Welle von Anzeigen nach Übergriffen von Silvester

06. Januar 2016, 18:25 Uhr · Quelle: dpa

Köln (dpa) - Fast eine Woche nach den massiven Übergriffen auf Dutzende Frauen in Köln und Hamburg wird das ganze Ausmaß der dramatischen Silvesternacht bekannt. Inzwischen wurden in Köln mehr als 100 Anzeigen erstattet, in Hamburg über 50.

Zahlreiche Frauen sollen ausgeraubt oder belästigt, zwei vergewaltigt worden sein. Die Kölner Polizei hat zwar eine erste Spur, festgenommen wurde allerdings noch niemand. Politiker forderten ein hartes Vorgehen gegen die Täter.

Augenzeugen und Opfer hatten ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Bislang gibt es laut Polizei keine Belege, dass Asylbewerber darunter waren. Die Polizei habe drei Verdächtige ermittelt, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) in Düsseldorf. Es habe aber bislang keine Festnahmen gegeben. Die Ermittlungen seien schwierig. «Manchmal braucht der Rechtsstaat Zeit. Diese Zeit müssen wir ihm geben.»

Vor allem die Polizei sieht sich weiter heftiger Kritik ausgesetzt, weil sie zu spät auf die aggressive Menschenmenge vor dem Kölner Hauptbahnhof reagiert haben soll und erst zwei Tagen nach den Übergriffen über die Vorfälle informierte. Dabei waren nach ihren Angaben am Silvesterabend auf dem Platz vor dem Bahnhof in Köln zahlreiche Frauen im Getümmel sexuell bedrängt und beklaut worden. Zuvor hatten sich etwa 1000 Männer auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt und mit Feuerwerkskörpern um sich geworfen.

Nach den Übergriffen ermittelt nun die Abteilung für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität der Staatsanwaltschaft Köln. «Tat- und Täterbeschreibungen lassen es derzeit zumindest nicht als ausgeschlossen erscheinen, dass das Geschehen organisierten Täterstrukturen zuzurechnen ist», teilte die Behörde mit. Die Kölner Polizei stockte ihre Ermittlungsgruppe auf.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) lässt wegen des Ausmaßes prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten in Köln und ähnlichen Attacken in Hamburg gibt. «Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein,» sagte Maas im ZDF-«Morgenmagazin». «Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren.» So etwas geschehe nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken.

Hamburger Ermittler gehen bislang nicht von Verbindungen aus. In der Hansestadt wurden Frauen nahe der Reeperbahn in der Silvesternacht von mehreren Männern umringt und an der Brust oder im Intimbereich begrapscht. Die Opfer seien zwischen 18 und 25 Jahren alt. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Übergriffe als Schande.

Drei Viertel der insgesamt mehr als 150 Anzeigen in Köln und Hamburg haben nach Polizeiangaben einen sexuellen Hintergrund. «Viele Frauen geben in den Gesprächen an, dass sie auch angefasst wurden», sagte eine Kölner Polizeisprecherin.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mahnte, zunächst seien die Ermittlungen zu den Hintergründen der Vorfälle in Köln abzuwarten. Er brachte aber angesichts der jüngsten Übergriffe eine mögliche Verschärfung der Vorgaben für straffällige Asylbewerber ins Gespräch: Bislang gelte in Deutschland die Regel, dass sich erst eine Freiheitsstrafe von drei Jahren ohne Bewährung auf ein Asylverfahren auswirke. «Wir werden darüber zu reden haben, ob das nicht geändert werden muss.»

In den ARD-«Tagesthemen» bemängelte de Maizière den Einsatz der Kölner Beamten: «Da wird der Platz geräumt - und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten.» NRW-Innenminister Jäger entgegnete, auch im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei habe es Übergriffe gegeben. Die Bundespolizei untersteht dem Bundesinnenminister.

Die Kölner Polizeiführung räumte zwar ein, am Neujahrsmorgen falsch über die Ereignisse der Nacht berichtet zu haben. In einer Erklärung hatte sie die Lage zunächst als recht entspannt beschrieben und sich selbst gelobt. Kritik am Einsatz wies sie allerdings zurück. «Wir waren nicht überfordert», sagte Polizeipräsident Wolfgang Albers. Das ganze Ausmaß der Vorfälle sei erst später klar geworden. Einen Rücktritt schloss Albers aus. «Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt», sagte er auf WDR 5. Dagegen verlangte FDP-Chef Christian Lindner personelle Konsequenzen an der Spitze der Polizei.

CSU-Chef Horst Seehofer forderte ein hartes Vorgehen gegen die Täter. Die Übergriffe seien «erschütternd» und «unsäglich», sagte Bayerns Ministerpräsident in Wildbad Kreuth.

Gegen Vorwürfe wehren muss sich die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Sie zog mit einer Verhaltensempfehlung an Frauen Spott im Internet auf sich. «Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft», hatte sie vor Journalisten auf die Frage geantwortet, wie man sich als Frau besser schützen könne.

Reker verteidigte sich am Mittwoch und sagte: «Durch die verkürzte Darstellung in einzelnen Medien ist teilweise der Eindruck entstanden, meine Präventionsinitiativen würden sich ausschließlich auf Verhaltenstipps für Frauen und Mädchen beschränken.» Davon könne gar keine Rede sein.

