Katastrophe im Urlaubsland

42 Tote bei Zugunglück in Spanien - Suche nach Vermisstem

20. Januar 2026, 20:33 Uhr · Quelle: dpa
Nach dem Zugunglück in Spanien
Foto: Manu Fernandez/AP/dpa
Von einigen Waggons der im Süden Spaniens verunglückten Hochgeschwindigkeitszüge blieben nur Trümmer übrig.
Nach dem Zugunglück in Spanien sind 42 Menschen getötet worden, während Behörden nach Vermissten suchen.

Adamuz/Madrid (dpa) - Zwei Tage nach dem schweren Zugunglück in Spanien sind 42 Tote geborgen worden. Im Laufe des Tages seien drei Leichen in den Trümmern von Waggons gefunden worden, teilte die Regionalregierung Andalusiens auf der Plattform X mit. Die Zahl der als vermisst gemeldeten Personen lag jedoch bei 43 und die Suche in den teilweise stark zerstörten Waggons ging weiter. 

Bei dem Zusammenstoß von zwei Hochgeschwindigkeitszügen waren am Sonntagabend auch Dutzende Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Neun von ihnen würden noch auf Intensivstationen behandelt, teilte die Regionalregierung weiter mit.

Zur möglichen Ursache eines der schwersten Zugunglücke in der Geschichte des Landes sagte der Minister, es würden ein Gleisschaden oder ein Fehler an einem der Züge nicht ausgeschlossen. Aber es seien noch «alle Hypothesen offen».

Unebene Schienen: Züge zwischen Madrid und Barcelona langsamer

Unterdessen drosselte der spanische Schienennetzbetreiber Adif die Höchstgeschwindigkeit für Züge auf einem Teilstück der wichtigsten Verbindung des Landes zwischen Madrid und Barcelona auf 160 Kilometer pro Stunde. Zugführer hätten von Unebenheiten in den Schienen berichtet, die nun in der kommenden Nacht untersucht werden sollten, teilte Adif mit. Die Fahrtzeit der Züge, die bisher fast durchgehend 300 Kilometer pro Stunde fuhren, verlängere sich um rund 30 Minuten auf dann drei Stunden, berichteten spanische Medien. 

Angehörige beklagen schleppende Informationen über Opfer

Die Identifizierung der Opfer gestaltete sich schwierig. Die Behörden baten Familien um DNA-Proben, um die Identifikation zu beschleunigen. Die Polizei setzte Suchhunde ein, um die verunglückten Waggons auf mögliche weitere Opfer zu überprüfen. Im Fernsehen beklagten Angehörige mangelnde und nur schleppende Informationen über das Schicksal von Vermissten. Die zuständige Justizbehörde in Córdoba teilte mit, bisher seien zehn Todesopfer identifiziert worden. Angaben zur Identität oder Nationalität wurden nicht gemacht. 

Auswärtiges Amt: Es gibt auch deutsche Betroffene

Das Auswärtige Amt (AA) in Berlin teilte am Montagabend mit: «Leider müssen wir davon ausgehen, dass sich auch deutsche Staatsangehörige unter den Betroffenen befinden. Über die Anzahl gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben.» Man stehe mit den örtlichen Behörden im engen Austausch, um eine Aufklärung der Identitäten der Opfer zu betreiben. Unklar blieb zunächst, ob es sich bei den deutschen Betroffenen um Tote oder Verletzte handelt.

Das Unglück hatte sich am Sonntagabend in der Nähe der Gemeinde Adamuz ereignet - sie liegt rund 30 Kilometer nordöstlich der auch bei Touristen beliebten Stadt Córdoba in Andalusien. Die beiden letzten Waggons eines Iryo-Hochgeschwindigkeitszuges der italienischen Gesellschaft Trenitalia, die in Spanien mehrere Strecken bedient, entgleisten bei einem Tempo von mehr als 200 Kilometern pro Stunde aus noch unbekannter Ursache und gerieten ins benachbarte Gleis.

