Guttenbergs Beliebtheit sinkt

27. Februar 2011, 18:36 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Die Plagiats-Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg hinterlässt nun doch sichtbare Kratzer an der Popularität des Verteidigungsministers.

Die große Mehrheit der Deutschen steht zwar weiter zu dem CSU-Mann - allerdings halten zunehmend weniger Bürger den noch immer beliebtesten Spitzenpolitiker für einen potenziellen Bundeskanzler. Aus der Wissenschaft wird Guttenberg massiv attackiert. Auch aus der Union kommt vorsichtige Kritik: So zweifelte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) am politischen Stehvermögen des bisherigen Senkrechtstarters.

46 Prozent der Bundesbürger halten Guttenberg weiter für kanzlertauglich, wie eine TNS-Emnid-Umfrage für das Magazin «Focus» ergab. Aber fast genauso viele (45 Prozent) meinen, er eigne sich nun nicht mehr dafür. Laut ZDF-«Politbarometer» vom Freitag waren noch 60 Prozent überzeugt, dass Guttenberg weiterhin für höchste Ämter in Frage kommt - 35 Prozent sagten Nein.

Zwei Drittel wollen laut «Focus»-Umfrage, dass Guttenberg Minister bleibt. Im «Politbarometer» hatten sich drei Viertel gegen einen Rücktritt ausgesprochen. Nach einer Emnid-Umfrage für die «Bild am Sonntag» hoffen 72 Prozent, dass Guttenberg im Amt bleibt. Inzwischen sind aber 46 Prozent der Meinung, der Minister sei ein Schummler - 47 Prozent sehen das nicht so.

Böhmer kritisierte den CSU-Politiker: «Ich halte das Verhalten des Doktoranden zu Guttenberg weder für legitim noch für ehrenhaft.» Es sei «eine Frage der Redlichkeit», dass man Quellen angebe, wenn man längere Passagen anderer Texte übernehme, sagte er dem Berliner «Tagesspiegel». Angesichts zunehmender Vorwürfe sagte Böhmer: «Ich weiß nicht, wie lange er das erträgt und aushalten kann.» Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vermutete dagegen im «Focus», Guttenberg habe «noch eine lange, große Laufbahn» vor sich».

Der von Guttenberg abgesetzte «Gorch Fock»-Kapitän Norbert Schatz wird nach «Focus»-Angaben im Untersuchungsbericht der Marine entlastet. Ein «disziplinarrechtlich relevantes Fehlverhalten» des Kapitäns sei «nicht zu erkennen», schreibt das Magazin. In Marine-Kreisen werde daher erwartet, dass Guttenberg den Kapitän rehabilitiert, nachdem er ihn im Januar vorläufig von seinen Pflichten entbunden hatte. Im November 2010 war eine 25 Jahre alte Kadettin bei einer Übung auf der «Gorch Fock» in Brasilien aus der Takelage in den Tod gestürzt. Nach ihrem Tod hatten Offiziersanwärter das Verhalten der Vorgesetzten massiv kritisiert.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am Samstag, der Untersuchungsbericht sei noch nicht fertig. Das Ministerium äußere sich aber nicht zu internen Papieren. Auch die Marine hielt sich bedeckt. Vor der offiziellen Veröffentlichung des Berichts sei nicht mit einer Stellungnahme zu rechnen, sagte ein Sprecher in Glücksburg (Schleswig-Holstein). Ursprünglich sollte der Bericht bis Ende Februar fertig sein.

Die Wissenschaft ist wegen der Plagiats-Affäre in Rage: Der Nachfolger seines Doktorvaters, Oliver Lepsius, nannte Guttenberg einen Betrüger. Er habe «planmäßig und systematisch» wissenschaftliche Quellen zum Plagiat zusammengetragen und behaupte nicht zu wissen, was er tue, sagte der Bayreuther Juraprofessor der «Süddeutschen Zeitung». Der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Jörg Hacker, kritisierte, Guttenberg gebe ein schlechtes Vorbild ab. Zahlreiche Doktoranden empörten sich in einem im Internet veröffentlichten offenen Brief an Kanzlerin Merkel - laut «Hamburger Abendblatt» (Montag) unterzeichneten bis Sonntagabend 20 000.

