Kriminalität

Todesfahrt in Mannheim - War Fahrer psychisch krank?

03. März 2025, 22:09 Uhr · Quelle: dpa
Ein Mann rast in der Mannheimer Innenstadt in eine Menschenmenge. Zwei Menschen sterben, weitere werden verletzt. Inzwischen ist klar: Der Fall ist wohl kein Terroranschlag.

Mannheim (dpa) - Nach der Todesfahrt in der Mannheimer Innenstadt haben die Ermittler weitere Details zu den Hintergründen bekanntgegeben. Demnach gibt es Anhaltspunkte, dass der 40 Jahre alte Deutsche, der sein Auto in eine Menschengruppe gesteuert haben soll, eine psychische Erkrankung hat. Man werde sich deshalb auf diesen Aspekt konzentrieren, sagte Staatsanwalt Romeo Schüssler am Abend in Mannheim.

Zuvor hatte bereits Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) gesagt, es gebe keine Hinweise für einen religiösen oder extremistischen Hintergrund.

Der mutmaßliche Täter soll am Rosenmontag mit seinem Auto in der zentralen Mannheimer Einkaufsstraße Planken mehrere Menschen angefahren haben. Eine 83-jährige Frau und ein 54 Jahre alter Mann kamen nach Angaben der Ermittler ums Leben. Elf Menschen wurden verletzt, darunter mehrere schwer.

Die Polizei geht davon aus, dass der Mann seine Opfer bewusst ansteuerte. Es habe sich schnell herausgestellt, dass es sich bei dem Vorfall in Mannheim um eine gezielte Fahrt gehandelt habe, bei der bewusst mehrere Personen erfasst worden seien, sagte Mannheims Polizeipräsidentin Ulrike Schäfer. 

Tatverdächtiger liegt verletzt im Krankenhaus

Der mutmaßliche Täter wurde kurz nach der Todesfahrt festgenommen und liegt im Krankenhaus. Bei seiner Festnahme soll sich der Mann mit einer Schreckschusspistole in den Mund geschossen haben. Entsprechende Medienberichte bestätigte der Präsident des Landeskriminalamtes, Andreas Stenger. Der Gesundheitszustand des 40-Jährigen aus Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) sei derzeit stabil. Er habe aber bislang nicht vernommen werden können. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Landschaftsgärtner unter anderem Mord vor. Man habe ein Ermittlungsverfahren wegen zweifachen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes eingeleitet, sagte Schüssler. Den Behörden gegenüber war der Mann bereits früher auffällig geworden, allerdings eher mit kleinen Vergehen. Es gebe ein paar Vorstrafen, die lange zurücklägen, sagte Schüssler. Dabei gehe es um eine Körperverletzung, für die er eine kurze Freiheitsstrafe verbüßt habe vor über zehn Jahren, außerdem ein Fall von Trunkenheit im Verkehr. 

Bei der letzten Tat handle es sich um ein Delikt im Bereich von Hate Speech aus dem Jahr 2018. Er habe einen entsprechenden Kommentar auf Facebook abgesetzt und sei deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Nähere Informationen gab es dazu vorerst nicht.

Mehrere Hundert Meter durch die Einkaufsstraße gerast

Nach Augenzeugenberichten soll der Mann mit seinem Wagen vom Friedrichsring kommend in die mehrere Hundert Meter lange Haupteinkaufstraße gerast sein und auf Höhe des Paradeplatzes mehrere Passanten an- oder umgefahren haben. Auf den Planken und rund um den Wasserturm findet derzeit ein Fasnachtsmarkt mit Dutzenden Imbissbuden und Fahrgeschäften statt. 

Die Einkaufsstraße war nach Angaben der Polizei nicht mit Pollern oder Absperrungen gesichert. Dafür habe es keine besondere Veranlassung gegeben. «Es war ein ganz normaler Tag im Stadtleben von Mannheim», sagte Polizeipräsidentin Schäfer mit Blick darauf, dass dort am Montag keine besondere Veranstaltung anstand. Auf den sogenannten Planken gebe es Straßenbahnverkehr, zudem gebe es die Möglichkeit, dass Lieferverkehr in die Straße einfahre.

Am Abend besuchten Spitzenpolitiker aus Bund und Land den Tatort. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) drückte seine Anteilnahme gegenüber Opfern und Angehörigen aus. «Das ist nun wirklich schwer zu ertragen und auszuhalten», sagte er. Er versicherte den Bürgerinnen und Bürgern, dass der Staat alles tue, was er tun könne, um sie zu schützen. Aber hundertprozentigen Schutz könne es nicht geben. «Manchmal ist es einfach nur tragisch und schlimm.»

