Investmentweek

Unternehmenspleiten auf Rekordhoch: Deutsche Wirtschaft unter Druck

17. März 2025, 21:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland steigt rasant. Von Traditionsmarken bis zu Tech-Startups – Unternehmen aus verschiedensten Branchen kämpfen ums Überleben. Was steckt hinter der Pleitewelle, und welche Firmen stehen noch vor dem Aus?

Die Zahlen sind alarmierend: Im Jahr 2024 meldeten deutsche Amtsgerichte 21.812 Unternehmensinsolvenzen – ein Anstieg von 22,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, das bereits einen Höchststand markierte. Experten warnen, dass die Zahlen 2025 die Marke der Finanzkrise von 2009 übertreffen könnten.

Die Gründe sind vielfältig: Nachwehen der Corona-Pandemie, eine schwächelnde Konjunktur, hohe Energiekosten und gestiegene Zinsen setzen viele Unternehmen unter Druck. Doch nicht alle Insolvenzen lassen sich auf äußere Faktoren zurückführen – oft spielen auch strategische Fehlentscheidungen eine Rolle.

Ein Überblick über einige der prominentesten Firmen, die in den vergangenen Monaten in Schieflage geraten sind.

Tradition in der Krise: Handel und Mode kämpfen ums Überleben

Görtz: Ende einer Schuhhandels-Ikone

Seit 1875 stand der Hamburger Schuhhändler Görtz für solide Mittelklasse-Mode. Doch jetzt droht das endgültige Aus. Nach einer ersten Insolvenz 2022 versuchte ein Investor, das Unternehmen zu sanieren – ohne Erfolg. Hohe Mieten, die Konkurrenz durch Online-Händler und veränderte Konsumgewohnheiten erwiesen sich als unüberwindbare Hürden.

Görtz verlässt nun sogar sein Stammhaus in der Hamburger Mönckebergstraße. Der Ausverkauf läuft, und die letzten Filialen schließen in Kürze.

Gerry Weber: Das dritte Insolvenzverfahren in sechs Jahren

Der einstige Modegigant aus Halle in Westfalen durchläuft erneut eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Bereits 2019 stand das Unternehmen vor dem finanziellen Kollaps, konnte sich jedoch mit einem drastischen Sparprogramm retten. Doch die Erholung währte nicht lange.

Hohe Kosten, rückläufige Umsätze und eine verfehlte Expansionsstrategie haben Gerry Weber in die nächste Krise gestürzt. Die Marke hat inzwischen stark an Relevanz verloren, und die Überlebenschancen sind ungewiss.

Nach jahrelangen Fehlentscheidungen und gescheiterten Sanierungsversuchen meldet Gerry Weber bereits zum dritten Mal Insolvenz an. Die einst erfolgreiche Modemarke kämpft gegen sinkende Nachfrage und einen ruinösen Wettbewerb.

Depot: Deko-Krise in Zeiten von Temu und Shein

Die einst florierende Kette für Wohnaccessoires steckt in einem Schutzschirmverfahren. Der Grund: Online-Händler wie Temu und Shein bieten ähnliche Produkte zu Dumpingpreisen, und viele Kunden verzichten angesichts knapper Haushaltsbudgets auf unnötige Dekoartikel.

Zwar werden Filialen geschlossen und die Zentrale verkleinert, doch Brancheninsider halten es für unwahrscheinlich, dass Depot langfristig überleben kann.

Industrie und Zulieferer: Auto- und Immobilienkrise fordert Opfer

Voit: Saarländischer Autozulieferer ohne Käufer

Der Automobilzulieferer Voit galt lange als Hidden Champion, doch nun droht das Aus. Ein geplanter Verkauf an das chinesische Unternehmen Millison scheiterte, was Voit in die Insolvenz zwang.

Das Unternehmen produziert wichtige Bauteile für Assistenzsysteme und beliefert zahlreiche Autohersteller. Doch mit der schwächelnden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und den Unsicherheiten im Automarkt fehlen neue Aufträge. Die Sanierung in Eigenverwaltung läuft – doch ob sie gelingt, bleibt fraglich.

Boryszew Kunststofftechnik: Der nächste Autozulieferer fällt

Das polnische Unternehmen Boryszew musste seine deutsche Tochter in die Insolvenz schicken. Der Spezialist für Spritzgussteile kämpft mit sinkenden Auftragseingängen – vor allem von Volkswagen.

Autozulieferer unter Druck: Voit und Boryszew in Schieflage – Die Krise der Automobilindustrie zieht ihre Kreise. Sinkende Aufträge und hohe Fixkosten zwingen zwei weitere Zulieferer in die Insolvenz – mit ungewisser Zukunft für Hunderte Beschäftigte.

Seit Monaten fährt das Unternehmen Verluste ein. Eine mögliche Sanierung hängt von neuen Investoren und einer besseren Marktentwicklung ab. Doch der Abwärtstrend in der Autoindustrie macht eine Rettung nicht einfach.

Northvolt: Die große Batteriehypothek

Die Hoffnung auf eine europäische Gigafactory für Batteriezellen bekommt einen herben Dämpfer. Der schwedische Hersteller Northvolt, der mit großen Versprechen in Deutschland eine Fabrik bauen wollte, hat Insolvenz angemeldet. Schuld sind stagnierende Verkaufszahlen bei E-Autos, Qualitätsprobleme und ein zurückgezogener Großauftrag von BMW. Das Projekt in Schleswig-Holstein, mit 900 Millionen Euro staatlicher Förderung unterstützt, steht nun auf der Kippe.

Tech- und Start-up-Blase geplatzt: Die Realität holt die Visionäre ein

Lilium: Das Flugtaxi, das nie abhob

Einst gefeiert als das deutsche Tesla der Lüfte, kämpft das Münchener Start-up Lilium ums Überleben. Die Idee: Ein elektrisches Flugtaxi, das urbanen Transport revolutioniert. Doch die Realität ist ernüchternd.

Die Entwicklungskosten explodierten, der erste bemannte Flug wurde immer weiter verschoben, und Investoren verloren das Vertrauen. Lilium ging zu früh an die Börse – ohne marktfähiges Produkt. Jetzt droht das Unternehmen endgültig abzustürzen.

Volocopter: Chinesische Rettung oder Ausverkauf?

Anders als Lilium hat Volocopter zumindest funktionierende Prototypen in der Luft. Doch auch das Baden-Württemberger Start-up geriet 2024 in Schieflage. Ein chinesischer Investor steht bereit, um die Reste zu übernehmen. Ob dies eine Zukunft für den Standort Bruchsal bedeutet oder das Know-how nach China abwandert, ist unklar.

FTI: Wenn ein Reiseveranstalter in der Hochsaison pleitegeht

Der drittgrößte deutsche Reiseveranstalter FTI musste mitten in der Sommerurlaubssaison 2024 Insolvenz anmelden. Der Grund: Hohe Schulden, steigende Kosten und die Rückzahlung von Corona-Hilfen hatten das Unternehmen in eine finanzielle Schieflage gebracht.

Tausende Kunden blieben auf bezahlten Reisen sitzen, während Reisebüros massenhaft Buchungen stornieren mussten. Die Abwicklung wird Jahre dauern, und Tausende Arbeitsplätze sind betroffen.

Finanzen / Wirtschaft
[InvestmentWeek] · 17.03.2025 · 21:00 Uhr
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