Überraschender Aufschwung im globalen Warenhandel
Die aktuelle Analyse der Welthandelsorganisation (WTO) zeigt einen unerwarteten Anstieg des weltweiten Warenhandels im ersten Halbjahr 2025. Besonders die gesteigerte Importtätigkeit in die USA hat zu diesem Wachstum beigetragen. Viele amerikanische Unternehmen beschleunigten ihre Einfuhren, um sich vor bevorstehenden Zollerhöhungen zu schützen. Ein weiterer Wachstumsfaktor ist die hohe Nachfrage nach Produkten des Bereichs der künstlichen Intelligenz, insbesondere Halbleiter, Server und Telekommunikationsgeräte.
WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala bezeichnet die US-Zollpolitik als bedeutendste Handelsstörung der letzten acht Jahrzehnte. Dennoch verlaufe der Großteil des Welthandels weiterhin auf Basis bestehender Vereinbarungen, ohne dass viele Länder auf die US-Entscheidungen mit Zollmaßnahmen reagiert hätten. Okonjo-Iweala betont, dass das System somit seine Stabilität bewahrt hat. Gleichwohl kritisiert sie unilaterale Handlungen wie die der USA. Die WTO evaluiert derzeit Optionen, um solche Entwicklungen künftig zu vermeiden und strebt eine schnellere und anpassungsfähigere Arbeitsweise an. Die Organisation und ihre Mitgliedsstaaten sind intensiv mit der Ausarbeitung notwendiger Reformen beschäftigt.
Dank des starken ersten Halbjahres hat die WTO ihre Prognose für das gesamte Jahr 2025 nach oben korrigiert. Statt eines minimalen Rückgangs von 0,2 Prozent, wie noch im April erwartet, geht sie jetzt von einem Volumenwachstum von 2,4 Prozent aus. Hingegen wurde die Prognose für 2026 nach unten angepasst, da viele Geschäfte vorzeitig getätigt wurden, um möglichen Zöllen zuvorzukommen.
Für Nordamerika wurde die Exportprognose 2025 deutlich verbessert, von ursprünglich minus 12,6 Prozent auf nun minus 3,1 Prozent. Auch Europa erfährt eine leichte Senkung der Wachstumsprognose von 1,0 auf 0,7 Prozent im gleichen Zeitraum. Bei den Importen erwarten die Experten der WTO für die USA einen milderen Rückgang von 4,9 Prozent nach vorhergesagten 9,6 Prozent, während in Europa das Wachstum von 1,9 auf 2,4 Prozent leicht angehoben wurde.

