Klima

Trockenheit: Wenn das Wasser knapp wird

13. August 2025, 07:16 Uhr · Quelle: dpa
In der Türkei stellen sie das Wasser zwischendurch ab, auf Zypern herrscht Trockenheits-Alarm, selbst in England gibt es «bedeutende Wasserknappheit». Wie stellt sich die Bedrohung dar?

Athen/London/Madrid/Ankara/Rom (dpa) - In Deutschland wird es wieder heiß, aber nach ausgiebigen Regenfällen gibt es derzeit keine Probleme mit Trockenheit. Anders in Ländern wie Spanien, Italien und der Türkei: Immer wieder gibt es dort aktuell gewaltige Wald- und Buschbrände und vielerorts wird das Wasser knapp. Metropolen wie Athen sind betroffen, aber auch Regionen in England und dem ohnehin von Trockenheit geplagten Iran. Ein Überblick. 

Zypern

Die Wasserreserven auf Zypern sind laut dem Amt für Wasserwirtschaft dramatisch gesunken. Der Füllstand der Stauseen beträgt derzeit nur noch 16,1 Prozent – im Vergleich zu 34,1 Prozent im Vorjahr. Drei Jahre in Folge gab es zu wenig Niederschlag. Priorität sei, dass es nicht zu Wasserunterbrechungen im wichtigen Bereich Tourismus kommt, berichtete der zyprische Rundfunk (RIK).

Zur Bekämpfung der Wasserkrise sollen weitere Entsalzungsanlagen gebaut werden. Zwölf Anlagen sind bereits in Betrieb, aber sie reichen nicht. Die Regierung ruft die Bevölkerung zum sparsamen Umgang mit Wasser auf.

Türkei

Vor allem in den Touristenregionen an der Ägäis wird immer wieder das Wasser abgestellt. Die Millionenmetropole Izmir etwa reduziert die Wasserversorgung bis Ende August stundenweise, weil die Pegelstände der Staudämme immer weiter sinken. Auch der Urlaubsort Bodrum stellt immer wieder das Wasser ab. In den Urlaubsregionen kommt hinzu, dass die Zahl der Menschen, die mit Trinkwasser versorgt werden müssen, im Sommer um ein Vielfaches anwächst. 

Zudem hat die Türkei in diesem Sommer mit starker Hitze zu kämpfen, wodurch die Verdunstung steigt. Nach Angaben des Wetterdienstes war es der heißeste Juli seit 55 Jahren. In der Ägäisregion fiel vergangenes Jahr 22 Prozent weniger Regen als durchschnittlich üblich. Experten machen den Klimawandel für zunehmende Extreme und längere Dürreperioden verantwortlich. 

Griechenland

Auch hier verzeichnen die Stauseen historische Tiefststände. Rund um die Hauptstadt Athen sind die Reserven im Vergleich zu 2022 um 50 Prozent zurückgegangen. Nun gehe es darum, das Wassermanagement des Landes radikal zu modernisieren, es effizienter zu machen und Anreize für Investitionen zu schaffen, heißt es seitens der Regierung.

Der Schwerpunkt soll künftig vor allem auf neuen Technologien wie Entsalzung von Meerwasser liegen. Die Anlagen sind jedoch nicht unumstritten - sie gelten als teuer, energieintensiv und wenig umweltfreundlich.

Iran

Der Iran zählt zu den trockensten Ländern der Welt. In den vergangenen Jahren haben Fachleute einen deutlichen Rückgang der Niederschläge festgestellt, gleichzeitig nehmen Dürreperioden und andere extreme Wetterereignisse zu. Die Wasserkrise bahnte sich seit Langem an – in diesem Sommer trifft sie die Hauptstadt Teheran mit ihren mehr als 15 Millionen Einwohnern besonders hart.

Nach Angaben der Behörden droht dort im Oktober das Wasser auszugehen. Die Pegelstände der Staudämme sind gefährlich niedrig. Die Regierung reagiert mit drastischen Maßnahmen: In vielen Teilen Teherans und anderen Städten wird die Wasserversorgung täglich stundenlang unterbrochen.

