Windenergie-Ausbau in deutschen Gewässern gestiegen, Nutzung aber eingeschränkt
Der Ausbau von Windenergie-Anlagen in deutschen Gewässern ist im vergangenen Jahr leicht angestiegen. Aktuell sind zum Jahreswechsel bereits 1566 Windräder mit einer Gesamtleistung von 8,5 Gigawatt in Betrieb, wie das Beratungsunternehmen Deutsche Windguard in einem Bericht feststellt. Dies entspricht einem Anstieg der installierten Leistung um etwa fünf Prozent. Allerdings können diese Kapazitäten nicht vollständig genutzt werden.
Grund dafür seien fehlende Netzkapazitäten an Land, erklärt die Projektmanagerin Merle Heyken. Im Jahr 2020 wurden insgesamt 23,5 Terawattstunden eingespeist, was einem Rückgang von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie geht davon aus, dass es bei den Anschlussleitungen für geplante Windparks Verzögerungen von bis zu zwei Jahren geben wird. Netzbetreiber berichten zudem von Lieferengpässen bei wichtigen Bauteilen.
Im Einklang mit den Zielen der Bundesregierung sollen bis 2030 mindestens 30 Gigawatt Offshore-Windenergie jährlich erzeugt werden, bis 2035 sollen es mindestens 40 Gigawatt und bis 2045 mindestens 70 Gigawatt sein. Laut dem Bericht könnte das Ziel für 2030 erreicht werden, wenn man auch Projekte einbeziehe, die sich zum Jahreswechsel im Betrieb, im Bau oder in der Vorbereitung befanden. Allerdings müsste dafür das Tempo deutlich erhöht werden. Um das Ziel für 2030 zu erreichen, müssten durchschnittlich Anlagen mit einer Kapazität von 3,1 Gigawatt pro Jahr in Betrieb gehen. Für die Ziele bis 2035 und 2040 müssten zudem weitere Flächen für die Windkraft ausgewiesen werden.
Die Branche warnt generell vor Engpässen. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des Energieanlagenbau-Verbands VDMA Power Systems, weist auf den steigenden Personalbedarf für den Bau und die Wartung der Anlagen sowie für Häfen, Schiffe und Fertigung hin. Jens Assheuer, Vorstandsvorsitzender des Windindustrie- und Wasserstoffverbands WAB, betont den Bedarf an zusätzlichen Hafenflächen von 200 Hektar, auf denen Kabel, Turbinen und andere Teile für Windparks gelagert und verschifft werden können. Der Bau oder Ausbau von Häfen müsse, wie andere für die Energiewende nötige Projekte, gesetzlich als von überragendem öffentlichen Interesse ausgewiesen werden, um Klagen von Umweltverbänden einzuschränken.
Kritisiert wird auch das Vergabeverfahren für Offshore-Windflächen. Im vergangenen Jahr versteigerte die Bundesnetzagentur erstmals Gebiete und erzielte damit Milliardenerlöse, die größtenteils in den Netzausbau fließen sollen. Dadurch sollen wiederum die Kosten für die Stromkunden gesenkt werden. Rendschmidt kritisiert das Verfahren, da das Geld in der gesamten Lieferkette fehlt und die zukünftigen Stromkosten, insbesondere für die Industrie, erhöht. Assheuer betont, dass das Geld wieder verdient werden müsse und plädiert dafür, einen Teil der Erlöse für den Bau dringend benötigter Hafenflächen zur Verfügung zu stellen.
Zum Großteil befinden sich die Offshore-Windparks in der Nordsee, mit einer Leistung von 7,1 Gigawatt. In der Ostsee werden 1,4 Gigawatt erzeugt. Der meiste erzeugte Strom wird über Anschlussleitungen ans niedersächsische Festland geleitet. Die restlichen Nordsee-Windparks sind in Schleswig-Holstein angeschlossen. (eulerpool-AFX)

