltreffer gewesen sein. Bei diesem Quintett soll eine Nachzahlung von je über einer Million Euro zu erwarten sein. Schon wird spekuliert, dass der Fiskus mit der Datensammlung von etwa 1500 Personen bis zu 100 Millionen Euro nachträglich kassieren könnte.

Die spannende Frage ist, ob Schäuble zugreift. In der Liechtenstein-Affäre hatten Juristen wochenlang gestritten, ob der Ankauf gestohlener Daten durch Behörden rechtmäßig ist. Besonders brisant war der Fall, weil der Bundesnachrichtendienst (BND) seine Finger im Spiel hatte.

Ein Ex-Mitarbeiter der Vaduzer LGT-Bank bot den Schlapphüten mehrere DVDs mit den Namen von Deutschen an, von denen viele ihr Geld an der Steuer vorbei in Liechtensteiner Stiftungen angelegt hatten. Trotz aller Bedenken genehmigte Steinbrück den Deal - und freute sich später: «Sensationell! Das war das Geschäft meines Lebens.» Für eine Investition von netto gut vier Millionen Euro nahm der Staat am Ende über 100 Millionen Euro an Steuern ein.

Steinbrück nutzte die Affäre mit Unterstützung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für einen Frontalangriff auf das kleine Liechtenstein und die übrigen Steueroasen in der Welt. Auch die Schweiz mit ihren weltberühmten Bankhäusern war reif. Erst drohte Steinbrück mit Zuckerbrot und Peitsche, dann mit der Kavallerie von Fort Yuma, die den Schweizern wie den Apachen am Colorado River mal erklären müsse, wo's langgeht.

Das Säbelrasseln - mit der Finanzweltmacht USA an vordester Front - zeigte Wirkung. Auf Druck der G20-Staaten lenkte die Schweiz ein und erfüllte alle Bedingungen, um von der Grauen Liste der Steueroasen gestrichen zu werden. Auch Österreich, Luxemburg und Belgien knickten ein. Zur Amtshilfe müssen die Schweizer Behörden nun auf bloßen Verdacht hin ihren deutschen Kollegen Namen und Bank von Kapitalanlegern übermitteln. Früher waren handfeste Indizien für einen Steuerbetrug erforderlich.

Doch ohne Insider-Tipps, die oft von frustrierten oder gefeuerten Bankmitarbeitern kommen, sind großen Steuerfälle von den Behörden nur selten zu knacken. Wer zufällig mit einem Geldkoffer schon einmal in Zürich war, sollte jetzt seinen Steuerberater anrufen und in sich gehen - der Finanzminister empfiehlt in diesen Fällen: Selbstanzeige!