Kriminalität / Deutschland
06.01.2016 · 18:25 Uhr
[25 Kommentare]
Buckelwal liegt weiter in Wismarbucht
Wismar (dpa) - Am Dienstag könnte klar sein, wie es mit dem in der Ostsee vor Wismar gestrandeten Buckelwal weitergeht. Dann wird ein gesundheitliches Gutachten von Meeresbiologen und Veterinären zum Gesamtzustand des Meeressäugers erwartet, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) mitteilte.  Das Gutachten soll Aufschluss über […] (06)
vor 13 Minuten
Patrice Aminati
(BANG) - Patrice Aminati enthüllt, wie sie mit ihrem neuesten Rückschlag im Kampf gegen den Krebs umgeht. Die Influencerin gab vor wenigen Tagen traurige Neuigkeiten bekannt: Sie befindet sich gesundheitlich in einer "schlechten Phase". In der SWR-Sendung 'Nachtcafé' offenbarte sie: "Jetzt habe ich gestern Abend den Anruf bekommen: Es ist zurück, und […] (00)
vor 2 Stunden
Fashion-Influencer «Gramps»
Mainz (dpa) - Er hat rund 5,5 Millionen Follower auf Tiktok, noch mal knapp 2,5 Millionen auf Instagram: Der 80-jährige Alojz Abram - auch bekannt unter seinem Pseudonym «Gramps» - ist Mode-Influencer. Dabei wirkte er lange gar nicht modisch. Er hat sich gekleidet, wie man es von einem älteren Herrn in der Rente erwarten würde. «Unspektakulär», sagt […] (00)
vor 13 Stunden
Super Mario Galaxy-Film sprengt Kino-Rekorde – Milliarden-Erfolg zeichnet sich ab
Was gerade im Kino passiert, fühlt sich fast unwirklich an. Der neue Super Mario-Film startet und bricht direkt Rekorde. Innerhalb weniger Tage katapultiert sich der Animations-Hit an die Spitze der weltweiten Kinocharts und zeigt einmal mehr, wie stark diese Marke wirklich ist. Mit einem globalen Einspielergebnis von rund 345 Millionen Euro (372,5 […] (00)
vor 20 Stunden
Prime Video zeigt Doku «Jerry West: The Logo» im April
Der Streamingdienst widmet der Basketball-Legende eine persönliche und schonungslose Dokumentation. Prime Video hat den Trailer zur Dokumentation Jerry West: The Logo veröffentlicht. Der abendfüllende Film feiert am 16. April seine Premiere und wird weltweit in mehr als 240 Ländern und Territorien verfügbar sein. Regie führt Kenya Barris, der mit «Jerry West: The Logo» sein Dokumentarfilmdebüt […] (00)
vor 5 Stunden
Eva Lys
Oeiras (dpa) - Zum Neustart nach dem Abstieg aus der Weltgruppe des Billie Jean King Cups muss das deutsche Frauen-Tennisteam auch auf die gesetzte Eva Lys verzichten. Die 24 Jahre alte Hamburgerin sei nach ihrer Knieverletzung noch nicht wieder vollständig fit und stehe deswegen für das Turnier der Regionalgruppe I vom 7. bis 11. April im […] (01)
vor 3 Stunden
Nestlé verdient trotz Preiserhöhungen weniger: Volumenrückgang bremst Wachstum
Preiserhöhungen reichen nicht aus Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé befindet sich in einer schwierigen Marktsituation. Während das Unternehmen in den vergangenen Quartalen aggressiv seine Preise erhöht hatte, um Inflationskosten weiterzugeben, zeigt sich nun die Kehrseite dieser Strategie: Verbraucher weichen vermehrt auf günstigere Alternativen […] (00)
vor 18 Minuten
In einer Wirtschaft, in der Flexibilität und betriebliche Effizienz von entscheidender Bedeutung sind, spielen temporäre oder semipermanente Infrastrukturlösungen eine immer wichtigere Rolle. Sowohl auf Baustellen als auch in der Industrie oder Logistik sind moderne Container eine praktische Alternative zu klassischen Gebäuden, da sie funktionale Räume […] (00)
vor 43 Minuten
 
Baum umgestürzt - Drei Tote bei Flensburg
Mittelangeln (dpa) - Nach dem tödlichen Unglück durch einen umgestürzten Baum am […] (01)
Benzin
Berlin (dpa) - Am Ostersonntag hat der Dieselkraftstoff ein neues Allzeithoch […] (03)
Thomas Erndl (Archiv)
Berlin - Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Erndl (CSU), […] (00)
Europäischer Rat (Archiv)
Straßburg - Nach Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat auch der CSU- […] (06)
Einführung in moderne IT-Karrierewege In der heutigen wettbewerbsintensiven […] (00)
Starfield DLC verrät neue Stadt – Fans hoffen auf echten Neustart
Es fühlt sich fast wie ein versteckter Blick hinter die Kulissen an: Neue […] (00)
Ein Blick auf das Jubiläum Lufthansa, unter der Leitung von CEO Carsten Spohr, plant […] (00)
KI-Nacht im ZDF: Zwischen Jobangst, Chancen und Zukunftsvisionen
Das ZDF widmet dem Thema Künstliche Intelligenz eine mehrstündige Programmnacht und beleuchtet […] (00)
 
 
Suchbegriff