Buckelwal in der Ostsee

Und er schwimmt doch: Krimi um den Buckelwal von Poel

20. April 2026, 11:21 Uhr · Quelle: dpa
Gestrandeter Buckelwal ist geschwommen
Foto: Jens Büttner/dpa
Am Morgen ist der gestrandete Buckelwal frei im Wasser geschwommen.
Nach Wochen im Flachwasser schwimmt der Buckelwal plötzlich los, doch sein Weg in die Ostsee bleibt ungewiss. Die Rettungsinitiative muss improvisieren - und der Wal liegt zunächst wieder.

Wismar (dpa) - Drei Wochen lag der Buckelwal vor der Insel Poel in der Wismarbucht. Atmete, bewegte sich ansonsten die meiste Zeit kaum. Am Montagmorgen dann die Überraschung: Der Meeressäuger ist bei steigendem Wasserstand losgeschwommen. Zunächst hin und her, dann von Booten aus getrieben in Richtung Ostsee. Allerdings stoppte das Tier rund zwei Stunden später wieder. Man lasse dem Tier aktuell eine Pause, hieß es aus dem Schweriner Umweltministerium. Es habe am Morgen schätzungsweise drei bis fünf Kilometer zurückgelegt.

Auf Livestreams ist am Vormittag zu sehen, wie der Wal nahe von Fahrwassertonnen auf Grund zu liegen scheint. Helfer auf den Booten gingen davon aus, dass sich das Tier frei bewegen könne, sagte die Ministeriumssprecherin. Sollte sich die Gelegenheit bieten, werde es in Kürze mit einem Sender zur Ortung versehen. Damit ließe sich der Standort auch noch erkennen, sollte der Wal später in tieferem Gewässer abtauchen.

Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte, nach seinem Wissen sei der Ausgang des Kirchsees teils sehr flach. Der Wal müsste demnach einen Bogen schwimmen, um gut herauszukommen. Das Fahrwasser sei etwa zweieinhalb bis drei Meter tief. Ansonsten sei die Bucht etwa zwischen 90 Zentimeter und 1,10 Meter tief. Deutlich tiefer ist seinen Angaben nach das Fahrwasser der sich anschließenden Wismarbucht mit mehr als neun Metern. Durch die Wismarbucht müsste der Wal schwimmen, um in die Ostsee zu gelangen.

Greenpeace: Enormer Stress für das Tier

Am Morgen war von Booten aus versucht worden, den Wal auf Kurs Richtung offene Ostsee zu bringen. Immer wieder kehrte das Tier um und schwamm weiter in die Kirchsee genannte Bucht mit dem Ort Kirchdorf am Ende hinein. Nach Einschätzung der Naturschutzorganisation Greenpeace bedeutet die Situation für den Buckelwal eine hohe Stressbelastung. «Das ist natürlich ein Megastress für das Tier», sagte ein Organisationssprecher. Der Wal habe die letzten Jahre ohne Kontakt zu Menschen verbracht, nun gebe es ständig Aktivitäten. Das Tier müsse sich erst einmal von den vergangenen Tagen erholen und sei nun Motorenlärm von den Booten ausgesetzt. 

Es gab Vermutungen von Wal-Beobachtern zum Hin- und Herschwimmen am Morgen, dass das Tier so geschwächt sein könnte, dass es versucht, in Küstennähe zu bleiben. Eine andere Erklärungsmöglichkeit wäre demnach, dass der Wal so desorientiert ist, dass er den Weg zurück ins offene Meer nicht allein findet.

Geldgeber Gunz zeigt sich ernüchtert

Der morgendliche Aufbruch des Wals durchkreuzte die eigentlichen Pläne einer privaten Initiative. Vorgesehen war, dass unter den Wal eine zwischen Pontons – also schwimmenden Plattformen – befestigte Plane geführt wird. Damit sollte er aus dem flachen Bereich geborgen und Richtung Nordsee gebracht werden. Die Pontons sollten dazu von einem Schlepper gezogen werden. Die Netzplane für das Tier war nach Behördenangaben bereits im Wasser.

Am Sonntag sahen sich Vertreter der Rettungsinitiative auf Poel noch auf sehr gutem Weg - schlossen aber auch nicht aus, dass sich der rund zwölf Meter lange Meeressäuger noch aus eigener Kraft freischwimmt. In diesem Fall greife «Plan B». «Das heißt, die DLRG-Boote sind auf Stand-by, dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn dann guiden können», sagte Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative.

Ein Finanzier der Aktion, der Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, zeigte sich bereits am Sonntag pessimistischer, ob sich der Wal im Fall der Fälle leiten lässt. Nach dem Losschwimmen des Wals am Montagmorgen sagt er der dpa, «und jetzt ist das aus der Bahn gelaufen alles.» Mehr könne er derzeit nicht sagen. «Jetzt kann man nur hoffen, dass die Begleitung gelingt.»

Backhaus: Begleite den Wal bis zum Ende

Minister Till Backhaus sagte am Morgen auf Poel erneut, er begleite den Wal bis zum Ende. «Ob lebend oder auch tot. Und das mache ich jetzt auch.» Die Initiative sei aktiv und man dulde alle Maßnahmen, die notwendig seien, das Tier zu begleiten. 

Erste Sichtungen bereits vor rund sieben Wochen 

Erste Sichtungen des Wals hatte es Anfang März gegeben. Am 3. März tauchte der Buckelwal im Hafen von Wismar auf und lockt Schaulustige an die Kaikante. Gegen Abend schwamm er wieder Richtung Ostsee. In den Tagen darauf wurde er vor der Ostseeküste Schleswig-Holsteins sowie der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesehen. Das Tier hatte sich Experten zufolge wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit. 

Am 23. März strandete der Wal das erste Mal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Umfangreiche Rettungsversuche starteten, das Tier schwamm schließlich selbst los. Wenige Tage später strandete es auf einer Sandbank in der Wismarbucht. Bei steigendem Wasserstand schwamm der Wal in der Nacht kurzzeitig weiter, lag kurz darauf in der Wismarbucht wieder auf, schwamm erneut weiter. Seit 31. März saß er dann erneut fest, diesmal in der Kirchsee-Bucht.

Tier / Wissenschaft / Notfall / Buckelwal / Mecklenburg-Vorpommern / Schleswig-Holstein / Deutschland
20.04.2026 · 11:21 Uhr
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