Warten auf die Fed: Deutsche Märkte in Lauerstellung
Vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve suchen die Investoren am deutschen Aktienmarkt nach einer klaren Richtung. Der Dax verzeichnete einen kleinen Rückgang um 0,2 Prozent und notierte zur Mittagszeit bei 24.838 Punkten. Zuvor hatte der Leitindex kurzzeitig die psychologisch wichtige Schwelle von 25.000 Punkten überschritten, konnte dieses Niveau jedoch nicht halten. Auch der MDax der mittelgroßen Unternehmen geriet mit einem Abschlag von 0,7 Prozent auf 31.516 Zähler unter Druck. Im Gegensatz dazu zeigte sich der EuroStoxx 50 der Eurozone stabil und bewegte sich kaum.
Analysten erwarten, dass die Fed ihren Leitzins am Abend unverändert lassen wird. Dies wäre nach einer Serie von Zinssenkungen, die im vergangenen Jahr einem angeschlagenen Arbeitsmarkt und anhaltendem Inflationsdruck geschuldet waren, ein Signal der Stabilität. Doch die eigentliche Aufmerksamkeit gilt der angestrebten Unabhängigkeit der Fed. Präsident Donald Trump setzt den Notenbankchef Jerome Powell unter Druck, eine Haltung, die zu rechtlichen Auseinandersetzungen geführt hat, da Powells Amtszeit im Mai endet. Bernd Weidensteiner von der Commerzbank merkt an, dass die Pause im Zinssenkungszyklus der Fed als Demonstration ihrer Unabhängigkeit dienen könnte.
In der Zwischenzeit erfreuen sich deutsche Hightech-Werte besonderer Beliebtheit, ausgelöst durch unerwartet gute Nachrichten vom niederländischen Halbleiterindustriekonzern ASML. ASML profitiert vom anhaltenden Boom in der Künstlichen Intelligenz, was die Aktien von Jenoptik auf einen Höchststand seit Oktober beförderte. ASML gilt als essentieller Kunde für Unternehmen wie Jenoptik, so der Jefferies-Analyst Henrik Paganetty.
Der südkoreanische Chip-Gigant SK Hynix meldete ein Rekordergebnis, während der Quartalsausblick von Texas Instruments ebenfalls optimistisch überraschte. Dies sind positive Impulse für den größten deutschen Halbleiterhersteller Infineon, dessen Aktien die Dax-Liste mit einem Plus von sechs Prozent anführte.
Eine volatilen Kurs sahen die Investoren bei Wacker Chemie, dessen Papiere nach anfänglichen Zugewinnen letztlich um 2,5 Prozent nachgaben. JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi erklärt dies mit einem enttäuschenden operativen Gewinn im vierten Quartal, obwohl der Kapitalzufluss dank Lagerbestandsabbau und reduzierter Investitionen überraschend stark ausfiel.

