Oppositions-Hoffnung auf Neuwahl im Iran schwindet

23. Juni 2009, 21:47 Uhr · Quelle: dpa
Hamburg/Teheran (dpa) - Die Hoffnungen der iranischen Opposition auf ein Einlenken des Mullah-Regimes im Streit um das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen schwindet. Der mächtige iranische Wächterrat schloss die Annullierung der umstrittenen Abstimmung nun kategorisch aus.

Zwar beantragte das Gremium weitere fünf Tage Zeit zur Überprüfung des Ergebnisses. Jedoch gebe es keine Belege für größere Unregelmäßigkeiten, die eine Wiederholung des Urnengangs rechtfertigten, berichteten staatliche Sender unter Berufung auf einen Sprecher des Rates am Dienstag. Ursprünglich sollte das Endergebnis an diesem Mittwoch verkündet werden. Unterdessen verschärfte sich der diplomatische Konflikt zwischen der Regierung in Teheran und dem Westen.

Wie der britische Premierminister Gordon Brown in London erklärte, wurden zwei iranische Diplomaten des Landes verwiesen, nachdem Teheran zuvor zwei britische Vertreter ausgewiesen habe. Die von Teheran erhobenen Vorwürfe seien «ohne jegliche Grundlage». Der Iran wirft London vor, sich vor allem über das persische Programm des Rundfunksenders BBC in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen. «Ich bin enttäuscht, dass uns der Iran in diese Position gebracht hat», sagte Brown. Großbritannien strebe aber weiter gute Beziehungen an. Teheran müsse jedoch Menschenrechte und die Freiheit der Menschen im Iran respektieren.

US-Präsident Barack Obama verurteilte die «ungerechten Aktionen» der iranischen Staatsgewalt gegen Demonstranten. «Die USA und die internationale Gemeinschaft sind erschüttert und empört über die Drohungen, Misshandlungen und Gefangennahmen der letzten Tage», sagte Obama in Washington. Die Führung des Irans versuche mit «einer alten Strategie» und der Schaffung von Sündenböcken davon abzulenken, dass das iranische Volk um seine Zukunft ringe.

Das französische Außenministerium bestellte am Dienstag den iranischen Botschafter in Paris ein, um die «ernste Sorge» Frankreichs über die Entwicklungen zum Ausdruck zu bringen. Trotz eines Versammlungsverbot demonstrierten in Teheran mehrere Hundert Anhänger des umstrittenen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad am Dienstag vor der britischen Botschaft gegen die nach ihrer Meinung feindliche Politik des Westens. Die Polizei griff nicht ein.

Dagegen sorgt ein massives Aufgebot der iranischen Sicherheitskräfte dafür, dass es zu keinen weiteren Protesten der Opposition kommt. Für Dienstag hatte es aber auch keine neuen Aufrufe gegeben. Für Donnerstag rief der Oppositionspolitiker Mehdi Karrubi zu einer «Trauerkundgebung» für die Opfer der bisherigen Proteste auf. Am Montag hatten die Revolutionsgarden angekündigt, Verstöße gegen das Demonstrationsverbot mit aller Härte zu ahnden und ungenehmigte Versammlungen «auf revolutionäre Weise» aufzulösen.

Das iranische Innenministerium warf Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi, der bei den umstrittenen Wahlen am 12. Juni Ahmadinedschad nach offiziellen Angaben klar unterlegen war, am Dienstag vor, den Wählerwillen nicht zu akzeptieren. «Wenn er gewonnen hätte, wären die Wahlen gut gewesen. Verliert er, sollen die Wahlen schlecht sein», hieß es nach einem Bericht der Nachrichtenagentur IRNA in der Erklärung des Ministeriums. Zugleich wurden mehrere Beschwerden Mussawis gegen die Präsidentenwahl abgewiesen.

