44 Prozent wollen aufhören: Neue Studie zeigt, wie tief die Games-Branche schon steckt
Die Zahlen wirken wie ein Warnsignal, das man nicht mehr wegdiskutieren kann. Laut einer neuen Studie von Skillsearch denken 44 Prozent der befragten Spieleentwickler darüber nach, die Branche ganz zu verlassen. Der Grund ist nicht nur Frust über einzelne Studios oder gescheiterte Projekte. Es ist ein viel größeres Problem: Die Spieleindustrie wirkt für viele inzwischen wie ein Ort, an dem selbst gute Arbeit keine Sicherheit mehr bietet.
Besonders bitter ist dabei, dass die Studie nicht auf ein kleines Stimmungsbild zurückgeht. Befragt wurden 1.000 Entwicklerinnen und Entwickler aus mehreren Regionen, darunter Großbritannien, Europa, Nordamerika und Asien. Die Erhebung lief vom 12. November 2025 bis 24. Februar 2026. Genau deshalb wirken die Ergebnisse so schwer. Sie zeigen nicht nur Ärger, sondern einen strukturellen Vertrauensverlust.
Entlassungen sind für viele längst keine Ausnahme mehr
Die vielleicht härteste Zahl der gesamten Studie: 22 Prozent der Befragten haben allein in den vergangenen zwölf Monaten ihren Job verloren. Weitere 12 Prozent wurden schon früher entlassen, und 28 Prozent haben Entlassungen im eigenen Studio miterlebt, selbst wenn sie nicht direkt betroffen waren. Das bedeutet: Für einen riesigen Teil der Branche ist Unsicherheit längst kein abstraktes Risiko mehr, sondern Alltag.
Noch bedrückender wird es beim Blick auf die Zeit danach. Von denjenigen, die ihren Job verloren haben, konnten laut Bericht nur 45 Prozent eine neue Stelle finden. Und selbst dort fühlen sich nur 27 Prozent wirklich sicher. Wer das liest, versteht schnell, warum so viele Entwickler inzwischen nicht mehr nur über einen Studio-Wechsel nachdenken, sondern über einen kompletten Ausstieg.

Tief in den Knochen sitzt uns noch die Geschichte rund um Ubisoft und den Umstrukturierungen. Aber auch bei anderen großen Unternehmen der Branche gab es jüngst Entlassungswellen, wie bei Microsoft. – Bild: Ubisoft
Großbritannien und Nordamerika stehen besonders unter Druck
Die Krise trifft nicht überall gleich stark, aber einige Regionen stechen deutlich hervor. In Großbritannien geben laut Bericht 76 Prozent an, in diesem Jahr einen neuen Job zu suchen oder zumindest ernsthaft darüber nachzudenken. Gleichzeitig gilt Nordamerika weiterhin als besonders hart getroffen. In anderen Berichten zur Lage der Branche wird Kalifornien als einer der zentralen Brennpunkte der Entlassungswelle genannt.
Das verändert auch die Wahrnehmung des Berufs. Früher galt Spieleentwicklung für viele als Traumjob. Heute klingt in solchen Studien immer öfter mit, dass Leidenschaft allein nicht mehr reicht, wenn das Fundament bröckelt.
KI verschärft die Unsicherheit zusätzlich
Als wäre die Entlassungswelle nicht schon belastend genug, kommt noch ein zweites großes Angstthema dazu: generative KI. Laut den ausgewerteten Berichten haben viele Entwickler große Sorgen, wie stark KI kreative Arbeit verändern oder sogar verdrängen könnte. 83 Prozent der Befragten fordern klare KI-Regeln für ihre Unternehmen. Viele fühlen sich bereits unwohl bei der Vorstellung, dass KI stärker in Bewerbungsprozesse oder die tägliche Arbeit eingreift. Das ist ein wichtiger Punkt, weil er zeigt: Es geht nicht nur um aktuelle Entlassungen, sondern auch um die Angst davor, dass sich die Branche langfristig in eine Richtung bewegt, in der kreative Berufe an Wert verlieren.
Diese Krise betrifft nicht nur die Menschen hinter den Spielen. Sie betrifft am Ende auch die Titel selbst. Wenn erfahrene Entwickler gehen, verschwinden Wissen, Routine und kreative Führung. Neue Talente finden schwerer Anschluss. Mentoring bricht weg. Und Studios verlieren genau die Leute, die große Projekte stabil durch schwierige Phasen bringen können. Genau davor warnen inzwischen auch Branchenbeobachter.
Die Branche lebt von Ideen, Mut und Erfahrung. Wenn fast jeder zweite Entwickler darüber nachdenkt, das Feld zu verlassen, dann ist das nicht einfach nur eine schlechte Statistik. Dann ist das ein Zeichen dafür, dass etwas Grundlegendes nicht mehr stimmt.