Spanien

Unter akuter Wasserknappheit leidet Spanien derzeit nicht. Nach ergiebigen Regenfällen zu Jahresbeginn sind die Stauseen des beliebten Urlaubslandes weiterhin gut gefüllt, auch wenn die Pegel im Hochsommer wetterbedingt und durch den erhöhten Konsum in der Ferienzeit sinken. Der Füllstand liegt aktuell bei 64 Prozent der Gesamtkapazität.

Versorgungsprobleme gibt es örtlich dennoch - unter anderem auf Mallorca. Besonders betroffen ist die Region Pla im Landesinneren, wo die Regierung der Balearen dieser Tage den Dürrealarm ausrief. Laut Behörden herrscht auf fast dem gesamten Archipel Wasserknappheit. Die Speicherstände fielen im Juli auf durchschnittlich 43 Prozent – drei Punkte unter dem Vorjahreswert.

England

Mit erschöpften Wasservorräten und Trockenheit haben dieser Tage auch Teile Englands zu kämpfen. Laut der britischen Umweltbehörde gibt es eine «landesweit bedeutsame» Wasserknappheit. Fünf Regionen leiden unter Dürre, sechs weitere unter anhaltend trockenem Wetter. Die Wasserstände vieler Flüsse und Stauseen liegen unter dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau. 

England verzeichnet aktuell das trockenste Halbjahr seit 1976. Ein nationaler Zusammenschluss von Organisationen, zu dem auch der britische Wetterdienst Met Office gehört, warnt davor, dass der Klimawandel Dürreperioden verschärfe. Mancherorts führte das bereits zu Einschränkungen: In Yorkshire wurde vor wenigen Wochen die Gartenbewässerung mit Schlauch verboten.

Italien

Auch Italien kämpft mit Trockenheit. Die Hitzewellen der vergangenen Monate und der ausbleibende Regen haben nicht nur Felder verdorren lassen, sondern auch das Vieh in Not gebracht. Nach aktuellen Daten des Instituts für Umweltschutz und Forschung (ISPRA) fällt die Wasserknappheit regional jedoch sehr unterschiedlich aus: Während der Norden nur geringe Engpässe verzeichnet, spitzt sich die Lage in Mittel- und Süditalien deutlich zu. Besonders kritisch bleibt die Situation auf Sizilien.

Auch auf der Mittelmeerinsel Sardinien ist die Lage angespannt, das regionale Wassersystem verfügte Ende Juli nur noch über die Hälfte der Speichermenge. In einzelnen Regionen lagen die Füllstände sogar bei nur rund zwölf Prozent. 

Frankreich

In immer mehr Orten und Regionen in Südfrankreich erlassen die Behörden angesichts der anhaltenden Trockenheit und großen Hitze Restriktionen bei der Wassernutzung. Die Priorität ist, die Trinkwasserversorgung aufrechtzuerhalten. Wegen sinkender Grundwasservorräte und Pegelstände an den Flüssen greifen Einschränkungen für die Landwirtschaft. Aber auch Swimmingpools dürfen nicht mehr gefüllt, Autos nicht mehr gewaschen, öffentliche Grünflächen und private Gärten nicht mehr bewässert werden - Gemüsegärten ausgenommen. 

Südosteuropa

Die Dürre trifft auch Südosteuropa. Am Unterlauf der Donau sinkt der Pegel regelmäßig, so dass Schiffe in Sandbänken stecken bleiben und untergegangene Schiffswracks wieder auftauchen. Vielerorts werden Missernsten befürchtet. Kroatien hat bereits mehrere Regionen im Norden zu Dürre-Katastrophengebieten erklärt. In Serbien, Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Ungarn und Rumänien verbieten Gemeinden immer wieder das Bewässern von Gärten, das Befüllen von Pools und das Waschen von Autos.

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13.08.2025 · 07:16 Uhr
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