In einem Brief an den obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, bat der Wächterrat um fünf weitere Tage zur Überprüfung der Wahlergebnisse. Ursprünglich sollte das Endergebnis an diesem Mittwoch verkündet werden. Zuvor hatte der Sprecher des Rates mitgeteilt, dass die meisten Einwände gegen die Wahlen Unregelmäßigkeiten beträfen, die sich bereits vor der Abstimmung abgespielt haben sollen. Dafür sei der Wächterrat als Berufungsinstanz aber nicht zuständig.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte ein Ende der Gewalt im Iran. In einer Erklärung forderte er die Regierung in Teheran auf, sofort die Verhaftungen, Drohungen und die Anwendung von Gewalt zu stoppen. Er sei bestürzt über die Ereignisse. Das gelte vor allem für das staatliche Vorgehen gegen Zivilisten. Das iranische Außenministerium wies die Erklärung Bans als Einmischung in die inneren Angelegenheiten zurück.

Bei den Massenprotesten der vergangenen Tage waren auf den Straßen Teherans mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter nach unbestätigten Berichten die junge Neda Agha-Soltan, die inzwischen zur Ikone des Widerstands wurde. Staatliche iranische Sender berichteten am Dienstag, das Video, das ihren Tod zeige, sei «gefälscht». Der Sender Khabar berichtete, es sei offensichtlich, dass diejenigen, die die Aufnahmen machten, auf etwas gewartet hätten und das Ganze dann aus mehreren Winkeln gefilmt hätten.

Zu den über 400 Festgenommenen zählte auch kurzzeitig die Tochter des früheren Präsidenten und einflussreichen Klerikers Ali Akbar Rafsandschani sowie weitere Mitglieder aus dessen Familie. Rafsandschani gilt als Erzfeind Ahmadinedschads und als einflussreicher Strippenzieher hinter den Kulissen. Ein Sprecher der Justizbehörden sagte, dass man den Festgenommenen vor Gericht eine «Lektion erteilen» werde.

Die iranischen Behörden gehen auch weiter gegen ausländische Journalisten vor. Der Korrespondent der Zeitung «Washington Times» im Iran sei festgenommen worden, berichtete die Agentur FARS. Zuvor war bereits ein Reporter des US-Magazins «Newsweek» festgenommen worden, ein Korrespondent der BBC war des Landes verwiesen worden. Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen wurden Dutzende iranische Journalisten festgenommen.