Strobl: «Können unsere Innenstädte nicht zu Festungen machen»

Absolute Sicherheit werde es niemals geben können, sagte auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU). «Wir können auch nicht unsere Innenstädte zu umzäunten Festungen machen.» Die Tat reihe sich ein in mehrere Straftaten der jüngeren Vergangenheit, in der ein Auto als Waffe missbraucht worden sei. 

Bundesinnenministerin Nancy Faeser dankte der Polizei und den Rettungskräften. «Die Polizei hat einen herausragenden Job geleistet», sagte die SPD-Politikerin am Abend, nachdem sie sich vor Ort ein Bild gemacht hatte. Etwa 30 Polizeikräfte seien in zehn Minuten vor Ort gewesen, sagte Faeser. 

Nun gelte es, die Ermittlungsbehörden ihre Arbeit machen zu lassen. Es sei eine furchtbare Tat, «ein Horror am helllichten Tag, bei schönstem Wetter, in der Mittagspause, wo viele Menschen draußen sind». 

Mehrere Fasnachtsumzüge am Dienstag abgesagt

Nach der Todesfahrt wurden mehrere für Dienstag geplante Fasnachtsumzüge in Baden-Württemberg abgesagt worden. In Mannheim wurden nach Angaben der Stadt die für Dienstag geplanten Fasnachtsumzüge in den Vororten Feudenheim, Neckarau und Sandhofen abgesagt. Der sogenannte Fasnachtsmarkt am Wasserturm sei geschlossen, die Straßenfasnacht in der Innenstadt finde nicht statt, berichtete die Stadt.

Betroffen sind auch die Städte Heidelberg und Schwetzingen im Rhein-Neckar-Kreis. In Weinheim an der Bergstraße (ebenfalls Rhein-Neckar-Kreis) fällt der sogenannte Marktplatzfasching aus, wie die Kommune bestätigte. In Heidelberg verständigten sich die im Heidelberger Karneval Komitee zusammengeschlossenen Vereine und die Stadt in einer Krisensitzung auf den Schritt. Schwetzingen liegt westlich von Heidelberg.

Der Fall weckt Erinnerungen an mehrere Anschläge, bei denen in den vergangenen Wochen Fahrzeuge in eine Menschenmenge gefahren waren. Im Dezember kamen in Magdeburg sechs Menschen ums Leben, als ein inzwischen 50 Jahre alter Arzt über den Weihnachtsmarkt gerast war. Mitte Februar war ein Mann mit seinem Fahrzeug in eine Gruppe von Demonstranten in München gefahren. Dabei kamen eine junge Frau und ein Kind ums Leben. 

Fall weckt Erinnerungen an Angriff auf dem Mannheimer Marktplatz

Ende Mai vergangenen Jahres hatte zudem auf dem Mannheimer Marktplatz der mutmaßliche Islamist Sulaiman A. fünf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) sowie einen Polizisten mit einem Messer verletzt. Der 29 Jahre alte Polizist Rouven Laur erlag später seinen Verletzungen. Ein anderer Beamte schoss den Angreifer nieder. 

Die Bundesanwaltschaft geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der Angeklagte Sympathien für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hegt. Der mutmaßliche Täter steht derzeit in Stuttgart vor Gericht.

Mannheim liegt im Norden Baden-Württembergs an der Grenze zu Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Stadt ist mit rund 320.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs.