Genau zu diesem Zeitpunkt passierte dort in der Gegenrichtung ein Hochgeschwindigkeitszug des spanischen Bahnunternehmens Renfe, der ebenfalls mit mehr als 200 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Der Renfe-Zug wurde durch die Kollision mit den Waggons des Iryo-Zuges aus den Schienen geworfen und kippte mehrere Hundert Meter weiter eine Böschung hinab. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wurde auf diesem erst kürzlich erneuerten Streckenabschnitt mit 250 angegeben. Der Zug, dessen Waggons entgleisten, war erst 2022 in Dienst gestellt worden.

Experten rätseln noch über die Unfallursache

Die Polizei veröffentlichte ein Video, in dem eine gebrochene Schiene zu sehen war. Verkehrsminister Óscar Puente betonte, es müsse geprüft werden, ob der Schienenbruch Ursache oder Folge des Unfalls sei. Gesicherte Erkenntnisse über den Grund für die Katastrophe könnte es den Angaben zufolge erst in Wochen oder auch Monaten geben.

Das spanische Königspaar reiste zum Unglücksort und traf Angehörige und Rettungskräfte. König Felipe VI. und Königin Letizia waren vorzeitig aus Athen zurückgekehrt, wo sie an der Beisetzung von Irene von Griechenland, der Schwester der spanischen Altkönigin Sofía, teilgenommen hatten.

Das Schicksal einer Sechsjährigen macht besonders betroffen 

Spanische Medien berichteten vom schweren Schicksal einer Sechsjährigen, die als einzige ihrer Familie überlebte. Sie irrte nach dem Unglück zwischen den Trümmern herum, bis sie von zwei Ersthelfern in Sicherheit gebracht wurde, wie die spanische Zeitung «El País» berichtete.

Während zunächst noch Hoffnung bestand, dass auch ihre Eltern, ihr zwölfjähriger Bruder und ihr Cousin überlebt haben könnten, gab es später traurige Gewissheit. Sie waren in den Trümmern eines der verunglückten Züge ums Leben gekommen.

Zuerst gab es Hoffnung, auch der Bruder hätte überlebt

Die Großmutter des Mädchens wartete auf dem Bahnhof von Huelva, wohin der verunglückte Zug unterwegs war, auf Nachrichten von Angehörigen. Zeitweise habe es das Gerücht gegeben, auch der Bruder habe überlebt und werde in einem Krankenhaus in Córdoba behandelt. Dabei handelte es sich jedoch um eine Verwechslung, wie «El País» schrieb. Die Großmutter konnte nur noch ihre Enkelin in die Arme schließen.

Die Familie stammte aus dem Ort Aljaraque und betrieb ein Bekleidungsgeschäft im nahe gelegenen Küstenort Punta Umbría. Sie befanden sich auf dem Rückweg aus Madrid, wo sie ein Fußballspiel von Real Madrid besucht hatten, berichtete die Zeitung weiter. Der Bürgermeister von Punta Umbría, José Carlos Hernández, sagte, der ganze Ort sei «tief erschüttert». Die Familie sei sehr beliebt gewesen.

Deutsche-Bahn-Chefin zeigt sich betroffen von der Katastrophe

Die Chefin der Deutschen Bahn drückte nach dem schweren Zugunglück ihr Mitgefühl aus. «Unsere Gedanken sind bei den Verstorbenen, unsere Gedanken sind bei den Verletzten und allen Menschen, die bei diesem schrecklichen Unfall zu Schaden gekommen sind», sagte Evelyn Palla bei einem Pressetermin in Berlin. Allen Verletzten wünschte sie «von ganzem Herzen eine schnelle und vollständige Genesung». Die Deutsche Bahn AG ist in Spanien nicht mit eigenen Personenzügen aktiv.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) betonte bei dem gemeinsamen Termin, dass der Unfall zeige, welche Katastrophen auch auf der Schiene möglich seien. Es sei «sehr wichtig, dass wir immer vor Augen haben, was passieren kann - und dass wir alle Kraft darauf auslegen und einsetzen, dass wir einen Bahnbetrieb schaffen, der das größte Maß an Sicherheit bieten kann, dass der Kunde erwartet».

Unfälle / Bahn / Verkehr / Spanien / Zugunglück / Andalusien / Suche
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