Zollitsch: Hirtenbrief auch Botschaft an Deutschland

21. März 2010, 13:00 Uhr · Quelle: dpa
Bonn (dpa) - Zu den Missbrauchsfällen in seiner Heimat hat sich Papst Benedikt XVI. in seinem Hirtenbrief nicht geäußert. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, versteht das Papier dennoch als klare Weisung auch für Deutschland.

Was der Papst den Katholiken in Irland sage, «hat Geltung für die ganze Kirche und ist eindeutig eine Botschaft auch an uns in Deutschland», sagte Zollitsch laut einer in Bonn veröffentlichten Mitteilung.

Der Papst verurteile die schrecklichen Verbrechen, die an jungen Menschen begangen wurden. Vorrang habe dabei die Perspektive der Opfer. «Deshalb kritisiert er den zum Teil übermäßigen Täterschutz, den die Kirche häufig praktiziert habe.» Zollitsch bezeichnete den Brief als schonungslose Analyse. Dies zeige, dass sich der Heilige Vater dem Problem sexuellen Missbrauchs mit Ernst und mit großer Sorge stelle.

Auch der Sonderbeauftragte der deutschen katholische Kirche zur Aufklärung der sexuellen Missbrauchsfälle, Bischof Stephan Ackermann, begrüßte das Papst-Schreiben. «Ich empfinde diesen Brief als Verstärkung für unseren Weg», sagte der Bischof in Trier. «Die Entschiedenheit, mit der der Papst die Vorgänge und die Untaten beim Namen nennt und auch Aufklärung erwartet - das ist doch sehr deutlich und das werden wir uns auch entsprechend zu Herzen nehmen.» Es seien «genug Hinweise» auch für die deutsche katholische Kirche enthalten. Er glaube nicht, dass sich der Papst noch einmal gesondert an die deutschen Katholiken wenden werde.

«Wir wissen, dass der Papst den Weg, den wir eingeschlagen haben, voll unterstützt, dass er auch genauso erschreckt und erschüttert ist über die Vorkommnisse hier in Deutschland», sagte Ackermann. «Sehr bemerkenswert» sei, dass der Papst fünfmal darauf hingewiesen habe, dass die Kirche mit den staatlichen Behörden kooperieren müsse und die Vorgaben der Justiz voll einzuhalten habe.

Zollitsch bewegten besonders die deutlichen Worte an die Priester und Ordensleute, die sich versündigt hätten. «Sie haben das Vertrauen junger Menschen aufs Schlimmste verletzt und müssen sich vor Gott und den Gerichten verantworten». Auch die Kritik des Papstes an den kirchlichen Autoritäten lasse keine Fragen offen.

«Wir wissen, dass auch bei uns in Deutschland Fehler gemacht wurden. (...) Wir dürfen Fehler nicht wiederholen und brauchen auch in Deutschland eine lückenlose Aufklärung und uneingeschränkte Transparenz. Daran arbeiten wir in allen Bistümern.» Der Skandal sexuellen Missbrauchs sei kein bloß irisches Problem, «er ist ein Skandal der Kirche an vielen Orten und er ist der Skandal der Kirche in Deutschland».

Zollitsch bat die Gläubigen in Deutschland, sich das Gebet der Hoffnung auf einen neuen Anfang, das der Papst der Kirche in Irland gewidmet hat, auch anzueignen. «Der Heilige Vater ruft auch uns zu, dass wir diesen Weg der Heilung, Erneuerung und Wiedergutmachung ohne Angst und gläubigen Mutes gehen sollen.»

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Kriminalität / Kirchen / Vatikan
21.03.2010 · 13:00 Uhr
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