Künstlerische Integrität siegt: Larian verbannt Gen-KI radikal aus der Divinity Konzeptphase
Es war ein wilder Ritt für Larian Studios, geprägt von ehrfürchtigem Staunen über ihre Erfolge, aber zuletzt auch von einem grollenden Sturm der Entrüstung. Der Stein des Anstoßes? Die Nutzung von generativer KI (Gen-KI) zur Erstellung von Konzeptkunst für das kommende Divinity-Spiel. Doch Swen Vincke, der charismatische Gründer und CEO des Studios, hat nun ein Machtwort gesprochen, das in der Branche noch lange nachhallen dürfte. Um jeden Zweifel an der Urheberschaft der visuellen Pracht auszuräumen, vollzieht das Studio eine Kehrtwende und verbannt KI-Tools aus der Konzeptphase.
Keine Grauzonen mehr: „Zweifel ausräumen“
In einem kürzlich abgehaltenen Reddit-AMA legte Vincke die Karten offen auf den Tisch. Obwohl er zuvor versichert hatte, dass im finalen Spiel keine KI-generierten Assets landen würden, erkannte er die Verwirrung und die Skepsis der Community an. Die Entscheidung, KI auch aus der „Explorationsphase“ der Konzeptkunst zu streichen, ist ein drastischer Schritt hin zu totaler Transparenz.
„Um sicherzustellen, dass es keinen Raum für Zweifel gibt, haben wir beschlossen, während der Entwicklung von Konzeptkunst auf Gen-KI-Tools zu verzichten“, erklärte Vincke. Damit entzieht er jeglicher Diskussion über die Herkunft der Kunstwerke den Nährboden. Es ist ein Bekenntnis zum menschlichen Handwerk, das in Zeiten algorithmischer Flutwellen fast schon nostalgisch anmutet.
Eigene Daten statt fremder Federn
Das bedeutet jedoch nicht, dass Larian zu technikfeindlichen Ludditen mutiert. Vincke betont, dass man durchaus weiterhin mit Technologien experimentiere, um interne Prozesse zu beschleunigen und Ideen schneller zu verfeinern. Doch hier zieht das Studio eine unmissverständliche ethische rote Linie: Sollte jemals ein Gen-KI-Modell genutzt werden, um tatsächliche In-Game-Assets zu erstellen, so wird dieses ausschließlich mit Daten trainiert, die Larian selbst gehören. Die Angst vor urheberrechtlich fragwürdigem „Data Scraping“ fremder Künstler wird damit im Keim erstickt. Man setzt auf einen geschlossenen Kreislauf, bei dem die Herkunft der Trainingsdaten zu 100 Prozent verifiziert ist.
Autoren vs. Algorithmus: Der Qualitäts-Check
Doch wie steht es um die narrative Seele des Spiels? Writer Adam Smith sprang seinem Chef zur Seite und bestätigte, dass diese Säuberungsaktion auch für das geschriebene Wort gilt. Keine KI wird Dialoge, Journal-Einträge oder Lore-Texte verfassen. Smith lieferte hierfür eine herrlich pragmatische Begründung: Die Qualität stimmt schlichtweg nicht.
Interne Tests hätten ergeben, dass KI-generierte Texte bestenfalls eine Wertung von 3/10 erreichen. Selbst Smiths schlechteste erste Entwürfe – und davon gäbe es viele, wie er selbstironisch anmerkt – lägen immerhin bei einer 4/10. Der Aufwand, eine KI-Zeile auf das gewohnte Larian-Niveau zu hieven, sei gigantisch und ineffizient. Von der ersten Skizze bis zur vertonten Zeile brauche es viele menschliche Augen und Hände, keine Rechenpower.
Während wir uns also noch bis mindestens 2026 gedulden müssen, bis wir (vielleicht via Early Access) wieder in die rundenbasierten Kämpfe von Divinity eintauchen können, wissen wir eines sicher: Was wir sehen und lesen werden, stammt aus den Köpfen von Menschen, nicht aus der Blackbox einer Maschine.


