Trump will Putin nach Miami holen – G-20-Gipfel droht zum Desaster zu werden
S-Präsident Donald Trump erwägt einem Zeitungsbericht zufolge, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G-20-Gipfel im Dezember in Miami einzuladen. Das berichtete die „Washington Post" am Donnerstag unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Das Weiße Haus und das US-Außenministerium reagierten zunächst nicht auf eine Anfrage zu einer Stellungnahme.
„Wenn er käme, wäre es wahrscheinlich ziemlich hilfreich", sagte Trump auf eine entsprechende Reporterfrage. Er habe den Ausschluss Russlands aus der G8 immer für eine unkluge Idee gehalten. „Ich bin der Meinung, dass man mit jedem reden sollte."
Eine Aussage, die in europäischen Hauptstädten für Entsetzen sorgen dürfte. Während die Ukraine seit Jahren gegen die russische Invasion kämpft, plant Trump einen roten Teppich für Putin in Florida.
Westliche Verbündete stehen vor vollendeten Tatsachen
Viele westliche Länder dürften eine Einladung Putins äußerst kritisch sehen angesichts des seit Jahren andauernden russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Trump steht Putin allerdings nicht so skeptisch gegenüber. Der US-Präsident hatte sich in der Vergangenheit eher ungehalten über den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geäußert.
Die Konstellation ist brisant. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und andere europäische NATO-Partner haben Milliarden in die Unterstützung der Ukraine gesteckt. Sie haben Sanktionen gegen Russland verhängt, ihre Energieversorgung umgestellt, ihre Volkswirtschaften belastet.
Und nun soll Putin als normaler Staatsgast nach Miami kommen, als wäre nichts geschehen? Die diplomatische Sprengkraft dieser Entscheidung ist kaum zu überschätzen.
Für die europäischen Regierungen stellt sich die Frage: Wie reagiert man auf eine solche Provokation? Boykottiert man den Gipfel und schwächt damit die westliche Geschlossenheit? Oder nimmt man teil und legitimiert Putins Anwesenheit?
Beide Optionen sind toxisch. Trump zwingt seine Verbündeten in eine Lose-Lose-Situation.
Trump spielt den Dealmaker – auf Kosten der Ukraine
Trump hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den Ukraine-Krieg für einen vermeidbaren Konflikt hält. Seine Haltung lässt sich so zusammenfassen: Beide Seiten sollen sich zusammensetzen, einen Deal machen, und die Sache ist erledigt.
Diese transaktionale Sicht ignoriert fundamentale Prinzipien. Russland hat ein souveränes Land überfallen, völkerrechtswidrig Territorium annektiert, Kriegsverbrechen begangen. Die Ukraine verteidigt ihre Existenz.
Aber für Trump zählt nur eins: Er will als Friedensstifter in die Geschichtsbücher eingehen. Und wenn dafür Putin nach Miami kommen muss, dann kommt Putin eben nach Miami.
Die Folgen für die Ukraine wären verheerend. Selenskyj hat wiederholt gewarnt, dass jede Normalisierung der Beziehungen zu Russland ohne Rückzug aus besetzten Gebieten eine Kapitulation bedeutet.
Doch Trump scheint das nicht zu interessieren. Seine Äußerungen über Selenskyj waren in der Vergangenheit bestenfalls kühl, oft abschätzig. Der ukrainische Präsident sei zu fordernd, zu unnachgiebig, zu wenig kompromissbereit.
Südafrika wird ausgeladen – Brasilien tobt
Trump hat bereits an anderer Stelle für Verstimmung im Vorfeld des Gipfels gesorgt, indem er angekündigt hat, den südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa nicht einzuladen. Das hatte etwa bei Brasilien scharfe Kritik ausgelöst.
Trump hat seine Haltung damit begründet, dass es Rassismus gegen Weiße in Südafrika gebe. Ramaphosa hat das zurückgewiesen. Südafrika ist Mitglied bei den G20, ebenso wie Russland.
Die Logik ist pervers. Russland, das einen Angriffskrieg führt, soll eingeladen werden. Südafrika, ein reguläres G-20-Mitglied, wird ausgeladen – wegen innenpolitischer Vorwürfe, die umstritten sind.
Brasilien, das derzeit die G-20-Präsidentschaft innehat, reagierte scharf. Die Ausladung Südafrikas verstoße gegen die Grundprinzipien der Gruppe, die auf Konsens und Inklusivität beruht.
Trumps Vorgehen zeigt ein Muster: Er behandelt internationale Organisationen wie seinen Privatclub Mar-a-Lago. Wer ihm passt, wird eingeladen. Wer ihm nicht passt, fliegt raus.
Dass dies die multilaterale Ordnung untergräbt, scheint ihn nicht zu kümmern. Im Gegenteil: Die Zerstörung eben dieser Ordnung ist vermutlich das Ziel.
Das Alaska-Treffen brachte nichts – warum sollte Miami anders sein
Zuletzt hatten sich Trump und Putin im August 2025 in Alaska getroffen, um über den Ukraine-Krieg zu beraten. Nennenswerte Fortschritte brachte das Gipfeltreffen jedoch nicht: Beide Seiten gingen auseinander, ohne konkrete Vereinbarungen getroffen zu haben.
Damals galt das Treffen als historisch. Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn saßen die USA und Russland wieder an einem Tisch. Die Hoffnung war groß, dass Trump seine persönliche Beziehung zu Putin nutzen könnte, um einen Durchbruch zu erzielen.
Nichts dergleichen geschah. Putin blieb bei seinen Maximalforderungen: Anerkennung der annektierten Gebiete, Neutralität der Ukraine, keine NATO-Mitgliedschaft. Trump konnte oder wollte nichts dagegen setzen.
Das Alaska-Treffen verpuffte als PR-Show ohne Substanz. Und nun soll Miami der nächste Versuch werden?
Die Frage ist: Was hat sich seitdem geändert? Russland kontrolliert weiterhin ukrainisches Territorium. Die Kämpfe gehen weiter. Putin hat keinen Grund, seine Position zu ändern – im Gegenteil, eine Einladung nach Miami würde ihn nur bestärken.
Die G-20 wird zum Schauplatz der Konfrontation
Der G-20-Gipfel im Dezember in Miami könnte zum Schauplatz der größten diplomatischen Konfrontation seit Jahren werden. Nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen Trump und seinen eigenen Verbündeten.
Europa wird sich entscheiden müssen: Solidarität mit der Ukraine oder Pragmatismus mit den USA? Boykott oder Teilnahme? Konfrontation oder Kapitulation?
Für Putin ist die Lage einfach. Er hat nichts zu verlieren und alles zu gewinnen. Eine Einladung nach Miami wäre der größte diplomatische Triumph seit Kriegsbeginn. Sie würde zeigen: Der Westen ist gespalten, die Sanktionen wirkungslos, die Isolation beendet.
Für Trump ist es ein Spiel. Für die Ukraine ist es eine Frage von Leben und Tod.


