Investmentweek

Trumps Zoll-Deal mit Japan lässt Autoaktien durchstarten

24. Juli 2025, 15:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Aussicht auf ein Zollabkommen zwischen den USA und Japan sorgt für einen Kursanstieg bei Autoaktien. Experten warnen jedoch vor möglichen langfristigen Risiken für die Branche.

Zölle runter, Kurse rauf

Es war ein Vormittag, wie ihn japanische Autobauer lange nicht erlebt hatten. Während in Tokio die Händler kaum mit dem Nachkaufen hinterherkamen, legte sich ein seltener Optimismus über den gesamten Automobilsektor.

Die Auslöser: ein einziges Wort von Donald Trump – und die Aussicht auf ein Zollabkommen, das Exporteuren wie Toyota, Nissan, Mazda und Honda wieder Luft verschafft.

Binnen Stunden schnellten die Kurse zweistellig nach oben. Mazda legte um sagenhafte 17,77 Prozent zu, Toyota um über 14 Prozent, auch Honda und Nissan zogen deutlich an. Was nach einem Befreiungsschlag aussieht, ist vor allem eins: ein geopolitisches Signal mit wirtschaftlicher Sprengkraft.

25 auf 15: Ein Prozentpunkt – Milliarden schwer

US-Präsident Donald Trump ließ über soziale Kanäle verlautbaren, man sei kurz vor einem „massiven Deal“ mit Japan. Konkret gehe es um die geplanten Importzölle auf Autos, die statt auf 25 nun auf 15 Prozent steigen sollen – oder im Vergleich zum Schlimmstszenario: sinken.

Was trivial klingt, ist für Japans Automobilindustrie von existenzieller Bedeutung. Fast ein Viertel aller Fahrzeuge, die das Land exportiert, gehen in die USA. Höhere Zölle hätten die Industrie massiv unter Druck gesetzt. Nicht nur wegen der Preissteigerungen für Endkunden, sondern vor allem wegen der Frage, wer diese Kosten tragen soll.

In der Vergangenheit hatten Autohersteller die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder Marktanteile verlieren – oder Rendite. Jetzt scheint Trump ausnahmsweise Rücksicht auf seine Wählerbasis an der Westküste zu nehmen – dort, wo japanische Autos seit Jahrzehnten dominieren.

Ein Signal auch für andere Branchen

Der Aufschwung an den Märkten beschränkte sich nicht auf Autobauer. Auch Zulieferer, Logistiker und Maschinenbauer mit starkem US-Geschäft legten zu. Denn die Unsicherheit, die monatelang auf den Exportwerten lastete, schien sich erstmals seit langem zu lichten.

Rund ein Viertel aller japanischen Autoexporte gehen in die USA – eine Zollerhöhung hätte nicht nur Absatz, sondern auch hunderttausende Jobs gefährdet.

Der Blick auf die volkswirtschaftlichen Dimensionen macht deutlich, warum. Würden die USA den Import japanischer Fahrzeuge mit 25 Prozent belasten, entstünden – laut Berechnungen des japanischen Wirtschaftsministeriums – Mehrkosten von bis zu 5 Milliarden US-Dollar jährlich für die Branche. Das entspräche rund 100.000 Fahrzeugen, die allein durch die Preisdifferenz unverkauft bleiben könnten.

Diese Zahl macht verständlich, warum die Börsen so prompt reagierten.

Wahlkampfökonomie à la Trump

Doch die Erleichterung hat eine politische Kehrseite. Der Deal ist – Stand jetzt – nicht mehr als eine Ankündigung. Und: Er kommt aus dem Mund eines Mannes, der schon häufiger internationale Handelsabkommen als Wahlkampfmunition genutzt hat.

Für Trump ist die wirtschaftliche Beziehung zu Japan seit jeher ein Reizthema. Schon 2019 ließ er verlauten, dass „zu viele japanische Autos in amerikanischen Garagen stehen“.

Dass er nun einlenkt, dürfte weniger mit plötzlichem Protektionismus-Verzicht zu tun haben, als mit taktischem Kalkül: Der ehemalige Präsident weiß, wie empfindlich die Börsen auf Zollmeldungen reagieren – und wie stark wirtschaftlicher Aufwind seine Kampagne befeuern kann.

Für Japan ist der Deal deshalb ein zweischneidiges Schwert: kurzfristige Entspannung, aber langfristig erneut ausgeliefert. Denn was heute Erleichterung bringt, kann morgen schon widerrufen werden.

Die Börse jubelt – aber wie nachhaltig ist der Effekt?

Trotz der Kursrallye bleibt die Frage, ob der Aufschwung Substanz hat. Die strukturellen Herausforderungen für japanische Autobauer bleiben: Elektroautos, Lieferkettenprobleme, Abhängigkeit von China – und eine zunehmend protektionistische Weltordnung.

Nissan etwa kämpft weiterhin mit schwachen Margen und einer schleppenden Transformation. Toyota hat zwar Milliarden in E-Mobilität investiert, hinkt technologisch aber hinter Tesla und BYD hinterher. Und Mazda bleibt ein Nischenhersteller mit begrenzter globaler Reichweite.

Die jüngste Rallye ist also in erster Linie psychologischer Natur: ein Aufatmen, nicht mehr. Sollten sich Trumps Aussagen als Wahlkampftaktik entpuppen oder das Abkommen scheitern, wäre die Euphorie schnell verpufft. Anleger sollten sich also nicht von zweistelligen Kursbewegungen blenden lassen – sondern genau hinsehen, ob die fundamentalen Daten das neue Preisniveau rechtfertigen.

