Wohnen

Wohnen wird 2026 teurer: Mieten und Immobilienpreise steigen

28. Dezember 2025, 09:24 Uhr · Quelle: dpa
Münchner Innenstadt
Foto: Sina Schuldt/dpa
Die Immobilienpreise ziehen wieder an, in Metropolen wie hier in München bleibt die Lage angespannt. (Archivbild)
In Deutschland steigen Immobilienpreise und Mieten ab 2026, bedingt durch Knappheit und wirtschaftliche Faktoren, was den Wohnmarkt weiter beeinflusst.

Frankfurt/Main (dpa) - Der Wirtschaftskrise zum Trotz: Nach teils deutlichen Preisrückgängen in den vergangenen Jahren müssen Käufer von Wohnungen und Häusern wieder mehr bezahlen. Schon seit Monaten ziehen die Immobilienpreise an. Gerade in den Ballungsräumen ist günstiger Wohnraum kaum zu finden und der Druck auf die Mieten hoch. 

Besserung für Mieter und Käufer ist vorerst nicht in Sicht: Denn während das Angebot knapp bleibt, sind die Baukosten und Zinsen gestiegen. Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet, dass die Preise für Wohnungen und Häuser 2026 anziehen. «Ich rechne mit einem moderaten Anstieg von drei bis vier Prozent, aber nicht rasant wie in den 2010er Jahren.»

Zwar dämpft die Wirtschaftskrise, die viele Jobs kostet, auch den Immobilienmarkt. Doch für steigende Mieten und Kaufpreise spricht eine ganze Reihe Gründe, darunter langfristige Treiber.

Immer mehr Singe-Wohnungen

Für Druck sorgt die wachsende Zahl an Menschen, die allein wohnen. «Der Anteil an Einpersonenhaushalten nimmt stetig zu, was den Wohnraumbedarf unabhängig von der Bevölkerungszahl erhöht», schreibt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING. «Die durchschnittliche Haushaltsgröße sinkt kontinuierlich und liegt derzeit bei 2,0 Personen». Zum Vergleich: 1991 waren es rechnerisch 2,3 Menschen. Zu den Ursachen zählen die spätere Familiengründung und eine sinkende Geburtenrate. 

Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht: Dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung zufolge soll der Anteil der Einpersonenhaushalte bis 2045 um zwei Prozentpunkte auf 44 Prozent steigen.

Ballungsräume ziehen Menschen an

In Deutschland fehlt Wohnraum, doch die Lage ist geteilt. Während laut dem Analysehaus Empirica bundesweit rund 1,7 Millionen Wohnungen leer stehen, vor allem auf dem Land, ist der Markt in Metropolen umkämpft. Sie ziehen jährlich Zehntausende junge Menschen an, zeigen Zahlen von Empirica Regio - nicht zuletzt wegen der Jobmöglichkeiten.

Das treibt die Mieten: Bundesweit legten sie 2025 sowohl im Bestand als auch im Neubau um vier Prozent zu, zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). In den großen Städten waren es gar bis zu acht Prozent.

Helfen könnte laut IW-Experte Voigtländer eine Senkung der Grunderwerbsteuer, die je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent liegt. Auch die hohen Kosten für Grundbucheintrag und Notar hielten viele Menschen vom Bau oder Immobilienkauf ab.

Der durchschnittliche Mieterhaushalt habe ein Nettovermögen von 22.300 Euro, sagte Voigtländer auf einer Veranstaltung des Maklers von Poll Immobilien. «Es wird immer elitärer, Wohneigentum zu erwerben.» Das könne aber helfen, den Druck auf Metropolen zu lindern. «Denn für Wohneigentum sind die Menschen bereit, ein Stück weit rauszuziehen.»

Wachsende Bevölkerung braucht Wohnraum

Für großen Wohnungsbedarf sorgt die wachsende Bevölkerung. Ende 2024 lebten in Deutschland rund 83,6 Millionen Menschen, etwas mehr als im Vorjahr. Seit fast zwanzig Jahren werde eine Schrumpfung vorhergesagt, sagt ING-Chefvolkswirt Brzeski. «Es ist bisher noch nie dazu gekommen. Im Gegenteil, die deutsche Bevölkerung war noch nie größer als aktuell.»