Juristen gehen davon aus, dass Guttenberg vorsätzlich fremde Texte ohne Hinweis verwendet hat. «Ich würde einem Kandidaten nicht glauben, der in so einem Fall behauptet, dass es bloße Fahrlässigkeit war», sagte der Kölner Strafrechtsprofessor Thomas Weigend dem «Spiegel». Der auf Streitfälle bei Examensarbeiten spezialisierte Anwalt Michael Hofferbert: «Kein Richter wird einem Kandidaten glauben, der über hundert Seiten seiner Doktorarbeit abschreibt und hinterher behauptet, er habe dies versehentlich getan.»

Guttenberg hatte «gravierende Fehler» in seiner Dissertation eingeräumt, vorsätzliches Handeln aber bestritten. Die Universität Bayreuth erkannte ihm seinen Doktortitel ab und prüft, ob er mit Vorsatz handelte. Hunderte Demonstranten protestierten nach Polizeiangaben am Samstag in Berlin dagegen, dass Guttenberg Teile seiner Arbeit kopierte, aber nur den Doktortitel verlor. Als Protest hängten sie Schuhe an den Zaun des Ministeriums - eine Anspielung auf fehlende Fußnoten und im Islam ein Symbol der Schmähung.

SPD-Chef Sigmar Gabriel griff in der Causa Guttenberg auch Kanzlerin an. «Frau Merkel ist die erste, die in Deutschland behauptet, dass jemand in seinem "Privatleben" geistiges Eigentum stehlen und betrügen darf und trotzdem in seinem "Beruf" Minister bleiben kann», sagte er der «Bild am Sonntag». «Frau Merkel muss Guttenberg dazu bewegen, eine Auszeit von der Politik zu nehmen.»

Unterdessen stoßen die Pläne Guttenbergs zur Bundeswehrreform im Kanzleramt nach einem «Spiegel»-Bericht auf Widerstand. Fachleute von Kanzlerin Merkel hielten die Vorschläge für eine «nur sehr rudimentäre und unausgewogene Grundlage für Entscheidungen zur Reform der Bundeswehr», schreibt das Magazin unter Berufung auf einen Vermerk vom Dezember. Die Experten forderten eine Neuformulierung.

