Verkehrsverbände fordern mehr und nicht weniger Bahnverkehr
Die Verkehrsverbände haben eindringlich vor dem Ansatz gewarnt, das Angebot an Fernverkehrszügen zu verringern, um die Pünktlichkeit zu steigern. Matthias Kurzeck, Bundesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), betont, dass eine Reduzierung des Zugangebots keine akzeptable Lösung sei. Gemeinsam mit der Allianz pro Schiene und dem Fahrgastverband Pro Bahn richtet er einen Appell an die Bundesregierung, alternative Lösungsansätze zu suchen, um die Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn zu erhöhen.
Dirk Flege von der Allianz pro Schiene kritisiert die Logik „Mehr Pünktlichkeit durch weniger Züge“ als falsch. Er verweist auf Länder wie die Schweiz und die Niederlande, die trotz höherer Zugdichte auf ihren Strecken eine bessere Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr vorweisen können.
In Deutschland hingegen zeigt sich ein anderes Bild: Im ersten Halbjahr war ein erheblicher Anteil der ICE- und IC-Züge unpünktlich, was insbesondere der überlasteten und sanierungsbedürftigen Infrastruktur zugeschrieben wird. Hauptstrecken und Verkehrsknotenpunkte sind stark beansprucht, was zu chronischen Verspätungen führt.
Im Zuge der Bahnreform sollen bis 2029 rund 70 Prozent der Fernzüge pünktlich verkehren, so das Ziel des Bundesverkehrsministers. Eine dazu geplante Arbeitsgruppe „Zuverlässige Bahn“ soll Lösungsstrategien erarbeiten, wobei bisher unklar bleibt, welche Maßnahmen konkret getroffen werden.
Die Skepsis der Verbände ist groß, dass dabei eine Verringerung des Zugangebots im Vordergrund stehen könnte, was sie entschieden ablehnen. Sie plädieren stattdessen für eine Sanierung des Netzes und die Beseitigung von Verspätungsursachen.

