Versteckte Änderungen: Wenn das Müsli anders schmeckt
Im Alltag der Supermarktregale führen, scheinbar unbemerkt, Änderungen in der Rezeptur von Alltagsprodukten zu einem Phänomen, das als "Skimpflation" kritisiert wird. Die Verbraucherzentrale Hamburg spricht von einem Täuschungsmanöver gegenüber Verbrauchern, wenn bei beliebten Produkten teure Inhaltsstoffe durch günstigere Alternativen ersetzt werden. Armin Valet, Experte der Verbraucherzentrale, erklärt, dass Verbraucher zwar für das gleiche Produkt zahlen, aber weniger Qualität erhalten. Solche Anpassungen seien zwar rechtlich zulässig, solange die geänderte Zusammensetzung auf der Verpackung deklariert wird.
Diese Praktiken sind für Hersteller besonders lukrativ in Zeiten steigender Rohstoffpreise, obwohl sich der Verkaufspreis am Regal nicht ändert. In einer neuen Liste der Verbraucherzentrale wird die "Lieblings Nuss-Nougat-Creme" von Netto aufgeführt, bei der der Haselnussanteil signifikant abgenommen hat. Kauflands Ketchup wechselte den Lieferanten und veränderte gleichzeitig die Tomatenmarkkonzentration, was der Handelskette zufolge durch sensorische Tests gerechtfertigt wird.
Der Branchenverband rechtfertigt diese Änderungen als notwendige Anpassungen an betriebswirtschaftliche Herausforderungen. So wurde zum Beispiel der Butteranteil in der "Feinschmecker Zitronen Butter Sauce" von Knorr erheblich reduziert, während Konsumenten nun eigenständig Butter hinzufügen müssen. Auch beim Schmelzkäse "Milkana cremig leicht" gab es Veränderungen, die eine Qualitätsverbesserung nahelegt, so der Hersteller.
Die Verbraucherzentrale zieht nach, indem sie zu erhöhter Wachsamkeit bezüglich irreführender Angaben wie "Neue Rezeptur" anhält. Einzig wer einen genauen Vergleich zwischen alter und neuer Zutatenliste zieht, bemerkt oft die Unterschiede, was in der schnelllebigen Welt des Konsums kaum möglich ist. Insbesondere da gleichzeitig auch oftmals Packungsgrößen reduziert werden, ein weiteres Phänomen, das als "Shrinkflation" bekannt ist.
Ein etwas anderer Ansatz wird vom Müsliproduzenten Kölln verfolgt, der die Füllmenge von Schoko-Müslis bei stabilen Preisen reduziert. Diese Anpassung wird offen als Reaktion auf den gestiegenen Kakaopreis kommuniziert und entsprechend auf den Verpackungen gekennzeichnet.

