Untersuchung der Bafin bringt Gerresheimer-Aktie ins Schwanken
Die Gerresheimer-Aktien sind erneut unter Druck geraten, nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) eine Überprüfung des Konzernabschlusses ankündigte. Im Handelsverlauf stürzten die Wertpapiere zeitweise um 38 Prozent auf ihr Tief der letzten 15 Jahre bei 26,52 Euro ab. Dank einer schnellen Stellungnahme des Unternehmens stabilisierte sich der Kurs etwas, dennoch verbuchten die Aktien am Ende einen Rückgang von über 16 Prozent und schlossen bei 35,80 Euro.
Laut der Bafin stehen konkrete Anhaltspunkte im Raum, die einen Verstoß gegen Rechnungslegungsvorschriften vermuten lassen. Dabei geht es um die potenziell unkorrekte Erfassung von Umsätzen aus noch nicht realisierten Verträgen im Geschäftsjahr 2024. Gerresheimer versicherte volles Engagement bei der Aufklärung und betonte, die Zahlen korrekt bilanziert zu haben.
Die negativen Schlagzeilen belasten auch die Anlegerstimmung. Wie Analyst Pallav Mittal von Barclays erklärt, habe die Neuigkeit das Vertrauen der Investoren untergraben, auch wenn die Überprüfung nur einen kleinen Teil der Umsätze betreffe. Trotz attraktiver Bewertungen fällt es ihm zufolge jedoch schwer, neue Anleger zu gewinnen. Mittals Einschätzung hält vorerst an der Bewertung "Overweight" fest.
2025 war bislang kein gutes Jahr für Gerresheimer. Die Aktien haben fast die Hälfte ihres Wertes eingebüßt und liegen nun 70 Prozent unter dem Rekordhoch von 122,90 Euro. Neben der geplatzten Übernahmediskussion und wiederholten Gewinnwarnungen gab es auch personelle Veränderungen in der Führungsetage. Der Fokus des Unternehmens könnte bald mehr auf dem Pharmageschäft liegen, während eine Abspaltung der Behälterglas-Sparte denkbar ist.
Diese Entwicklungen treffen den neuen Finanzvorstand Wolf Lehmann zu einem heiklen Zeitpunkt, da er die Rolle erst im September von seinem Vorgänger Bernd Metzner übernommen hat. Analyst Alexander Neuberger von Metzler vermutet, dass Metzners Abschied mit der gescheiterten Abspaltung des Glasformteil-Geschäfts zu tun hatte, räumt jedoch ein, dass weitere Gründe unklar bleiben.
Die Bafin konzentriert sich in ihrer Überprüfung darauf, ob Gerresheimer die Umsätze und Gewinne für das Jahr 2024 korrekt in der Bilanz ausgewiesen hat. Entgegen der Vermutung der Aufsichtsbehörde ist Gerresheimer von der ordnungsgemäßen Periodisierung im letzten Geschäftsjahr überzeugt. Lehmann unterstrich die Bedeutung vollständiger Transparenz in der Zusammenarbeit mit der Bafin, um alle Unklarheiten schnellstmöglich zu beseitigen.