Kriminalität / Steuern
30.01.2010 · 21:54 Uhr
[10 Kommentare]
Straße von Hormus
Tampa (dpa) - Ein von den USA angegriffener iranischer Öltanker ist nach Angaben des US-Militärs im Golf von Oman gesunken. Das Versenken der «M/T Kylo» sei der «Präzision und der Professionalität» der US-Soldaten zu verdanken, erklärte das zuständige US-Regionalkommando Centcom in der Nacht auf der Plattform X. Der Tanker war demnach nicht mit Öl […] (00)
vor 5 Minuten
Jasmin Tawil
(BANG) - Jasmin Tawil befindet sich nach eigenen Angaben derzeit in einer finanziellen Notlage und hat kein Zuhause. Die ehemalige GZSZ-Darstellerin wandte sich aus Kroatien mit einem dringenden Appell an ihre rund 38.900 Follower. In ihrer Instagram-Story erklärte die 44-Jährige: "Ich habe völlig unerwartet Wohnung und Arbeit verloren und bin aktuell […] (05)
vor 16 Stunden
OpenAI-Logo
San Francisco (dpa) - Eigenständig agierende KI-Agenten des ChatGPT-Entwicklers OpenAI haben eine deutschsprachige Wiki-Seite in großem Stil für Absprachen untereinander missbraucht. Der erst jetzt öffentlich gewordene Vorfall aus dem Frühjahr ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Software mit Künstlicher Intelligenz ungeplanten Ärger bereiten kann. Die […] (01)
vor 10 Stunden
MY HERO ACADEMIA: All’s Justice erscheint heute für Nintendo Switch 2
Bandai Namco Entertainment veröffentlicht heute  MY HERO ACADEMIA: All’s Justice für Nintendo Switch 2. Basierend auf dem Handlungsbogen der finalen Schlacht der weltweit gefeierten Anime-Serie bietet das Spiel bekannte Momente aus der Serie sowie Kämpfe, in denen die ikonischen Spezialitäten der Charaktere zum Tragen kommen – all das mit den […] (00)
vor 21 Stunden
«DogMan» feiert Free-TV-Premiere im ZDF
Luc Bessons ungewöhnliche Mischung aus Drama, Thriller und Außenseitergeschichte läuft Ende September erstmals im deutschen Free-TV. Caleb Landry Jones übernimmt die Hauptrolle. Das ZDF setzt sein Montagskino am 28. September 2026 mit einer Free-TV-Premiere fort. Um 22.15 Uhr zeigt der Mainzer Sender den französisch-amerikanischen Spielfilm DogMan von Luc Besson. Der 2023 entstandene Film war […] (00)
vor 14 Stunden
Marco Brenner
Sierra de la Pandera (dpa) - Marco Brenner breitete die Arme aus und feierte in 1.800 Metern Höhe den größten Erfolg seiner Karriere. Der deutsche Youngster holte sich überraschend auf der 14. Etappe der Vuelta den Sieg bei der Bergankunft in Sierra de la Pandera. Der 24-jährige Brenner, der erst seine dritte Grand Tour fährt, sorgte damit für den ersten deutschen […] (01)
vor 4 Stunden
woman, crypto, bitcoin, digital, currency, coin, blockchain, happy, success, business
Der Krypto-Investor Machi Big Brother, auch bekannt als Jeffrey Huang, hat sein Angebot über $1 Million für Friend.tech zurückgezogen. Er nannte die Risikokapitalfirma Paradigm als möglichen Grund für das Scheitern des Deals. Huang hatte den Mitbegründer Racer aufgefordert, die Web3-Sozial-App auf der Robinhood Chain neu zu starten. Diese […] (00)
vor 1 Stunde
Bezahlbarer Baugrund verfügbar
Weilburg, 05.09.2026 (lifePR) - 300.000 Wohnungen – das ist der Bedarf an Neubauwohnungen pro Jahr, so die Schätzung von Experten. Über deren Bezahlbarkeit entscheidet oft auch der hohe Baulandpreis. Dabei sind „Bauplätze“ in großer Zahl verfügbar: im Dachgeschoss oder auf dem Dach vieler Gebäude im Bestand. Darauf weist der Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Hessen in Weilburg hin. […] (00)
vor 19 Stunden
 
Ukraine-Krieg: Putin beginnt Gespräche mit US-Unterhändlern
Moskau (dpa) - In Moskau sind die kurzfristig anberaumten neuen Gespräche zum russischen […] (06)
Zur Überbrückung: Patient lebt neun Monate mit Minischwein-Niere
Eine Nierenerkrankung im Endstadium und keine menschliche Spenderniere in Sicht: Der […] (00)
Schuldenuhr (Archiv)
Berlin - Deutschlands Staatsfinanzen stehen aus Sicht führender Ratingagenturen vor […] (08)
VW-Werk (Archiv)
Berlin - Der Vorsitzende der Linken, Luigi Pantisano, hat den vom VW-Aufsichtsrat […] (05)
FC Schalke 04 - Bayern München
Gelsenkirchen (dpa) - Harry Kane schimpfte wegen des raschen Abpfiffs mit […] (01)
Geleakte Roadmap enthüllt mehr als zehn neue iPhone-Modelle bis 2028
Ein umfassender Leak gewährt detaillierte Einblicke in Apples […] (01)
Sir Lewis Hamilton hat seine Mutter mit nach Monza genommen, in der Hoffnung, dass sie etwas 'Glücksstaub' verstreuen kann.
(BANG) - Sir Lewis Hamilton hat seine Mutter mit nach Monza genommen, in der […] (01)
Kostenlose Demo zu Final Fantasy Resonance verfügbar
In Sonys heutiger State of Play gewährte Square Enix den Fans neue Einblicke in  […] (00)
 
 
Suchbegriff