Verhandlungen gegen die Plastikflut: Ein globaler Balanceakt
Plastikteilchen haben längst alle Lebensräume dieser Erde infiltriert und sind selbst im menschlichen Körper nachweisbar. US-Forscher entdeckten zuletzt einen auffälligen Anstieg von Nano- und Mikroplastik in Gehirnen und Lebern Verstorbener, verglichen mit dem Jahr 2016. Gleichzeitig findet in Genf ein letzter, ebenso entscheidender Versuch statt, ein global bindendes Abkommen zur Minimierung der Plastikverschmutzung zu schließen.
Ecuadorianische Vorsitzende der Konferenz, Luis Vayas Valdivieso, beschreibt den Dringlichkeitscharakter mit den Worten, 'Jede Stunde zählt'. Ziel ist ein umfassendes Werkzeug, das für die Umweltgeschichte im wahrsten Sinne bahnbrechend sein könnte. An diesem ambitionierten Unterfangen nehmen über 160 Staaten teil, die bis Mitte August verhandeln. Auch die EU, als Pionier bei strengeren Plastikregularien, überrascht mit hohen Standards.
Moritz Jäger-Roschko von Greenpeace hebt die globale Relevanz eines solchen Abkommens hervor, da Mikroplastik sich über Luft und Meer weltweit verteilt. Plastikwaren, die außerhalb der EU hergestellt werden und nicht den europäischen Standards entsprechen, sind ebenfalls von Bedeutung. Deutschland als der größte Plastikmüllexporteur Europas trägt seinen Teil zur weltweiten Misere bei.
Umweltschützer warnen eindringlich: Der Plastikmüll zerstört Habitate, bedroht Tier- und Menschenleben und vergiftet ganze Ökosysteme. Nach Schätzungen des UN-Umweltprogramms wurden letztes Jahr weltweit 500 Millionen Tonnen Plastik verbraucht, wobei 400 Millionen Tonnen schnell in Abfall übergehen. Ohne Gegenmaßnahmen könnte sich die Müllmenge bis 2060 gar verdreifachen.
Das geplante Abkommen zielt darauf ab, Produktion, Design und Entsorgung von Plastik neu zu gestalten. Allerdings sind sich die Verhandlungsteilnehmer einig, dass ein mutiger Ansatz nötig ist. Einige Länder wollen sich auf Müllentsorgung beschränken, was die Dringlichkeit von ambitionierten Lösungen verdeutlicht.
Mehr als 100 Staaten, von Antigua bis Vanuatu, unterstützen einen robusten Vertrag mit klaren Produktionsbeschränkungen. Obwohl diese Länder nur einen marginalen Marktanteil repräsentieren, sind sie entschlossen, in der Krise zu handeln. China, als führender Plastikproduzent, plant bereits erste nationale Produktionsbeschränkungen.
Andererseits stellen sich vor allem Öl exportierende Länder gegen strikte Maßnahmen. In ähnlicher Weise gestaltet die Vorgehensweise der US-Regierung unter Donald Trump die Verhandlungen nicht gerade einfacher. Dennoch hoffen die Delegationen auf eine Einigung, die eine diplomatische Konferenz im folgenden Jahr ermöglichen würde. Auch wenn die Ratifizierung in den Staaten dauern könnte, öffnen sich mit den aktuellen Verhandlungsgesprächen hoffnungsvolle Perspektiven.

