Bewerbung um Sommerspiele

Schub für Olympia: Wie es nach dem Ja aus NRW weitergeht

20. April 2026, 12:31 Uhr · Quelle: dpa
Bewerbung der Region Rhein-Ruhr um die Olympischen Spiele
Foto: Christoph Reichwein/dpa
Ministerpräsident Hendrik Wüst (l) und Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester freuen sich über das Ja beim Olympia-Entscheid.
Deutschlands Olympia-Macher spüren den Rückenwind: Die klare Zustimmung aus Nordrhein-Westfalen für eine Bewerbung ist ein deutliches Signal. Was das für die Spiele-Hoffnungen bedeutet.

Köln (dpa) - Noch bis 3.00 Uhr morgens wurden in Köln die Stimmzettel gezählt, doch die Olympia-Planer in Nordrhein-Westfalen hatten längst den Partybefehl von Ministerpräsident Hendrik Wüst erhalten. «Wir können mit Fug und Recht sagen: Ein historischer Rückhalt für eine Bewerbung Deutschlands um Olympische und Paralympische Spiele kommt heute Abend aus Nordrhein-Westfalen», sagte der CDU-Politiker zum Votum der Bürgerinnen und Bürger über eine Kandidatur der Region «KölnRheinRuhr» für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. 

In 16 von 17 Kommunen wurde die erforderliche Zustimmung erreicht, 66,0 Prozent votierten mit Ja. «Das ist ein weiteres starkes Signal an das IOC: Menschen in Deutschland wollen die Spiele», sagte Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU). Nur in Herten stimmten nicht genügend Menschen ab. Die Wahlbeteiligung lag ohne Herten bei 32,9 Prozent.

Wie geht es nun weiter?

Der Bürgerentscheid ist ein wichtiger Schritt für die Bewerbung aus NRW, aber noch nicht die nationale Vorentscheidung. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will am 26. September auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung entscheiden, mit welchem der vier deutschen Konzepte Deutschland ins internationale Bewerbungsverfahren geht. 

Der Verband bewertet alle Kandidaten mit Hilfe einer Matrix. Dabei fließt auch das Ergebnis der Bürgerentscheide ein. Daneben entscheidend sind aber auch etwa Kriterien wie die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die sportfachliche und operative Eignung oder Kosten und Finanzierung. Bis Anfang Juni können alle deutschen Kandidaten ihre Konzepte noch nachbessern. 

Wie bewertet der DOSB das Votum in NRW?

Für die Dachorganisation ist das klare Ja-Wort aus dem Westen ein weiterer Schub für die Bemühungen um Olympia. Nach mehreren Niederlagen bei solchen Bürgerentscheiden in der Vergangenheit hat der DOSB anscheinend richtige Lehren gezogen und nach dem Erfolg beim Votum in München auch Rückendeckung aus NRW. 

Das hilft beim Werben im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). «Die Zeichen sind eindeutig: Die Begeisterung für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland ist kein regionales Phänomen», sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. IOC-Mitglied Michael Mronz lobte «ein Ergebnis, das sicherlich auch international Beachtung finden wird». 

Wie planen die anderen Kandidaten?

München sieht sich nach der klaren Mehrheit von 66,4 Prozent für das Olympia-Projekt - dem ersten erfolgreichen Referendum zu Sommerspielen weltweit - und einer Rekord-Wahlbeteiligung von 42 Prozent beim Bürgerentscheid im vergangenen Herbst als aussichtsreicher Olympia-Kandidat. «Dieses starke und einmalige Ergebnis war und ist für uns weiterhin Ansporn», sagte der neue Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne).

In Hamburg stimmen die Bürgerinnen und Bürger am 31. Mai über die Olympia-Bewerbung der Hansestadt ab. Nachdem Kiel am Sonntag eine klare Zustimmung der Bürger für eine Kandidatur als olympischer Segel-Standort bekanntgegeben hatte, sprach Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) von einem «starken Signal» auch für das Referendum in der Metropole an der Elbe.

Berlin hingegen verzichtet auf ein Referendum und lässt das Abgeordnetenhaus abstimmen. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag DOSB können sich jedoch fast zwei Drittel der Berliner Olympische und Paralympische Spiele in der Hauptstadt vorstellen.

Mit welchen Argumenten will NRW jetzt punkten?

NRW wirbt für die «spektakulärsten, kompaktesten und nachhaltigsten Spiele» und setzt auf die Vermeidung von Neubauten durch vorhandene Sportstätten, einen Zuschauerrekord mit 14 Millionen Tickets und großen Kulissen, etwa beim Schwimmen auf Schalke oder Fußball in Dortmund. 

Zudem verweisen die Organisatoren auf die Befragung von mehr als vier Millionen Menschen in den 17 potenziellen Ausrichterstädten und betonen, dass keine andere Bewerbung mehr Menschen einbindet. «Der Lohn ist jetzt eine olympische Bewerbung, die über eine noch nie dagewesene gesellschaftliche und politische Stabilität verfügt», bekräftigte Ministerpräsident Wüst.

Welche Chancen hat eine deutsche Bewerbung überhaupt?

Bei der Vergabe-Entscheidung im IOC muss Deutschland mit viel Konkurrenz rechnen. Indien und Katar haben sich für 2036 in Position gebracht, auch Saudi-Arabien dürfte nach der Fußball-WM 2034 Interesse an Olympia haben. In Europa könnten Madrid, Istanbul und Budapest Rivalen einer deutschen Bewerbung sein. Südafrika dürfte spätestens 2040 oder 2044 ein Anwärter sein.

Noch aber ist offen, wann und nach welchem Modus künftige Spiele vergeben werden. Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat eine Kommission einberufen, die den aktuellen Auswahlprozess überprüfen soll. Ende Juni werden Ergebnisse erwartet, dann werden auch die Olympia-Planer in Deutschland ihr weiteres Vorgehen anpassen. 

Warum überhaupt Olympische Spiele in Deutschland?

Der deutsche Sport hat es aus Sicht von Fachverbänden, Athletenvertretern und Bundesregierung dringend nötig, ein Fernziel mit großer Strahlkraft zu bekommen, um sich finanziell und strukturell besser aufzustellen. «Unser Land will und braucht diese Spiele», sagte Sport-Staatsministerin Schenderlein nach den jüngsten Winterspielen in Italien, bei denen das deutsche Team erneut sein Medaillenziel verfehlte.

Was spricht gegen Olympische Spiele in Deutschland?

Die Kritiker argumentierten, so ein Großevent koste viel zu viel. In die aktuellen Ausgabenrechnungen seien viele Kosten wie zum Beispiel für die Sicherheit noch gar nicht eingerechnet. Zudem sei das Geld etwa für die Stadtentwicklung oder Wohnungsbau besser eingesetzt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) äußerte zudem Sorgen über mögliche negative Umweltauswirkungen.

Olympia / Sportpolitik / Kommune / Nordrhein-Westfalen / Deutschland / Fragen & Antworten / DOSB
20.04.2026 · 12:31 Uhr
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