UN-Meeresabkommen: Ein Schritt in Richtung nachhaltiger Ozeannutzung
Eine historische Wende für den Schutz der Weltmeere: Am Samstag tritt das erste UN-Abkommen zum Schutz der Hohen See in Kraft. Dieses Richtungszeichen für den internationalen Meeresschutz wird von Fabienne McLellan, Geschäftsführerin der Meeresschutzorganisation OceanCare, als „Rettungsleine“ bezeichnet. Es bietet einen entscheidenden völkerrechtlichen Rahmen, um Bedrohungen unserer Meere zu bewältigen und ihre Bewohner zu schützen.
Die Hohe See, die rund 40 Prozent der Erdoberfläche ausmacht, erhält dadurch erstmals einen umfassenden rechtlichen Schutz, wie Christian Wild von der Universität Bremen erläutert. Bisher beschränkte sich der Schutz auf Küstengewässer. Das BBNJ-Agreement ergänzt das UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) und betrifft die Meeresregionen außerhalb nationaler Hoheits- und Wirtschaftsgebiete, die zwei Drittel der Meerfläche umfassen.
Das Abkommen zielt darauf ab, Meeresressourcen nachhaltig zu nutzen und den Schutz der Ozeane zu stärken. Ina Tessnow-von Wysocki von der University of Wollongong hebt hervor, dass das Abkommen Umweltschutz und Nutzung vereine und traditionellen Völkern eine bedeutende Rolle zuschreibe. Zugleich stellt es die nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen in Frage, wenn ökologischer Nutzen höher gewichtet wird.
Ein praktischer Effekt des Vertrages wird die Einrichtung von Schutzgebieten sein, die zu verändertem Fischfang oder neuen Schifffahrtsrouten führen könnten, erklärt Alice Vadrot von der Universität Wien. Vor Genehmigungen sind Umweltverträglichkeitsprüfungen verpflichtend, um negative Auswirkungen auf internationale Gewässer zu vermeiden.
Während das Abkommen von 145 UN-Mitgliedstaaten unterzeichnet und von 81 ratifiziert wurde, steht in Deutschland die Ratifizierung noch aus. Bundesumweltminister Carsten Schneider sieht darin einen „möglichen Menschheitsfortschritt“. Die Geschwindigkeit, mit der das Abkommen verabschiedet wurde, ist laut Kimberley Peters vom Helmholtz-Institut ein starkes Zeichen internationalen Engagements.
Johannes Müller von OceanCare betont, dass der eigentliche Erfolg des Abkommens in seiner praktischen Umsetzung liege. Stefan Hain vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) fordert zudem ein aktives Management der Schutzgebiete. Durch den Einsatz von Technologien wie Satellitenüberwachung könnte das Abkommen effektiv durchgesetzt werden.
Dennoch gibt es Herausforderungen: Helmholtz-Wissenschaftlerin Peters mahnt, traditionelle Nutzer nicht auszuschließen und Ursache für übermäßige Nutzung an Land zu suchen. Angelika Brandt vom Senckenberg Forschungsinstitut kritisiert fehlende Sanktionsmechanismen und unklare Finanzierung. Ohne politische Unterstützung bleiben die Maßnahmen möglicherweise wirkungslos.

