Russlands Angriffskrieg

Ukraine-Krieg: Tausende Verstöße bei Osterwaffenruhe beklagt

12. April 2026, 14:02 Uhr · Quelle: dpa
Orthodoxe Ostern in Russland
Foto: Oleg Varov/Russian Orthodox Church Press Service/AP/dpa
Kremlchef Wladimir Putin hat zum orthodoxen Osterfest eine Waffenruhe in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine angeordnet.
Die von Kremlchef Putin angeordnete Waffenruhe zum orthodoxen Osterfest ist erwartungsgemäß brüchig. Aber zumindest sind Hunderte Kriegsgefangene wieder in Freiheit. Wie geht es im Krieg weiter?

Kiew/Moskau (dpa) - Die Ukraine und Russland haben sich bei ihrer vereinbarten Waffenruhe zum orthodoxen Osterfest gegenseitig Tausende Verstöße vorgeworfen. Allerdings gab es anders als sonst nach Angaben des Generalstabs in Kiew keine Angriffe mit russischen Raketen und Gleitbomben und damit insgesamt auch weniger Opfer und Zerstörung als an üblichen Tagen des Moskauer Angriffskrieges. Russland wiederum verzeichnete ebenfalls keine ukrainischen Angriffe auf die für die Kriegswirtschaft wichtige Ölindustrie.

Kremlchef Wladimir Putin hatte verfügt, dass für 32 Stunden die Waffen bis Mitternacht (23.00 Uhr MESZ) am Sonntag schweigen sollen, damit die Menschen in Russland und in der Ukraine in Ruhe Ostern feiern können. Die orthodoxen Christen feiern in diesem Jahr eine Woche nach den westlichen Kirchen Ostern.

Einen echten Osterfrieden gab es zwar nicht. Allerdings tauschten die Kriegsparteien kurz vor Beginn der Feierlichkeiten Hunderte Gefangene aus - jeweils 175 Militärangehörige und 7 Zivilisten. Beide Seiten kündigten an, dass die immer wieder vollzogenen Austausche fortgesetzt werden sollen.

Gespannte Lage an der Front

Die Lage an der Front blieb indes gespannt. Die Kriegsparteien hatten bereits im vorher ihr Misstrauen gegenüber der geplanten Waffenruhe bekundet, weil es schon bei vorübergehenden Feuerpausen in der Vergangenheit immer wieder Verstöße gab. Deshalb drohten beide Seiten wiederholt, auf Angriffe des Gegners zu reagieren. 

Der ukrainische Generalstab registrierte 2.299 Verletzungen der seit Samstag geltenden Waffenruhe. Konkret gab es demnach unter anderem 479 Fälle von Beschuss und rund 1.800 Angriffe mit kleineren Drohnen. «Schläge mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen vom Typ Shahed gab es nicht», teilte der Generalstab weiter mit.

Verletzte im Gebiet Charkiw

Auch die ukrainischen Luftstreitkräfte bestätigten, dass es für sie eine Pause von 18 Stunden gegeben habe. Am Morgen habe es allerdings im Gebiet Sumy einen für die Flugabwehr relevanten russischen Drohnenangriff gegeben. Im Gebiet Charkiw im Osten der Ukraine meldeten die Behörden nach einem russischen Drohnenangriff während der Waffenruhe zwei Verletzte in einem Lebensmittelgeschäft.

Das russische Verteidigungsministerium warf der Ukraine gezielte Angriffe vor. «Insgesamt wurden im Zeitraum vom 11. April, 16.00 Uhr, bis zum 12. April, 8.00 Uhr, 1.971 Verstöße gegen den Waffenstillstand durch Einheiten der ukrainischen Streitkräfte registriert», teilte das Ministerium in Moskau mit. Die ukrainische Armee habe trotz des Osterfriedens russische Stellungen unter anderem im Raum Pokrowsk im Gebiet Donezk sowie im Gebiet Dnipropetrowsk angegriffen. «Alle Attacken wurden abgewehrt», hieß es.

Selenskyj scheitert mit Vorschlag zur Verlängerung der Waffenruhe

Selenskyj erneuerte auch seinen Vorschlag, aus der Waffenruhe einen dauerhaften Waffenstillstand zu machen. Kremlsprecher Dmitri Peskow bekräftige im russischen Staatsfernsehen, dass die Kampfhandlungen nach Ablauf wieder aufgenommen würden, wenn Selenskyj keine Entscheidung treffe, sich auf die russischen Bedingungen für einen Frieden einzulassen.

Peskow erklärte, dass Russland einen «nachhaltigen Frieden» und keine einfache Waffenruhe wolle. Er meint damit, dass Kiew seine Truppen aus dem Gebiet Donezk zurückziehen solle, wo nach seiner Darstellung noch etwa 18 Prozent unter ukrainischer Kontrolle sind. Die Ukraine kontrolliert dort ihre strategisch wichtigen Städte Kramatorsk und Slowjansk. Selenskyj lehnt es kategorisch ab, solche Gebietsabtretungen als Geschenk an die russischen Besatzer zu machen.

Selenskyj würdigt Standhaftigkeit der Ukrainer

In seiner Osterbotschaft würdigte Selenskyj den Mut und die Standhaftigkeit seiner Landsleute. Das Land habe gerade den schwersten Winter seiner Geschichte überstanden, sagte er mit Blick. «Wir vertrauen nicht nur auf die himmlischen Mächte, sondern auch auf unsere Sicherheits- und Verteidigungskräfte», sagte Selenskyj.

Die Ukraine verteidige sich unerschütterlich. «Damit auf das fünfte Osterfest in Kriegszeiten das erste friedliche Osterfest folgt. In unserem ganzen Land, für alle unsere Menschen», sagte Selenskyj, der mit seiner Frau Olena in der Sophienkathedrale in Kiew die Videobotschaft aufnahm.

Kämpfe gehen weiter - Treffen im «Ramstein»-Format geplant

Russland hat bereits angekündigt, die Kampfhandlungen nach Ablauf der Waffenruhe wieder aufzunehmen - nach Darstellung von Kremlsprecher Peskow bis Moskaus Kriegsziele erreicht sind. Die Verhandlungen unter US-Vermittlung über eine Beendigung des Krieges pausieren nach seinen Angaben, weil die Unterhändler Washingtons im Iran-Krieg beschäftigt seien.

Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow kündigte nach einem Telefonat mit seinem deutschen Amtskollegen Boris Pistorius (SPD) für kommenden Mittwoch ein neues Treffen im sogenannten Ramstein-Format an. Bei den Gesprächen der Ukraine-Kontaktgruppe solle es darum gehen, wie Russland zu einem Frieden gezwungen werden könne, teilte das Ministerium in Kiew mit.

Konflikte / Krieg / Religion / Feiertag / Ukraine / Russland / Waffenruhe
12.04.2026 · 14:02 Uhr
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