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Warum steigende Fehlzeiten zur Wachstumsbremse werden

23. Dezember 2025, 12:00 Uhr · Quelle: Eulerpool News
Warum steigende Fehlzeiten zur Wachstumsbremse werden
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Krankheitsfehlzeiten in Deutschland kosteten 2024 227 Milliarden Euro und fordern Reformen im Arbeitsmarkt.

Rekordbelastung für die Volkswirtschaft

Krankgeschriebene Beschäftigte haben die deutsche Wirtschaft 2024 rund 227 Milliarden Euro gekostet. Davon entfallen 134 Milliarden Euro auf direkte Produktionsausfälle. Die Bruttowertschöpfung – also der tatsächlich geschaffene wirtschaftliche Mehrwert – fiel entsprechend geringer aus.

Im Durchschnitt war jede Erwerbsperson 20,8 Tage krank gemeldet. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag der Wert noch bei 17,1 Tagen. Auch die Kosten pro Fehltag stiegen deutlich – auf 152 Euro je Arbeitnehmer, rund 28 Euro mehr als 2019.

Häufigste Ursachen: Rücken, Atemwege, Psyche

Laut Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sind Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems mit 19,4 % der häufigste Grund für Krankschreibungen. Es folgen Atemwegserkrankungen (18,2 %) sowie psychische Erkrankungen (16,7 %).

Auffällig sind zudem branchenspezifische Unterschiede: Besonders viele Fehltage verzeichnen der Öffentliche Dienst, das Gesundheits- und Sozialwesen sowie körperlich belastende Branchen wie Bau und Industrie. Deutlich niedriger liegen die Ausfallzeiten in IT- und Kommunikationsberufen.

Milliardenbelastung für Sozialkassen

Neben den Produktionsausfällen schlagen auch die Kosten der Lohnfortzahlung zu Buche. Diese beliefen sich 2024 auf rund 72,3 Milliarden Euro – ein Anstieg von mehr als 26 % gegenüber fünf Jahren zuvor. Damit geraten nicht nur Unternehmen, sondern auch Sozialkassen zunehmend unter Druck.

Ökonom fordert unbezahlte Karenztage

Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen hält die Entwicklung für nicht mehr tragbar. Er plädiert für die Einführung von drei unbezahlten Karenztagen zu Beginn jeder Krankmeldung.

Sein Argument: Fehlanreize ließen sich nur über finanzielle Verantwortung korrigieren. Insbesondere missbräuchliche Kurzzeiterkrankungen – etwa rund um Brückentage – würden das System belasten. Die bestehende Praxis der telefonischen oder elektronischen Krankschreibung habe diese Tendenz zusätzlich verstärkt.

Politisch hoch umstritten

Der Vorschlag ist politisch brisant. Kritiker warnen davor, tatsächlich erkrankte Arbeitnehmer zu bestrafen und soziale Ungleichheiten zu verschärfen. Befürworter sehen hingegen kaum Alternativen, um Produktivität zu sichern und die Kostenexplosion einzudämmen.

Fazit

Die Zahlen zeigen klar: Krankheitsbedingte Fehlzeiten entwickeln sich zu einem ernsthaften Standortfaktor. Ob über Karenztage, Prävention oder Reformen im Gesundheitssystem – ohne strukturelle Änderungen dürfte die wirtschaftliche Belastung weiter steigen. Für Politik und Unternehmen wird das Thema 2026 zu einer der zentralen arbeitsmarktökonomischen Baustellen.

Finanzen / Unternehmen / Krankheitsfehlzeiten / Wirtschaft / Sozialsystem / Arbeitsmarkt / Reformen
[Eulerpool News] · 23.12.2025 · 12:00 Uhr
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