WM-Bronze ohne Bad in der Themse: Tischtennis-Team ist stolz
London (dpa) - Auf den Sprung in die Themse verzichteten die deutschen Tischtennis-Spielerinnen dann doch. Genau das hatten sie eigentlich angekündigt für den Fall eines Medaillen-Gewinns bei der Team-Weltmeisterschaft in London. Im Erfolgsfall gemeinsam baden zu gehen: Diesen Brauch hatten Sabine Winter und Co. im vergangenen Jahr nach ihrem EM-Triumph an der kroatischen Adriaküste eingeführt.
Doch die Themse war ihnen dafür schlicht zu dreckig. Ein offizielles Badeverbot an vielen Stellen der britischen Hauptstadt kam noch hinzu. «Wir hatten immer gesagt: Wenn es nicht gesundheitsgefährdend ist, dann springen wir», sagte Winter - und klang ein wenig erleichtert, dass sie trotz Bronze noch einmal drumherum kam.
Ergebnis deutlich, Halbfinale eng
Gleich die Skybar des Teamhotels anzusteuern, statt vorher noch einmal nass zu werden, war der Weltranglisten-Neunten nach dem enttäuschenden Halbfinal-Aus ganz recht. Denn das 0:3 gegen starke Japanerinnen klang am Ende deutlicher, als es tatsächlich war.
Winter selbst führte im zweiten Einzel gegen die Olympia-Dritte Hina Hayata bereits mit 2:0 Sätzen, ehe sie noch mit 2:3 verlor. Beim Viertelfinal-Erfolg gegen Hongkong zwei Tage zuvor war ihr erstes Einzel noch genau umgekehrt verlaufen.
«Natürlich sind wir traurig, dass wir uns nicht mit dem Finale belohnen konnten. Wir hatten unsere Chancen, aber die Japanerinnen waren heute einfach zu stark», sagte Annett Kaufmann zusammen. «Wir können mit unserer Leistung sehr zufrieden sein. Nicht nur am Tisch, sondern auch außerhalb: Unsere Teamleistung war wieder on Point. Die Traurigkeit wird schnell verschwinden.»
Denn das Besondere an großen Tischtennis-Turnieren ist, dass der dritte Platz nicht mehr extra ausgespielt wird und deshalb beide Halbfinal-Verlierer die Bronzemedaille erhalten.
Weitere Hoffnungsträgerinnen rücken nach
Und so verfestigte sich auch bei dieser WM eine Tendenz, die sich im deutschen Tischtennis seit dem Karriereende der Überfigur Timo Boll abzeichnet: Die deutschen Frauen sind nach ihrem EM-Triumph ohne Satzverlust und WM-Bronze gegen starke Konkurrenz nicht nur aktuell schon erfolgreicher als die deutschen Männer. Sie haben langfristig betrachtet offenbar auch die bessere sportliche Perspektive.
Denn nach dem fulminanten Karriere-Einstieg der 19-jährigen Kaufmann und dem bemerkenswerten Aufstieg der 33-jährigen Winter werden in absehbarer Zeit noch weitere Hoffnungsträgerinnen nachrücken. Mia Griesel (20) ist aktuelle Junioren-Weltmeisterin im Doppel und Koharu Itagaki (16) aktuelle Jugend-Weltmeisterin im Einzel. Zusammen mit Kaufmanns Triumph 2024 bedeutet das in einem derart asiatisch dominierten Sport gleich drei deutsche Nachwuchs-WM-Titel in den vergangenen zwei Jahren.
«Ich bin stolz auf die Mädels. Die Medaille ist ein toller Erfolg», sagte auch Bundestrainerin Tamara Boros nach der Niederlage gegen Japan. «Ich habe immer gesagt: Ich will, dass wir weitergehen. Bei dieser WM haben wir nur gegen Japan verloren. Momentan sind sie noch besser als wir. Aber wir arbeiten weiter und versuchen, bis Olympia noch besser zu sein. Ich denke, wir können das schaffen.»


