Harte Worte vom Fallout London Macher: „Bethesda sollte das Franchise verkaufen!“
Die Modding-Szene kann bisweilen schonungslos ehrlich sein, und Dean Carter, der kreative Kopf hinter der monumentalen Fallout 4-Totalkonversion Fallout: London, schert sich keinen Deut um diplomatische Floskeln. In einem kürzlich geführten Interview mit Esports.net hat er eine kontroverse Forderung in den Raum geworfen, die so manchen Fan elektrisieren dürfte: Bethesda solle ernsthaft darüber nachdenken, die Fallout-Lizenz an einen anderen Entwickler zu verkaufen. Der Grund? Die Ära unter Bethesdas Fittichen habe ihren Zenit längst überschritten, und das Studio sei – bei allem Respekt – „vermutlich ein Spiel zu weit gegangen“.
Wenn Nostalgie auf Ernüchterung trifft
Carter macht keinen Hehl daraus, dass ihm die schleichende Erosion der narrativen Qualität Sorgen bereitet. Das Franchise, das in den späten Neunzigern mit düsterer Ambivalenz und moralischen Grauzonen glänzte, habe sich unter Bethesdas Ägide zunehmend in Richtung eines plakativen, fast schon albernen Tons bewegt. Für ihn ist Fallout 1 aus dem Jahr 1997 nach wie vor der Goldstandard – jene Mischung aus apokalyptischer Trostlosigkeit und schwarzem Humor, die der Reihe ihre Seele verlieh. Bethesda hingegen setze seit Fallout 4 verstärkt auf Slapstick-Elemente, die mit der ursprünglichen Vision nur noch wenig gemein haben.
„Die Menschen lieben dieses Universum, aber ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob es in den richtigen Händen ist“, lässt Carter verlauten. Diese Worte wiegen schwer, zumal sie von jemandem stammen, der mit Fallout: London einen der ambitioniertesten Fan-Projekte der jüngeren Geschichte auf die Beine gestellt hat. Sein Team hat bewiesen, dass es auch anders geht – düsterer, rauer, näher am Geist des Originals.
Skyrim ist nicht perfekt, und das ist okay
Doch Carter beschränkt seine Kritik nicht nur auf Fallout. Auch The Elder Scrolls 5: Skyrim, das von vielen als unantastbares Meisterwerk verehrt wird, lässt er nicht ungeschoren davonkommen. Für ihn sei es zwar ein „sehr, sehr gutes Spiel“, aber eben nicht das „beste aller Zeiten“. Der Knackpunkt liege auch hier in der Qualität der Autoren. Sowohl die nächste Elder Scrolls-Iteration als auch ein potentielles Fallout 5 könnten großartig werden – aber nur, wenn Bethesda endlich wieder versierte Schreiberlinge an Bord hole, die Charaktertiefe und nuancierte Dialoge beherrschen.
Serien-Vergleiche und die Frage nach dem richtigen Ton
Interessanterweise zieht Carter auch Parallelen zur kürzlich erschienenen Fallout-TV-Serie auf Prime Video. Obgleich er die Show generell schätzt, attestiert er ihr eine unverkennbare Fallout 4-Ästhetik. Wer jedoch den düsteren, beklemmenden Vibe des ersten Spiels erleben wolle, dem empfiehlt er stattdessen Apple TV+s Silo. Diese Serie verkörpere genau jene grimmige, hoffnungsarme Atmosphäre, die Fallout einst ausgezeichnet habe. Der Humor in den frühen Spielen sei schwarz gewesen – subtil, ätzend, nihilistisch. Die plakative Komik der späteren Teile hingegen verfehle das Wesen der Marke.
Ein radikaler Vorschlag zur rechten Zeit?
Während Gerüchte über ein brandneues Fallout-Projekt von Bethesda kursieren, bleibt eine offizielle Bestätigung aus. In diesem Vakuum der Unsicherheit wirken Carters Worte wie ein Brandbeschleuniger. Ist es wirklich Zeit für Bethesda, loszulassen? Könnte ein frischer Entwickler – vielleicht sogar Obsidian Entertainment, die Schöpfer von New Vegas – dem Franchise neues Leben einhauchen? Oder wäre ein solcher Schritt ein zu großes Risiko für eine der ikonischsten Marken der Spielegeschichte?