Verteidigung / Wissenschaft / Guttenberg
27.02.2011 · 18:36 Uhr
[24 Kommentare]
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Donnerstag mit Verlusten in den Handelstag gestartet. Gegen 9: 30 Uhr wurde der Leitindex mit rund 23.850 Punkten berechnet und damit 1,0 Prozent unter dem Schlussniveau vom Vortag. An der Spitze der Kursliste rangierten BASF, Brenntag und Eon, am Ende Rheinmetall, SAP und Siemens Energy. Die fragile Waffenruhe zwischen […] (00)
vor 13 Minuten
Hailee Steinfeld kann der 'Niedlichkeit' ihrer Haustiere oft nicht widerstehen.
(BANG) - Hailee Steinfeld kann der "Niedlichkeit" ihrer Haustiere oft nicht widerstehen. Die 29-jährige Schauspielerin mag es eigentlich nicht, wenn ihre Hunde auf ihre Möbel klettern. Sie findet es aber trotzdem schwer, ihnen etwas abzuschlagen – einfach, weil sie so goldig sind. Im Gespräch mit 'Architectural Digest' sagte Hailee: "Ich bin bei diesem […] (00)
vor 1 Stunde
Ein Agenturbesitzer, der vor ein paar Jahren eine kleine Online-Agentur gegründet hat, erzählte neulich von seinem Problem. Genug Anfragen seien da, aber die meiste Zeit gehe für die Kommunikation drauf. Angebote schreiben, nachfassen, erinnern – all das frisst Stunden, die er lieber in die Arbeit für seine Kunden stecken würde. Das Gefühl, dem eigenen […] (00)
vor 36 Minuten
Gesetzgeber weltweit stehen vor einem echten Dilemma. Sie wollen Bürger vor Spielsucht und finanziellem Ruin bewahren. Die Lösung scheint auf den ersten Blick logisch und einfach: strengere Regeln, massiv niedrigere Limits und eine lückenlose Überwachung der Nutzer. Doch die Realität zeichnet ein völlig anderes Bild. Anstatt den Schutz für gefährdete […] (00)
vor 12 Minuten
Mario Adorf ist tot
Der in Zürich geborene Schauspieler ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Die deutsche Film- und Fernsehlandschaft trauert um Mario Adorf. Der Schauspieler, der über Jahrzehnte hinweg zu den prägendsten Gesichtern des europäischen Kinos und Fernsehens zählte, ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Branche einen Darsteller, der wie kaum ein anderer zwischen Theater, Film und […] (00)
vor 1 Stunde
FC Barcelona - Atlético Madrid
Barcelona (dpa) - Hansi Flick hat nach der Champions-League-Niederlage seines FC Barcelona mit Schiedsrichter Istvan Kovacs aus Rumänien und dessen Team gehadert. Beim enttäuschenden 0: 2 vor eigenem Publikum gegen Atlético Madrid stießen dem ehemaligen Bundestrainer vor allem zwei Szenen sauer auf: der Platzverweis von Verteidiger Pau Cubarsi (44. […] (00)
vor 4 Stunden
bitcoin, cryptocurrency, money, currency, digital, electronic, virtual, internet, finance, crypto currency
Ethereum (ETH) hat kürzlich die Marke von $2.200 zurückerobert, doch Experten raten zur Vorsicht. Ein nachhaltiger Bullenmarkt könnte noch nicht in Sicht sein. Vorsicht bei Ethereum, trotz Kursanstieg Nach einem Anstieg von fast 10% versucht Ethereum, eine wichtige Widerstandszone zurückzuerobern, die seit dem Einbruch im Februar eine entscheidende Rolle spielt. In […] (00)
vor 1 Stunde
Wie führe ich eine digitale Inventur mit eigenen Mitarbeitern durch?
Hannover, 09.04.2026 (PresseBox) - Die digitale Begleitung des eigenen Personals während der Bestandsaufnahme ist ein verlässlicher Weg, um operatives Fachwissen in präzise Datensätze zu überführen. Der COSYS Inventurservice optimiert diesen internen Prozess durch mobile Erfassung und direkte ERP-Synchronisation, wodurch Differenzen reduziert und […] (00)
vor 1 Stunde
 
Arbeitsmarkt im Umbruch: Wie Fachkräftemangel die Unternehmensgewinne bedroht
Der Fachkräftemangel wird zur Gewinnbremse Der Fachkräftemangel hat sich zu einem […] (02)
Irans neuer Führer Modschtaba Chamenei schwer verletzt – außer Gefecht, nicht bei Bewusstsein
Nach einem Bericht der britischen Zeitung „The Times" ist Irans neuer Oberster Führer […] (02)
Olaf Scholz (Archiv)
New York - Altbundeskanzler Olaf Scholz (SPD) soll für seine Verdienste um das […] (00)
Container (Archiv)
Wiesbaden - Im Februar 2026 sind die deutschen Exporte gegenüber Januar 2026 […] (00)
Die Apps Instagram, Facebook und WhatsApp auf einem Handy
Ellwangen/Berlin (dpa/tmn) - Nutzerinnen und Nutzer von Facebook und Instagram haben […] (01)
Nina Engel
Skopje (dpa) - Die deutschen Handballerinnen bleiben in der Europameisterschafts- […] (03)
Die Landschaft der wirtschaftlichen Unsicherheit Während die globalen Märkte mit […] (00)
«Prisoner»: Sky zeigt Trailer zum neuen Action-Thriller mit Tahar Rahim
Die komplette Staffel startet am 30. April 2026 bei Sky und auf NOW. Informationen zum […] (00)
 
 
Suchbegriff