Die Erklärung sei Migration: Während Modellprognosen meist von einer Zuwanderung von 200.000 Menschen pro Jahr ausgingen, habe die durchschnittliche Nettozuwanderung der letzten zehn Jahre bei 600.000 Personen jährlich gelegen. Besonders stark war die Einwanderung mit der Flüchtlingskrise 2015 und nach dem russischen Überall auf die Ukraine 2022. 

Gewöhnung an Zinsanstieg

Seit Monaten liegen Bauzinsen auf erhöhtem Niveau von zuletzt rund 3,7 Prozent. Entlastung für Käufer und Bauherren ist nicht in Sicht. Der Kreditvermittler Dr. Klein erwartet stabile bis leicht steigende Bauzinsen. Investoren akzeptierten offenbar die veränderten Rahmenbedingungen, hieß es zuletzt vom Baugewerbeverband ZDB.

Oliver Kohnen, Geschäftsführer bei Baufi24, erwartet in der ersten Jahreshälfte 2026 Zinsen zwischen 3,5 und 4,0 Prozent. «Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den paradiesischen Zuständen der Niedrigzinsphase ist unbegründet.»

Für Aufwärtsdruck bei den Zinsen spreche die steigende Staatsverschuldung: Investoren wollten deshalb höhere Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen. Sie sind richtungsweisend am Kapitalmark, die Bauzinsen orientieren sich daran.

Neubau stockt

Mit dem stockenden Neubau ist das Angebot an Wohnungen gerade in Städten eng, was den Druck auf Mieten und Kaufpreise verstärkt. Und die Lage könnte sich noch verschärfen: Das IW schätzt, dass dieses Jahr rund 235.000 Wohnungen gebaut werden und 2026 nur 215.000. Grund seien die in den Vorjahren gesunkenen Baugenehmigungen. 2024 wurden knapp 252.000 Wohnungen errichtet, so wenig wie seit 2015 nicht mehr.

Immerhin: «Die Stimmung im Wohnbau hat sich deutlich verbessert», sagt Robin Winkler, Chefvolkswirt Deutschland bei der Deutschen Bank. Auch die Baugenehmigungen steigen wieder.

Der Tiefpunkt der Krise sei überschritten, meint Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK-Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Er sieht aber vorerst keine Entspannung: Gebraucht würden rund 320.000 neue Wohnungen pro Jahr.

Steigende Löhne, hohe Erbschaften

Für eine rege Immobiliennachfrage sprechen auch steigende Löhne bei vielen Beschäftigten. Seit mehr als zwei Jahren wachsen die Löhne nach Abzug der Inflation. Allein im dritten Quartal kletterten die Reallöhne um 2,7 Prozent - laut Statistischem Bundesamt «der bislang höchste Anstieg in diesem Jahr». 

Auch große Erbschaften führen dazu, dass sich viele Leute Immobilien leisten können. 2024 verzeichneten die Finanzverwaltungen einen Rekord bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Gut ein Drittel der künftigen Erben hierzulande rechnet mit einer Erbschaft von 250.000 Euro oder mehr, zeigt eine Studie der Deutschen Bank. Michael Neumann, Vorstandschef von Dr. Klein, beobachtet, dass in Ballungszentren viele Käufer hohe Summen Eigenkapital mitbringen. «Das ist der Beginn der Erbengeneration, den wir gerade sehen.»

