Krieg in der Ukraine

Wie der EU-Kompromiss zum russischen Vermögen aussieht

19. Dezember 2025, 19:38 Uhr · Quelle: dpa
EU-Gipfel
Foto: Michael Kappeler/dpa
Feiern den Kompromiss: Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen, EU-Ratspräsident António Costa und Kommissionschefin Ursula von der Leyen.
Die EU hat einen Kompromiss für finanzielle Hilfe an die Ukraine erzielt, der russische Assets einbezieht. Erfahren Sie die Details zu Kosten und Risiken in diesem Gipfelbericht.

Brüssel (dpa) - Die einen sprachen von einem unverantwortlichen Verstoß gegen internationales Recht - mit unabsehbaren Folgen auch für die europäische Finanzmarktstabilität. Die anderen von einem innovativen und fairen Weg, den Fall der von Russland angegriffenen Ukraine zu verhindern: Über den Plan zur direkten Nutzung von in der EU eingefrorenem Staatsvermögen Russlands wurde wochenlang mit harten Bandagen gestritten. Beim EU-Gipfel in Brüssel kam es nun zum Showdown und am Ende zu einem gesichtswahrenden Kompromiss für alle Seiten. Ein Überblick in Fragen und Antworten:

Was sieht der Kompromiss vor?

Das neue Konzept sieht vor, der Ukraine einen zinslosen Kredit über 90 Milliarden Euro zu gewähren. Er soll den dringendsten Finanzbedarf der Ukraine in den kommenden zwei Jahren decken und dem Land eine Fortsetzung seines Abwehrkampfes gegen Russland ermöglichen. Ohne Geld aus der EU droht das Land ab dem zweiten Quartal in den Staatsbankrott zu rutschen.

Wofür ist das Geld? 

Die 90 Milliarden Euro der EU helfen der Ukraine über die drängendsten Haushaltsnöte hinweg. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, das Geld werde in Verteidigung fließen, solange der Krieg weitergeht und in den Wiederaufbau, sollte er beendet werden. Die finanzielle Unterstützung der EU soll zwei Drittel des Bedarfs der Ukraine von voraussichtlich mehr als 137 Milliarden Euro decken. Der Rest soll von Partnerstaaten wie Großbritannien und Kanada kommen. 

Woher soll das Geld kommen?

Die EU will das Geld zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt aufnehmen und es dann an die Ukraine weiterreichen. Die Absicherung soll über den EU-Gemeinschaftshaushalt erfolgen. Ungarn, Tschechien und die Slowakei haben allerdings ausgehandelt, nicht an den Kosten beteiligt zu werden.

Wie beteiligt sich Deutschland an den Kosten? 

Aus deutschen Regierungskreisen hieß es am Freitag, unmittelbare Auswirkungen auf den Bundeshaushalt würden nicht erwartet. Langfristig dürften aber sehr wohl Kosten für den deutschen Steuerzahler entstehen. Nach Angaben einer EU-Spitzenbeamtin wird die Finanzierung des geplanten neuen Unterstützungspakets die beteiligten EU-Staaten schätzungsweise etwa drei Milliarden Euro pro Jahr kosten - auf unabsehbare Zeit.

Für Deutschland könnte das nach Berechnungen der Deutschen Presse-Agentur langfristig jährliche Zusatzausgaben in Höhe von etwa 700 Millionen Euro bedeuten. Grund ist, dass sich der nationale Beitrag nach der Wirtschaftskraft richtet und Ungarn, Tschechien und die Slowakei herausgehandelt haben, dass sie sich nicht an der Finanzierung des neuen Unterstützungspakets beteiligen müssen. 

Spielt das in der EU festgesetzte Zentralbankvermögen keine Rolle mehr?

Doch. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte nach dem Gipfel: «Die EU behält sich ausdrücklich vor: Sollte Russland keine Entschädigung leisten, werden wir – in völliger Übereinstimmung mit dem Völkerrecht – die russischen Vermögenswerte für die Rückzahlung heranziehen.» Unklar ist allerdings, was passieren würde, wenn die Ukraine einem Friedensabkommen zustimmen sollte, das keine Reparationszahlungen vorsieht. Möglicherweise müsste dann Deutschland und die anderen beteiligten EU-Staaten den Kredit zurückzahlen.

Was war ursprünglich geplant?

