Wirecard-Prozess: Gericht strebt Urteil in der ersten Jahreshälfte 2024 an
Im aufsehenerregenden Wirecard-Prozess vor dem Landgericht München I deutet sich nach mehr als drei Jahren allmählich eine Entscheidung an. Der umfassende Rechtsstreit, der den früheren Unternehmenschef ins Visier nimmt, könnte in der ersten Jahreshälfte des kommenden Jahres sein Ende finden. Die kürzlich veröffentlichten Sitzungspläne umfassen Termine bis zum 29. Juni, was auf einen möglichen Abschluss des Verfahrens hinweist. Auffällig ist, dass die IV. Strafkammer in der Vergangenheit typischerweise den gesamten Jahresplan bereits im Dezember fertigstellte. Allerdings sind konkrete Termine für die Plädoyers und das endgültige Urteil noch nicht festgelegt.
Der Vorsitzende Richter, Markus Födisch, könnte theoretisch das Urteil schon vor Juni verkünden oder den Prozess bei Bedarf verlängern. Bereits im Sommer hatte Födisch seinen Wunsch geäußert, das Verfahren noch vor Jahresende abzuschließen – ein Ziel, das bisher jedoch unerfüllt blieb. Es ist jedoch offensichtlich, dass der im Dezember 2022 begonnene Prozess bald zu einem Abschluss kommen soll.
Der prominente Angeklagte, der ehemalige Milliardär Braun, nimmt im Verfahren um den mutmaßlichen Milliardenbetrug bei Wirecard eine zentrale Rolle ein. Braun, der einst als Technologiepionier verehrt wurde, plädiert auf Unschuld und behauptet, Opfer einer kriminellen Bande um den verschwundenen Vorstand Jan Marsalek und den Mitangeklagten Oliver Bellenhaus geworden zu sein. Bellenhaus belastet dagegen Braun schwer und wirft ihm die Konstruktion eines Opfermythos vor. Trotz Brauns Hoffnungen auf einen Freispruch, hat das Gericht bislang keine Bereitschaft signalisiert, ihm zu glauben. Diese Skepsis wird unterstrichen durch seine anhaltende Untersuchungshaft von fünfeinhalb Jahren, ohne dass ihm bedingte Freiheit gewährt wurde.

