Iran-Krieg

Witkoff sieht Chance auf Iran-Deal - Krieg tobt weiter

26. März 2026, 18:54 Uhr · Quelle: dpa
Witkoff
Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Der US-Sondergesandte Witkoff hat einen 15-Punkte-Plan bestätigt.(Archivbild)
Nach erneuten Drohungen von US-Präsident Trump ist weiterhin unklar, wer mit wem über ein mögliches Kriegsende verhandelt. Doch der US-Sondergesandte sieht bereits gute Chancen für eine Einigung.

Washington/Teheran (dpa) - In den Kontakten zwischen den USA und dem Iran für ein Ende des Kriegs gibt es nach Darstellung des US-Sondergesandten Steve Witkoff gute Aussichten auf Erfolg. «Wir haben starke Anzeichen, dass es eine Möglichkeit gibt», sagte Witkoff in Washington. Zudem bestätigte er die Übermittlung eines 15-Punkte-Plans zur Beilegung des Kriegs an den Iran. Teheran hat laut einem Medienbericht bereits Gegenforderungen gestellt.

Der weitere Verlauf des Kriegs bleibt völlig offen: Vor dem Ende des Ultimatums von US-Präsident Donald Trump reichen die Prognosen von einer schnellen Waffenruhe bis zu Angriffen mit Bodentruppen. Trump erneuerte Drohungen gegen den Iran und schloss es auch nicht aus, die Kontrolle über das iranische Öl zu übernehmen. «Es ist eine Option», sagte er auf eine entsprechende Journalistenfrage.

Zuvor hatte Trump dem Iran mit der Zerstörung von Kraftwerken gedroht, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht freigeben. Am Montag verschob er die Frist dafür um fünf Tage und begründete das mit produktiven Gesprächen.

Witkoff: Alternative für den Iran ist Tod und Zerstörung

Witkoff berichtete von guten Kontakten mit Teheran - sieht aber die iranische Führung am Zug. «Wir werden sehen, wohin die Dinge führen, und ob wir den Iran davon überzeugen können, dass dies der Wendepunkt ist, an dem es für ihn keine besseren Alternativen gibt als noch mehr Tod und Zerstörung», sagte er.

Witkoff erläuterte, der 15-Punkte-Plan zur Beilegung des Kriegs sei über die pakistanische Regierung übermittelt worden und bilde den Rahmen für ein Friedensabkommen. Es seien daraufhin Gespräche mit dem Iran zustande gekommen, deren Inhalt jedoch vertraulich bleiben solle.

Teheran hatte Verhandlungen jeglicher Art abgestritten

Wer für die Konfliktparteien jeweils mit wem spricht, bleibt weithin unklar. Wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtet, übermittelte der Iran in der Nacht zum Donnerstag eine Antwort auf den 15-Punkte-Vorschlag der USA - unter anderem mit der Forderung nach einem Ende der Kampfhandlungen an allen Fronten.

Eine iranische Reaktion hatte Trump in seinem Beitrag nicht erwähnt. Die politische und militärische Führung in Teheran hatte bislang jegliche Verhandlungen dementiert. Dazu schrieb Trump in Versalien: «Falsch!!!» Tasnim zufolge wirft der Iran der US-Regierung vor, lediglich Zeit für eine Bodenoffensive gewinnen und den Ölpreis niedrig halten zu wollen. Zu Teherans Forderungen gehört auch, dass die USA und Israel gezielte Tötungen einstellen sollen.

Pakistans Außenminister Ishaq Dar bestätigte am Donnerstag Vermittlungsbemühungen seines Landes. In diesem Kontext sei auch der 15-Punkte-Plan der USA geteilt und vom Iran erwogen worden, schrieb der Minister auf X.

Trump: Iran bettelt um ein Abkommen

Israel rechnet nach Medienberichten damit, dass Trump bereits am Wochenende im Alleingang eine Waffenruhe mit dem Iran verkünden könnte. Der israelische TV-Sender N12 nannte als möglichen Zeitpunkt diesen Samstag, das Nachrichtenportal «ynet» spätestens Mitte kommender Woche.

