Investmentweek

Trumps Gipfel und die Illusion vom Frieden

20. August 2025, 17:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Das Treffen in Washington versprach Einheit, doch Risse in der Allianz werden sichtbar. Trumps pragmatischer Ansatz stellt den Frieden in der Ukraine auf den Prüfstand.

Inszenierte Einigkeit – mit Rissen im Fundament

Was als Durchbruch verkauft wird, war in Wahrheit ein Treffen voller Dissonanzen. Donald Trump empfing Selenskyj und die versammelte europäische Staatsspitze in Washington – mit guter Laune und großen Gesten. Und mit einem Satz, der den Ton des Treffens prägte:

„Wir können an einem Deal arbeiten, während sie kämpfen.“

Für Bundeskanzler Friedrich Merz, der auf eine sofortige Waffenruhe drängte, war das ein Schlag ins Gesicht – nicht nur inhaltlich, sondern diplomatisch. Trump ließ den Einwand kühl abblitzen. Während Merz in Brüssel Druck auf Russland fordert, glaubt Trump weiter, dass Putin verhandlungsbereit sei.

Die Kluft ist nicht nur atmosphärisch, sondern strategisch – und sie zieht sich durch alle Fragen, die in Washington auf dem Tisch lagen.

Was die Europäer wollten – und was sie bekamen

Offiziell ging es beim Treffen um Sicherheitsgarantien für die Ukraine – als Voraussetzung für neue Friedensgespräche. Die EU-Staats- und Regierungschefs kamen mit dem Ziel, den Westen geschlossen und handlungsfähig zu präsentieren. Das Ergebnis: Trump erklärte sich grundsätzlich bereit, über westliche Sicherheitsgarantien zu sprechen. Was genau das heißen soll, blieb offen.

Macron sprach von einem „konstruktiven Signal“, Merz war „positiv überrascht“. Finnlands Präsident Stubb schwärmte sogar von mehr Fortschritt in zwei Wochen als in dreieinhalb Jahren.

Doch der Substanzgehalt dieser Aussagen ist gering. Es gibt weder ein Papier, noch einen Plan. Nicht einmal die Begrifflichkeiten sind geklärt: NATO-Generalsekretär Rutte sprach von „security guidelines“, nicht von Garantien. Ein Unterschied, der in Moskau genau registriert wird.

Trumps Verständnis von Frieden: Flexibel und vage

Dass Trump selbst die Gesprächsführung übernehmen will, wirkt auf den ersten Blick engagiert. Doch hinter seiner Gesprächsbereitschaft steckt ein gefährlicher Pragmatismus. Laut New York Times ist Trump überzeugt, dass der Krieg „schnell beendet“ werden könne – wenn Kiew bereit sei, die gesamte Donbass-Region an Russland abzutreten. Ein „Landtausch“, den die Europäer kategorisch ablehnen.

Der Kreml wiederum fordert, dass die Ukraine östlich des Dnipro weitgehend entmilitarisiert wird. Weder ausländische Soldaten noch ukrainisches Militär dürften sich in dieser Zone aufhalten. Trump schweigt dazu. Für ihn scheint der Weg zum Frieden über Zugeständnisse zu führen – egal, wer sie macht.

Sicherheitsgarantien ohne Substanz

Besonders heikel: Trumps Sondergesandter Steve Witkoff hatte zuvor erklärt, die USA seien bereit, der Ukraine „Artikel-5-ähnliche“ Schutzversprechen zu geben – also den NATO-Beistandsfall imitiert, ohne NATO-Mitgliedschaft. In Washington reagierte man irritiert, in Brüssel blieb man ratlos.

Der Begriff wurde nicht weiter konkretisiert. Im Gegenteil: Die europäischen Gäste verließen das Weiße Haus, ohne zu wissen, was sie nun eigentlich zugesagt bekommen hatten.

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Europa bleibt außen vor – und feiert sich trotzdem

Die symbolträchtige Pilgerreise ins Weiße Haus brachte also vor allem eines: Bilder. Trump als Gastgeber, Selenskyj als Partner, Merz, Macron und Co. als staunendes Publikum. Die US-Medien lobten Trumps staatsmännisches Auftreten – ein Kontrast zum kritisierten Treffen mit Wladimir Putin wenige Tage zuvor in Alaska. Für Trump war es ein PR-Erfolg. Für Europa? Eine höflich verpackte Machtdemonstration der USA.

Während Brüssel weiter an einem 19. Sanktionspaket gegen Russland arbeitet, will Trump keine neuen Strafmaßnahmen mehr. Während die EU auf Verhandlungen nach einer Waffenruhe pocht, erklärt Trump, es könne auch „währenddessen“ verhandelt werden. Die geopolitische Achse des Westens verschiebt sich – leise, aber deutlich.

Ein möglicher Showdown mit offenem Ausgang

Immerhin: Ein bilaterales Treffen zwischen Putin und Selenskyj wird nun zumindest angedacht – vielleicht sogar unter Trumps Vermittlung. Doch Diplomaten in Brüssel warnen: Ohne Vorbereitung könnte ein solches Gespräch für Selenskyj zur Falle werden. „Putin darf Selenskyj nicht verfrühstücken“, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Militärisch bleibt die Lage kritisch. Russland baut seine Stellung im Donbass aus, während der Westen um Worte ringt. Oberst Markus Reisner vom österreichischen Verteidigungsministerium bringt es auf den Punkt:

„Der Krieg geht unvermindert weiter.“
Finanzän / Global / Trump / Ukraine / Frieden
[InvestmentWeek] · 20.08.2025 · 17:00 Uhr
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