US-Börsen unter Druck: Gewinnmitnahmen und KI-Hoffnungen im Fokus
Gewinnmitnahmen belasten US-Börsen
Am Dienstag erlebten die US-Börsen eine Fortsetzung der Gewinnmitnahmen, die bereits seit mehreren Tagen zu spüren sind. Der technologieorientierte Nasdaq 100 konnte zwar kurzzeitig in den positiven Bereich vordringen, schloss jedoch letztlich 0,61 Prozent niedriger bei 28.818,84 Punkten. Dies markiert den dritten Verlusttag in Folge nach einem Rekordhoch, was die Hoffnungen auf eine Fortsetzung der Erholungsrally, die maßgeblich durch das Thema Künstliche Intelligenz (KI) getragen wurde, dämpft.
Der S&P 500, der breiter gefasste Marktindex, steht ebenfalls unter Druck und fiel am Dienstag um 0,67 Prozent auf 7.353,61 Punkte. Auch der Dow Jones Industrial, der zu Beginn der Woche noch als Gewinner galt, verabschiedete sich mit einem Minus von 0,65 Prozent und schloss bei 49.363,88 Punkten. Der Rekord des Dow stammt noch aus dem Februar, also vor dem Beginn des Iran-Kriegs, was die Unsicherheiten in der geopolitischen Landschaft zusätzlich verstärkt.
KI-Hoffnungen vs. geopolitische Risiken
Die kurzlebigen Hoffnungen auf eine Erholung im KI-Sektor wurden durch einen Rückblick der US-Bank JPMorgan auf ihre kürzlich abgehaltene Investorenkonferenz in den Schatten gestellt. Laut den Experten dominieren positive Erwartungen zur KI die Wahrnehmung der Anleger, während geopolitische Risiken und Stagflationsgefahren zunehmend in den Hintergrund rücken. Die Angst, im Bereich KI den Anschluss zu verlieren, wird als existenzielle Bedrohung wahrgenommen.
Eine aktuelle Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern zeigt, dass sich die Investorenstimmung auf dem höchsten Niveau seit Februar befindet. Die Vermögensverwalter haben ihre Barmittelbestände zugunsten von Aktien so stark reduziert wie seit über zwei Jahren nicht mehr, was auf ein wachsendes Vertrauen in den Aktienmarkt hindeutet.
Geopolitische Unsicherheiten und ihre Auswirkungen
US-Präsident Donald Trump hatte zunächst einen für Dienstag angekündigten Angriff auf den Iran abgesagt, was den Märkten nur begrenzten Auftrieb gab. Auch Berichte iranischer Medien über mögliche vorübergehende Lockerungen von Ölsanktionen durch die USA konnten die Märkte nicht nachhaltig stabilisieren. Die Ölpreise sind zwar gesunken, bleiben jedoch auf einem hohen Niveau, was die Inflationsängste der Anleger weiter anheizt. Dan Coatsworth, Marktstratege bei AJ Bell, betont, dass die Anleger ein Ende des Konflikts im Nahen Osten herbeisehnen.
Halbleiter und Unternehmensentwicklungen
Im Nasdaq 100 zeigten die Halbleiterwerte uneinheitliche Entwicklungen. Während Qualcomm und Broadcom um 3,9 beziehungsweise 2,3 Prozent nachgaben, konnten Micron und Intel um 2,5 beziehungsweise 2,4 Prozent zulegen. Nvidia, der KI-Chip-Riese, verzeichnete einen Rückgang von 0,8 Prozent, während die Investoren gespannt auf die bevorstehenden Quartalszahlen warten.
Im Dow Jones erlebte Home Depot nach einem Tief seit November eine Trendwende und konnte um 0,9 Prozent zulegen, obwohl das Unternehmen im ersten Quartal mit einer zurückhaltenden Kundennachfrage konfrontiert war. Die Ergebnisse fielen jedoch besser aus als erwartet.
Positive Unternehmensnachrichten
Die Pläne von Alphabet, der Muttergesellschaft von Google, zusammen mit Blackstone Rechenzentren für KI aufzubauen, fanden am Markt nur begrenzene Beachtung, was sich in Kursverlusten von jeweils mehr als 2 Prozent widerspiegelte. Auch die Ankündigung, die Suchmaske von Google für die KI-Ära weiterzuentwickeln, stieß auf wenig Resonanz.
Im Gegensatz dazu stiegen die Aktien von Amer Sports um 2,1 Prozent, nachdem das Unternehmen seine Jahresprognose angehoben hatte und die Quartalszahlen die Erwartungen übertrafen. Hyperliquid Strategies profitierten von Gerüchten über die US-Börsenaufsicht, die den Handel mit Krypto-Versionen von Aktien vorbereite, was zu einem Anstieg um 12,4 Prozent führte. Agilysys, ein Anbieter von Software für das Gastgewerbe, verzeichnete einen Kurssprung von 12,5 Prozent nach der Veröffentlichung starker Quartalszahlen, während die Aktien des Vermögensverwalters XP um 3,9 Prozent nachgaben.

