Wohnen in Deutschland: Ein zunehmend verspannter Raum
Die aktuelle Wohnsituation in Deutschland entwickelt sich für viele Bürger zu einer ernsthaften Belastung. Laut dem Deutschen Mieterbund sind nicht mehr nur einkommensschwache Haushalte, sondern auch das mittlere Einkommenssegment von den steigenden Wohn- und Mietkosten betroffen. "Verdrängung und Platzmangel betreffen längst nicht mehr nur die Schwächsten", so Melanie Weber-Moritz, Präsidentin des Mieterbunds. Sie beschreibt, wie auch die Mittelschicht zunehmend unter Druck gerät.
Der Anteil der Mieter in Deutschland übersteigt mittlerweile die 50-Prozent-Marke und die Zahl ist steigend. Besonders hoch ist die Mietwohnungsquote bei Alleinerziehenden, Alleinstehenden und Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit. Die Folge der steigenden Mieten ist, dass immer mehr Menschen über 30 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen aufwenden müssen, bei Menschen, die von Armut betroffen sind, sind es sogar 37,5 Prozent.
Ein alarmierendes Bild zeigt sich auch bei der nicht-armen Bevölkerung: Ein Anstieg der überlasteten Bürger, die mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für Miete ausgeben, auf 7 Prozent seit 2020. Bei extrem Überlasteten, die sogar mehr als 40 Prozent ihres Einkommens aufwenden, betrifft dies mehr als 13 Prozent der Mieter. Familien mit Kindern erleben die größte Last der steigenden Mietkosten.
Unterdessen führen hohe Kosten bei Neuvermietungen zu einer sichtbar beengten Wohnsituation. Rund ein Drittel der Befragten würde gern umziehen, findet jedoch keinen leistbaren Wohnraum. Dies wird durch den sogenannten "Lock-in-Effekt" verstärkt: Vorhandene Wohnungen werden ungern aufgegeben. Der Eigentümerverband Haus und Grund bestätigt, dass trotz stabiler durchschnittlicher Mietbelastung extreme Fälle in urbanen Gebieten existieren.
Weber-Moritz betont, dass der Markt alleine die Krise nicht lösen könne. Es brauche mehr sozialen Wohnraum und eine an der Allgemeinheit orientierte Wohnungspolitik. Mietbegrenzungen für Neubauten lehnt der Mieterbund jedoch ab, um Investitionen nicht zu gefährden, schlägt jedoch vor, das Neubaudatum auf einen aktuelleren Zeitpunkt festzulegen.