Das von Kanzler Merz bevorzugte Konzept sah vor, dass sich die EU bei verschiedenen Finanzinstituten Geld leiht, über das Russland wegen Sanktionsentscheidungen der EU derzeit nicht verfügen kann. Dieses Geld sollte dann in Form von Darlehen an die Ukraine weitergereicht werden. Die EU hätte sich also kein Geld auf den Finanzmärkten leihen müssen. Insgesamt sollte es dabei um bis zu 210 Milliarden Euro gehen.

Ist dieses Konzept vollständig vom Tisch?

Offiziell nicht. In der Gipfelerklärung zum Thema werden der Ministerrat und das Europäische Parlament aufgefordert, die Arbeiten an dem Modell fortzusetzen. Eine Umsetzung ist vorerst aber eigentlich nicht mehr notwendig.

Warum gab es so lange Streit um den Vorschlag?

Die belgische Regierung blockierte das Vorhaben mit Verweis auf rechtliche und finanzielle Risiken. Sie sah unter anderem die Gefahr, dass Russland Vergeltung gegen europäische Privatpersonen und Unternehmen übt und etwa Enteignungen in Russland vornimmt. Vor allem fürchtete sie dabei auch um die Existenz des Finanzinstituts Euroclear, das dem belgischen Staat jährlich hohe Steuereinnahmen beschert. Hier wird der Großteil der in der EU eingefrorenen russischen Vermögenswerte verwaltet. Als Risiko wurde weiterhin genannt, dass ein Schiedsgericht das Vorgehen als illegale Enteignung wertet und internationale Anleger das Vertrauen in den europäischen Finanzmarkt verlieren.

Scheiterte der Vorschlag am Ende allein an Belgien?

Nein. Belgiens Regierungschef Bart De Wever hätte ungeachtet der Gefahren zugestimmt, wenn es einen Schutzmechanismus gegeben hätte, der alle Risiken zeitlich und finanziell unbefristet abdeckt. Nach Angaben von Diplomaten waren aber unter anderem Paris und Rom nicht bereit, die notwendigen Mittel dafür zur Verfügung zu stellen. 

Was passiert so lange mit dem russischen Vermögen? 

Das bleibt erst einmal eingefroren. Bereits vergangene Woche hatten 25 der 27 Mitgliedstaaten dafür gestimmt, eine Rückübertragung von den festgesetzten Mitteln nach Russland unbefristet zu verbieten. Zuvor mussten die EU-Sanktionsbeschlüsse zu den Mitteln alle sechs Monate einstimmig verlängert werden. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hatte nach der Entscheidung erklärt, der Beschluss stelle sicher, dass die russischen Milliarden auf EU-Boden blieben - es sei denn, Russland leiste der Ukraine vollständige Wiedergutmachung für die durch den Krieg verursachten Schäden.

Kann der Plan der EU die US-Initiative zur Beendigung des russischen Angriffskrieges gefährden?

EU-Ratspräsident António Costa sieht dieses Risiko nicht. «Unser Ziel ist nicht, den Krieg zu verlängern. Im Gegenteil: Die heutigen Entscheidungen sind ein entscheidender Beitrag, um einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine zu erreichen», sagte er nach dem Gipfel.