Finanzen / Märkte / Automobilindustrie / Trump / Zollabkommen
[InvestmentWeek] · 24.07.2025 · 15:00 Uhr
[0 Kommentare]
trading, investing, stocks, options, dow, nasdaq, downtown, profit, tesla, bitcoin
Bitcoin hat die Marke von 71.000 $ überschritten, nachdem Berichte über einen bedingten Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung der Straße von Hormus bekannt wurden. Bitcoin erholt sich… vorerst Nach dem Waffenstillstandsabkommen erlebten risikobehaftete Anlagen einen Aufschwung, Aktienmärkte […] (00)
vor 38 Minuten
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump droht Ländern, die den Iran mit Waffen beliefern, mit Strafzöllen von 50 Prozent. Ein entsprechender Zollsatz solle mit sofortiger Wirkung auf alle Waren gelten, die in die USA verkauft würden, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Das gelte ab sofort und ohne Ausnahme. «Keine Urananreicherung» Zudem […] (09)
vor 15 Minuten
Jimmy Kimmel hat sich über Donald Trump lustig gemacht.
(BANG) - Jimmy Kimmel hat Donald Trump wegen seiner aggressiven Rhetorik gegenüber dem Iran scharf kritisiert. Der 58-jährige Talkshow-Moderator ist ein lautstarker Kritiker des US-Präsidenten und nutzte seinen Eröffnungsmonolog in 'Jimmy Kimmel Live!' am Dienstag (7. April), um Trumps Drohung aufzugreifen, dass "eine ganze Zivilisation heute Nacht […] (00)
vor 2 Stunden
Anthropic
San Francisco (dpa) - Ein neues KI-Modell des OpenAI-Rivalen Anthropic ist so gut darin, bisher unentdeckte Software-Schwachstellen zu finden, dass es in den falschen Händen zu einer verheerenden Cyberwaffe werden könnte. Deshalb macht Anthropic es nicht öffentlich, sondern lässt Unternehmen wie Apple, Amazon und Microsoft damit Sicherheitslücken in […] (00)
vor 11 Stunden
The Legend of Zelda Film: Videospielentwickler äußert Sorge über sprechenden Link
Während der Super Mario Galaxy Film grad Rekorde bricht, ist gerade der Live-Action The Legend of Zelda Film in Arbeit. Kein geringerer als der damalige Art Director von The Legend of Zelda: Majoras Mask Takaya Imamura äußert seine Bedenken über den kommenden Film. Denn er befürchtet womöglich, dass die jahrelang, gepflegte Magie verloren ginge, […] (00)
vor 49 Minuten
Regé-Jean Page ist 'ziemlich begeistert' von romantischen Komödien.
(BANG) - Regé-Jean Page ist "ziemlich begeistert" von romantischen Komödien. Der 38-jährige Schauspieler spielt an der Seite von Halle Bailey in 'You, Me and Tuscany' mit, der neuen romantischen Komödie unter der Regie von Kat Coiro. Er hat nun erklärt, warum er ein Fan des Genres ist. "Ich meine, wer möchte nicht ins Schwärmen geraten? Das ist eine […] (00)
vor 2 Stunden
SC Freiburg
Freiburg (dpa) - 4,2 Millionen Euro stehen für den SC Freiburg auf dem Spiel. Klingt erst mal nach viel. Beim zweiten Blick - vor allem Richtung Königsklasse - aber schon nach weniger. Der Europapokal als Drei-Klassen-Gesellschaft. Die Diskussionen um eine mögliche Umverteilung der Gelder im Milliardengeschäft Profifußball sind nicht neu. Jetzt, wo die […] (00)
vor 25 Minuten
Additive Fertigung für die Chemie: Neue Prozesse, neue Anwendungen, neue Märkte
Erfurt, 08.04.2026 (PresseBox) - Additive Fertigung eröffnet der chemischen Industrie neue Möglichkeiten als strategischer Hebel für Prozessinnovation, effizientere Anlagen und neue industrielle Anwendungen. Das Forum Chemie der rapid.tech 3D 2026 macht sichtbar, wie aus technologischem Potenzial konkrete Praxisanwendungen und neue Marktchancen werden. […] (00)
vor 1 Stunde
 
Das Ende der US-Dominanz? Irans tödliches Feuer am Persischen Golf markiert den Wendepunkt
Die iranische Luftabwehr bricht das Tabu der Unantastbarkeit Die Nachricht schlug […] (00)
Rückgang der Ölpreise Die Ölpreise haben am Mittwoch einen signifikanten Rückgang […] (00)
Stabilisierung der Luftfahrt im Irak Die irakische Zivilluftfahrtbehörde hat bekannt […] (00)
Boris Pistorius (Archiv)
Berlin - Nach der Ankündigung von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), bei […] (00)
Meryl Streep
(BANG) - Meryl Streep hat ihre Figur in 'Der Teufel trägt Prada' auf zwei Hollywood- […] (00)
Review zum devolo WiFi 7 Mesh BE6500
Nachdem ich in den letzten Monaten verschiedene Mesh-Systeme ausprobiert und mit […] (00)
Noma Noha Akugue
Oeiras (dpa) - Beim Neustart in den Billie Jean King Cup hat das deutsche Frauen- […] (00)
Elden Ring Film: TikTok-Video zeigt offenbar das Set in England mit einer Marika-Statue
Der Elden Ring-Film hat seit seiner offiziellen Ankündigung auffallend wenig von sich […] (00)
 
 
Suchbegriff