Wahlen / Iran
23.06.2009 · 21:47 Uhr
[26 Kommentare]
Henning Höne (Archiv)
Berlin - Henning Höne, Vorsitzender der FDP Nordrhein-Westfalen und Bewerber um den Vorsitz der Bundes-FDP, hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) anlässlich des einjährigen Bestehens der schwarz-roten Koalition scharf kritisiert. Merz habe einen marktwirtschaftlichen Wahlkampf gemacht und mache jetzt entgegen seiner Versprechen den ganzen Tag […] (04)
vor 33 Minuten
Justin Baldoni
(BANG) - Justin Baldoni geht es "ziemlich gut", nachdem er seinen langwierigen Rechtsstreit mit Blake Lively beigelegt hat. Der Konflikt begann im Dezember 2024, als Lively Baldoni, der auch Regie bei 'It Ends With Us' führte, sexuelle Belästigung sowie eine gezielte Rufschädigungskampagne vorwarf. Daraufhin reagierten Baldoni und seine Produktionsfirma […] (00)
vor 3 Stunden
Computer Symbolbild
Frankfurt/Main (dpa) - Zahlreiche Websites mit dem Adressende «.de» sind in der Nacht zeitweise nicht erreichbar gewesen. Die Registrierungsstelle Denic verwies am späten Dienstagabend auf eine Störung in ihrem DNS-Service zur Auflösung von Domainnamen. DNS-Dienste sind so etwas wie ein Adressbuch für das Web und sorgen dafür, dass Seiten im Netz mit […] (00)
vor 1 Stunde
GTA 6: PC-Spieler sind wieder nur die zweite Wahl – Take-Two CEO erklärt die bittere Wahrheit
Die Katze ist aus dem Sack, auch wenn sie vielen nicht gefallen wird: Grand Theft Auto 6 wird, wie von vielen befürchtet, zuerst für Konsolen erscheinen. In einem Interview hat Strauss Zelnick, der CEO des Publishers Take-Two Interactive, die Gründe für diese seit Jahren praktizierte Strategie dargelegt. Das mit-abstand meisterwartete Spiel der Dekade […] (00)
vor 31 Minuten
Neuer Juryvorsitzender beim «Deutschen Fernsehpreis»: Lamby löst Bauer ab
Der Beobachtungszeitraum, den die Jury für die diesjährigen Auszeichnungen in den Blick nimmt, reicht vom 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026. Stephan Lamby tritt die Nachfolge von Wolf Bauer als Juryvorsitzender bei Der deutsche Fernsehpreis an. Neu in der Jury sind: Maria Gresz, Natalie Müller-Elmau, Ulrike Leibfried, Isabel Schayani und Meikel Giersemehl. Die Federführung liegt bei RTL, die […] (00)
vor 2 Stunden
Tennis: ATP-Tour - Rom
Rom (dpa) - Daniel Altmaier hat beim Turnier in Rom mit einem Kraftakt die zweite Runde erreicht und damit ein deutsches Tennis-Duell mit Alexander Zverev perfekt gemacht. Altmaier rang beim Masters-1000-Event den Chinesen Zhang Zhizhen mit 4: 6, 7: 6 (7: 3), 6: 4 nieder. Der 27-Jährige verwandelte nach 2: 22 Stunden seinen ersten Matchball. Dabei hatte […] (00)
vor 34 Minuten
Giganten am Abgrund der Transformation: Der Tag der Abrechnung für Energie und Rohstoffe
Überblick: Ein vielversprechender Handelstag für Energiesektor und Rohstoffe Der heutige Tag präsentiert sich als ein bedeutsamer Handelstag für internationale Märkte, an dem zwei Schwergewichte aus unterschiedlichen Branchen ihre Quartalsergebnisse publik machen werden. Die Veröffentlichungen von Southern Company und Weyerhaeuser Co. versprechen […] (00)
vor 32 Minuten
DVS CONGRESS 2026: Mehr Raum für Austausch und Dialog – Online-Registrierung ist geöffnet
Düsseldorf, 06.05.2026 (PresseBox) - Am 14. und 15. September findet der DVS CONGRESS 2026 in der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen statt und bietet Besuchern praxisnahe Vorträge aus der industriellen Anwendung der Fügetechnik. Ab sofort ist die Registrierung zu der bedeutendsten Fachkonferenz für das Fügen, Trennen und Beschichten in Deutschland online […] (00)
vor 1 Stunde
 
Polizei (Archiv)
Karlsruhe - Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwochmorgen aufgrund von Beschlüssen des […] (00)
Vonovia (Archiv)
Frankfurt am Main - Der neue Vorstandsvorsitzende des Immobilienkonzerns Vonovia, […] (02)
Collien Ulmen-Fernandes (Archiv)
Berlin - Die Moderatorin Collien Fernandes kritisiert den Gesetzentwurf von […] (02)
Heizung (Archiv)
Berlin - Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hat das neue Heizungsgesetz der […] (00)
«Das Fifty-Fifty Quiz» mit Fabian Köster startet im August
Der NDR bringt eine neue Quizshow ins Programm, die auf Tempo, Strategie und prominente […] (00)
GTA 6 zuerst auf Konsole: Take-Two erklärt die Wartezeit für PC-Spieler
Bei GTA 6 gibt es wieder Gesprächsstoff. Nicht wegen eines neuen Trailers, sondern […] (01)
Met Gala
New York (dpa) - Mit einem kleinen Gehstock, aber ohne Krücken hat Skistar Lindsey […] (04)
Der Tankstellen-Beben: Warum die Reiche-Drohung die Ölmultis an den Abgrund treibt
Seit Mitternacht ist an deutschen Tankstellen nichts mehr, wie es war. Die lang […] (00)
 
 
Suchbegriff