EU / Konflikte / Krieg / Gipfel / Europa / Ukraine / Russland / Belgien / Fragen & Antworten
19.12.2025 · 19:38 Uhr
[2 Kommentare]
In der fortlaufenden Diskussion um Steuerbetrug bei Cum-Cum-Aktiendeals erhebt die frühere Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker mahnende Worte und appelliert an die Politik, entschlossener zu handeln. Mit Nachdruck fordert sie einen gemeinsamen Einsatz von Bund und Ländern bis 2026, um Licht in die undurchsichtigen Praktiken der Cum-Cum-Geschäfte zu bringen, die dem deutschen Staat bereits immense […] (00)
vor 17 Minuten
Big Bang Theory trifft Realität: Fusionsreaktoren als Teilchenquelle
In der Sitcom „The Big Bang Theory“ scheitern zwei Physiker daran, in einem Fusionsreaktor exotische Teilchen zu erzeugen – ein Running Gag, der wissenschaftlich lange als unrealistisch galt. Genau dieses fiktionale Problem hat nun reale Physik inspiriert. Ein Forschungsteam um Jure Zupan von der University of Cincinnati hat einen theoretischen Ansatz entwickelt, der zeigt, unter welchen […] (00)
vor 14 Stunden
Die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz im Maschinenbau wächst rasant und birgt enorme Chancen für angehende Ingenieur*innen. Nach einer Erhebung des Maschinenbauverbandes VDMA sind 86 Prozent der Unternehmen davon überzeugt, dass Fähigkeiten in diesem Bereich entscheidend sind. Allerdings zeigen sich die Betriebe gegenüber der Hochschulausbildung eher skeptisch. Lediglich 23 Prozent bewerten […] (00)
vor 32 Minuten
Bandai Namco veröffentlicht Walkthrough-Trailer zu CODE VEIN II
Bandai Namco Entertainment Europe veröffentlicht heute einen neuen Trailer zu CODE VEIN II, der Einblicke in ein weitläufiges Spielgebiet sowie das Fähigkeiten- und Partnersystem bietet. Außerdem wird die Demo zum CODE VEIN II Character Creator ab dem 23. 2026 Januar verfügbar sein, bevor das Spiel am 30. Januar 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC (via Steam) erscheint. Das Video […] (00)
vor 9 Stunden
James Wan
(BANG) - James Wan möchte den vierten 'Avatar'-Film inszenieren, falls James Cameron dies nicht tun sollte. Der 48-jährige Filmemacher hinter 'The Conjuring' hat seinen Hut in den Ring geworfen, um den nächsten Teil von Camerons erfolgreicher Sci-Fi-Saga zu übernehmen, sollte sich der 'Terminator'-Schöpfer (71) aus dem Regiestuhl zurückziehen, um sich anderen Projekten zu widmen. Im Gespräch mit […] (00)
vor 15 Stunden
Lennart Karl
München (dpa) - In der Debatte um seinen locker ausgesprochenen Traum von Real Madrid hat Bayern-Jungstar Lennart Karl Rückendeckung der deutschen Fußball-Legenden erhalten. «Ich finde es gut, wenn jemand auch schon mit 17 Selbstvertrauen hat. Sich die Ziele zu setzen, hat auch gar nichts mit Überheblichkeit zu tun. Ich finde es ehrlich, aber nicht überheblich und nicht arrogant», sagte Lothar Matthäus in seiner Sky-Kolumne. Dabei gehe es auch […] (00)
vor 20 Minuten
bitcoin, cryptocurrency, finance, blockchain, money, currency, crypto, coin, digital, virtual, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, cryptocurrency, cryptocurrency, cryptocurrency, cryptocurrency, crypto, crypto, crypto
Ethereum befindet sich in einer Erholungsphase und erreichte am Montag im späten Handel einen Kurs von $3.250, den höchsten Stand seit dem 12. Dezember. Seit Jahresbeginn hat Ether um 16% zugelegt, während Bitcoin im gleichen Zeitraum nur um 6,7% gestiegen ist. Analyst 'Merlijn' betont, dass Ethereum weiterhin günstig sei und sich in einer Akkumulationsphase befinde. “We’re not in ‘Take Profit’ […] (00)
vor 1 Stunde
Immobilien-Investmentmarkt Köln 2025:  Stabilisierung und allmähliches Erwachen des Marktes
Köln, 06.01.2026 (lifePR) - Greif & Contzen Immobilien veröffentlicht einen ersten Jahresrückblick 2025 auf den Kölner Investmentmarkt. Das Investmentumfeld hat sich insgesamt stabilisiert und das Transaktionsvolumen stieg leicht über das Ergebnis des Vorjahres. Angebot und Nachfrage sind aber im Vergleich zu 2024 vielfältiger geworden. Nach einer ersten Auswertung wurden im Laufe des Jahres 2025 […] (00)
vor 2 Stunden
 
Nach einem jüngsten Anschlag auf das Stromnetz in Berlin fordert der Bundesverband der Deutschen […] (00)
Audi (Archiv)
Wolfsburg - Die Händler von Volkswagen und Audi rechnen für 2026 mit weiter steigenden […] (09)
Mit einem frisch an der Hüfte operierten Markus Söder an der Spitze haben die […] (00)
Führerschein
Berlin (dpa) - Tausende Verkehrsunfälle trotz verhängter Fahrverbote: Damit sich nicht mehr so […] (02)
Borussia Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl hat die Geldstrafe für Nationalspieler Karim […] (00)
Jefferies sieht MTU-Aktie vor neuem Kursschub
500 Euro Kursziel, Buy-Rating bestätigt – und ein Markt, der sofort reagiert. Die jüngste […] (00)
Die Geissens
(BANG) - Der Raub in der Geissen-Villa ist womöglich aufgeklärt worden. Nach dem brutalen […] (03)
Dreame stellt die A3 AWD Pro Serie vor
Dreame Technology, ein führender Anbieter von Smart-Home- und vernetzten Gartenlösungen, wird […] (00)
 
 
Suchbegriff