Trump wiederholte derweil im Weißen Haus, der Iran bettele um ein Abkommen. «Ich weiß nicht, ob wir dazu bereit sind», sagte er. «Das hätten sie schon vor vier Wochen tun sollen. Das hätten sie schon vor zwei Jahren tun sollen.» Die iranischen Verhandler bezeichnete Trump zuvor in einem Post als «anders» und «seltsam». 

Sieben Angriffswellen in kurzer Zeit

Der Iran setzt seine Gegenangriffe fort. Am Donnerstagmorgen flogen binnen weniger Stunden mindestens sieben Wellen iranischer Raketenangriffe auf Israel. In zahlreichen Gebieten - darunter im Großraum Tel Aviv, in Jerusalem sowie im Norden des Landes - gab es Raketenalarm. Nach Angaben von Armee und Rettungskräften kam es an mehreren Orten zu Einschlägen. Es gab Berichte über Verletzte in Tel Aviv sowie in einer arabischen Ortschaft östlich der Küstenmetropole.

In der emiratischen Hauptstadt Abu Dhabi wurden zwei Menschen durch herabfallende Trümmerteile einer Rakete getötet. Auch andere Golfstaaten meldeten erneuten Beschuss auf ihr Territorium, darunter Kuwait, Saudi-Arabien und Jordanien.

Iranischer Marine-Kommandeur getötet

Israel meldete den Tod des Marine-Kommandeurs der iranischen Revolutionsgarden. Verteidigungsminister Israel Katz teilte mit, die Armee habe Admiral Aliresa Tangsiri «ausgeschaltet, zusammen mit hochrangigen Offizieren des Marinekommandos». In der Mitteilung hieß es, Tangsiri sei «der unmittelbar Verantwortliche für die Terroroperation der Verminung und Blockade der Straße von Hormus für die Schifffahrt».

Aus dem Iran gab es dazu zunächst keine Bestätigung. Mitgeteilt wurde, dass seit Beginn der Luftangriffe der USA und Israels mehr als 1.900 Menschen getötet worden seien. Unter den Opfern seien 240 Frauen und mehr als 200 Kinder, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Ali Dschafarian dem arabischen Sender Al Jazeera.

In Teheran ist man vor dem Hintergrund der betonten Verhandlungsbereitschaft der USA vor allem skeptisch. Befürchtet wird etwa ein militärischer Einsatz auf der Ölinsel Charg im Persischen Golf oder in der für den globalen Öl- und Gashandel zentralen Straße von Hormus. Die Haltung rührt auch daher, dass die USA und Israel ihre Angriffe begannen, als eigentlich weitere Gespräche zwischen Teheran und Washington über das iranische Atomprogramm erwartet worden waren.

Sorge vor «Besetzung einer iranischen Insel»

Irans Außenminister Abbas Araghtschi warnte laut der Nachrichtenagentur Isna «alle Länder, dass das Eindringen ausländischer Streitkräfte in den Bereich der Straße von Hormus nur zu weiteren militärischen Spannungen führen wird». Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf warnte auf X vor einer möglichen «Besetzung einer iranischen Insel» durch «Feinde» mit Unterstützung eines Staates in der Region. Sollte es dazu kommen, müsse dieses Land mit Angriffen auf seine gesamte kritische Infrastruktur rechnen.

Ghalibaf gilt als eine der wichtigsten verbliebenen Figuren des iranischen Machtapparats und als möglicher Ansprechpartner für die USA. Pakistan setzte sich Sicherheitskreisen zufolge für den Schutz von Ghalibaf und Araghtschi ein. Vor einer möglichen Einigung in der zweiten Aprilhälfte könnten demnach mehrere Gesprächsrunden nötig sein.

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26.03.2026 · 18:54 Uhr
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