US-Arbeitsmarkt trotzt Zoll-Wankelmütigkeiten
Die unberechenbare Zollpolitik der US-Regierung hat im April kaum sichtbare Kerben auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt hinterlassen – zum gegenwärtigen Zeitpunkt zumindest. Diese Situation könnte womöglich lediglich temporären Umständen geschuldet sein, speziell durch die aktuell hitzige Zolldiskussion.
Laut dem US-Arbeitsministerium wurden außerhalb des Agrarsektors 177.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, womit die Erwartungen der Volkswirte von durchschnittlich 138.000 neuen Stellen übertroffen wurden. Allerdings wurden die Beschäftigungszahlen der beiden Monate zuvor um insgesamt 58.000 Stellen nach unten korrigiert.
"Es ist durchaus bemerkenswert, wie stabil sich der US-Arbeitsmarkt inmitten der Zolldispute und Börsenschwankungen präsentiert", bemerkt Dirk Chlench, Volkswirt der LBBW. Ökonomen hatten ursprünglich befürchtet, dass die Zollsituation den Arbeitsmarkt erheblich stärker belasten könnte.
Indes könnten die Zölle sogar positiven Einfluss auf den Arbeitsmarkt gehabt haben, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Insbesondere der Bereich Transport und Lager erfreute sich über Zuwächse. "Viele Unternehmen sowie private Haushalte hatten sich angesichts der Zölle mit Vorräten eingedeckt", erklärt er und spricht daher von einer "Momentaufnahme."
Die Arbeitslosenquote verharrt unverändert bei 4,2 Prozent, was die Erwartungen der Volkswirte traf. Zuvor war die Quote zwei Mal hintereinander gestiegen. In Sachen Löhne zeigt sich ein moderates Wachstum; die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Monatsvergleich um 0,2 Prozent, entgegen den erwarteten 0,3 Prozent. Im Vorjahresvergleich legen die Stundenlöhne ebenso stark zu wie im Vormonat, nämlich um 3,8 Prozent.
Für die US-Notenbank Fed ist dieser Arbeitsmarktbericht von entscheidender Bedeutung, da er Einfluss auf die Geldpolitik hat. Die Leitzinsen blieben zuletzt unverändert und auch in der Sitzung in der kommenden Woche wird keine Änderung erwartet. Christoph Balz, Volkswirt bei der Commerzbank, kommentiert: "Erfreulich für die Fed ist, dass der Arbeitsmarkt stabil bleibt, auch wenn die Risiken im Hinblick auf das Ziel der Vollbeschäftigung steigen." Die Zollpolitik könnte jedoch eine höhere Inflation generieren, welche sich bereits in den Inflationserwartungen der Verbraucher bemerkbar macht. US-Präsident Donald Trump hatte jüngst mehrfach Druck auf die Notenbank ausgeübt und Zinssenkungen gefordert.