Immobilien / Bank / Wohnen / Verbraucher / Jahreswechsel / Deutschland / Immobilienpreise
28.12.2025 · 09:24 Uhr
[1 Kommentar]
Anti-Iran-Protest (Archiv)
Köln - Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) warnt vor Bemühungen des Irans, im Krieg mit Israel und den USA zerstörte Kapazitäten mithilfe illegaler Exporte aus Deutschland wieder aufzubauen. "Bei einem Fortbestehen der bisherigen Führung ist davon auszugehen, dass die Instandsetzung und der Wiederaufbau von Anlagen durch die illegale Beschaffung […] (00)
vor 13 Minuten
Daniel Radcliffe
(BANG) - Daniel Radcliffe hat "tiefgreifendes Glück" gefunden, seit er Vater geworden ist. Der britische Schauspieler – der bereits im Alter von elf Jahren als titelgebender Zauberlehrling in der 'Harry Potter'-Filmreihe berühmt wurde – glaubt, dass sein jüngeres Ich ihn heute nicht wiedererkennen würde. Damals sei er "zutiefst unglücklich" gewesen, […] (00)
vor 20 Stunden
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen auf ein schwarzes Gehäuse verzichten. Zum Vergleich: Die derzeitige iPhone 17 Pro Serie ist in den markanten Farben Silber, Cosmic Orange und Deep Blue erhältlich. iPhone im Business, Quelle: Unsplash Kein Schwarz für die iPhone 18 Pro Modelle Wie der bekannte […] (00)
vor 14 Stunden
Switch 2: Ehemaliger Nintendo-Mitarbeiter warnt vor kommendem Preisanstieg
Die Nintendo Switch 2 ist seit ihrem Launch eine der meistgekauften Konsolen des Jahres – doch wer noch mit dem Kauf gehadert hat, könnte bald in eine unangenehme Situation geraten. Ein ehemaliger Nintendo-Vertriebsmitarbeiter hat sich öffentlich zu den Preisentwicklungen des Unternehmens geäussert, und seine Einschätzung lässt aufhorchen. Was der Ex- […] (00)
vor 15 Stunden
«Peppa Pig»: Adam Redfern wird neuer Showrunner der Kultserie
Die Vorschulserie erhält nach über 20 Jahren eine neue kreative Leitung. Die Animationsmarke Peppa Pig stellt sich personell neu auf: Adam Redfern übernimmt künftig die Rolle des Showrunners und verantwortet damit die kreative Ausrichtung der Serie. Der Autor, der unter anderem an «The Adventures of Paddington» gearbeitet hat, wurde von Hasbro verpflichtet. Redfern soll die Entwicklung von […] (00)
vor 1 Stunde
Joachim Löw
Berlin (dpa) - Um Weltmeister-Trainer Joachim Löw gibt es ein überraschendes und wenig glaubhaftes Comeback-Gerücht - und der 66-Jährige räumt es auch schnell aus der Welt. Laut des Portals «ghanasoccernet» könnte Löw für die anstehende Fußball-WM die Nationalmannschaft Ghanas als Trainer übernehmen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. «Mit mir hat […] (03)
vor 15 Stunden
finance, currency, bitcoin, crypto, cryptocurrency, investment, wealth, money, brown money, brown finance
Der Kurs von XRP hält sich derzeit über der Marke von $1,30. Noch gestern fiel er für einige Stunden unter diesen Wert, bevor Käufer den Kurs wieder stützten. Die Erholung ist real, doch der Markt dahinter ist nahezu leer. Ein Bericht von Arab Chain, der die Transaktionsaktivität auf Binance verfolgt, zeigt, dass die Ein- und Auszahlungen von […] (00)
vor 1 Stunde
Von  "Meuterei auf der Bounty" zur Pn-Domain
Koeln, 03.04.2026 (PresseBox) - Es beginnt, wie große Geschichten oft beginnen: mit zu viel Ordnung. An Bord der HMS Bounty herrscht im Jahr 1789 ein Regiment aus Disziplin und Härte. William Bligh, ein Mann von eiserner Selbstkontrolle, führt seine Mannschaft durch die Weiten des Pazifiks – und zugleich in eine immer engere innere Enge. Denn draußen […] (00)
vor 13 Stunden
 
Lufthansa-Flugzeuge (Archiv)
Frankfurt am Main - Der Lufthansa-Konzern befürchtet, dass es im Falle eines länger […] (00)
Vernichtungsschlag oder Wahnsinn? Trumps widersprüchliches Beben lässt die Welt erzittern
Der totale Sieg steht auf tönernen Füßen Donald Trump liebt die große Bühne, doch […] (08)
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat eine Anordnung unterzeichnet, um die […] (04)
Gurken (Archiv)
Berlin - In der aktuellen Debatte um eine Steuerreform spricht sich der DGB für eine […] (00)
Mathieu van der Poel und Tadej Pogačar
Sint-Niklaas (dpa) - Mathieu van der Poel ergriff vorsorglich schon einmal die […] (02)
BBC würdigt Queen Elizabeth II: Doku zum 100. Geburtstag angekündigt
Mit einer neuen Dokumentation erinnert die BBC an eine der prägendsten Figuren der modernen […] (00)
Apple iPad Air 3 WLAN landet auf der Vintage-Liste
Apple hat nun auch die WLAN-Version des iPad Air 3 offiziell in seine sogenannte […] (00)
Sharon Stone und Robert De Niro in 'Casino'
(BANG) - Sharon Stone hat Robert De Niro als "den besten Küsser im Geschäft" […] (00)
 
 
Suchbegriff