Update: mehrfacher versuchter Mord (nicht: zweifacher versuchter Mord) - 6. Absatz
Notfall / Kriminalität / Baden-Württemberg / Rheinland-Pfalz / Deutschland
03.03.2025 · 22:09 Uhr
[14 Kommentare]
«Auf jeden Fall gehört das Wort Unkraut gestrichen»
Berlin (dpa) - Bunte Schmetterlinge an den ersten Blüten, Vogelgezwitscher am Morgen und dicke Hummelköniginnen auf Nestsuche: Das typische Frühlingsgefühl entsteht auch durch die kleinen Lebewesen um uns herum. Bei vielen Gärten allerdings bekommt man den Eindruck, die bunten Flatterlinge und Sangeskünstler seien dort unerwünscht: So bunt die Beete wirken mögen, sind sie für Lebewesen […] (00)
vor 41 Minuten
Beyond Aero: Dieser Geschäftsjet soll mit Wasserstoff fliegen
Der Luftverkehr steht vor der Herausforderung, seine Emissionen deutlich zu reduzieren, ohne dabei auf Reichweite und Wirtschaftlichkeit zu verzichten. Wasserstoff gilt seit einigen Jahren als vielversprechender Energieträger, doch konkrete Anwendungen in der zivilen Luftfahrt befinden sich bislang meist im experimentellen Stadium. Ein französisches […] (00)
vor 8 Stunden
FBI-Chef Patel
Washington (dpa) - Der Direktor der US-Bundespolizeibehörde FBI, Kash Patel, ist Medienberichten zufolge Opfer eines Hackerangriffs geworden. Eine Gruppe mit Verbindungen zum Iran habe den Cyberangriff für sich reklamiert, schrieb unter anderem die «New York Times». Demnach wurden Fotos und Dokumente von Patels privatem E-Mail-Konto auf einer Webseite […] (00)
vor 5 Stunden
Rematch: Season 3 startet jetzt mit neuen Missionstypen, Battle Pass Belohnungen und mehr
Rematch , das preisgekrönte Action-Fußballspiel von Sloclap, dem Studio hinter  Sifu, setzt mit mit dem Start von  Season 3  zum nächsten Treffer an und bringt frische Inhalte auf PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Hier ein kurzer Überblick über die Neuerungen, bevor es zurück ins nächste Spiel geht: Tägliche und wöchentliche Missionen: […] (00)
vor 6 Stunden
«The Bold and the Beautiful»: Eigene Streaming-App
Mit BBTV bringt die Kult-Soap erstmals ihr komplettes Archiv auf eine eigene Plattform. Fans von The Bold and the Beautiful bekommen ein neues Zuhause: Zum 39. Jubiläum der Serie ist mit BBTV ein eigener Streamingdienst gestartet, der erstmals die komplette Historie der Soap bündelt. Entwickelt wurde die Plattform von Bell-Phillip Television Productions, die auch hinter der langlebigen CBS- […] (00)
vor 5 Stunden
US-Golfstar Tiger Woods in Autounfall verwickelt
Jupiter Island (dpa) - US-Golfstar Tiger Woods ist nach einem Autounfall in den USA wegen Drogenverdachts festgenommen worden. Ein Atemalkoholtest habe zwar einen Wert von null angezeigt, sagte John Budensiek vom Martin County Sheriff's Office in Florida bei einer Pressekonferenz. Einen Urintest habe Woods aber nicht machen wollen. Die Ermittler vermuten, dass er «irgendein Medikament oder eine […] (02)
vor 5 Stunden
Lachgas, USB-C, Tarife – was ändert sich im April?
Berlin (dpa) - Der Frühling nimmt Fahrt auf und Ostern steht kurz vor der Tür, im April können sich die Menschen aber nicht nur auf Ferien und die Aussicht auf besseres Wetter einstellen. Welche Änderungen bringt der neue Monat? Mehr Geld für Beschäftigte im öffentlichen Dienst Nach der Einigung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern bekommen rund […] (00)
vor 11 Minuten
Green Bridge Metals: 1. Bohrphase bei „Titac South“ abgeschlossen
Lüdenscheid, 27.03.2026 (PresseBox) - Green Bridge Metals Corp. (ISIN: CA3929211025; WKN: A3EW4S), freut sich, ein Update zu seinem laufenden Phase-1-Diamantkernbohrprogramm dem Projekt “Titac” bereitzustellen, das sich im “South Contact District” des Unternehmens im Nordosten des US-Bundesstaates Minnesota befindet. Das Projekt “Titac” beherbergt eine […] (00)
vor 9 Stunden
 
Anti-Iran-Protest (Archiv)
Berlin - Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) hat die Verlängerung des […] (01)
Wal an der Ostseeküste wieder frei
Timmendorfer Strand (dpa) - Nach einer tagelangen und aufwendigen Rettungsaktion ist […] (01)
Abschiebehaftanstalt Glückstadt
Berlin (dpa) - Die Umsetzung des verschärften europäischen Asylrechts in Deutschland […] (00)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Freitag bis zum Mittag tief im Minus geblieben. Nach […] (00)
Das Wipperfürth-Wunder: Wie dieser Zulieferer die Auto-Kernschmelze überlebt
Inmitten der Industrie-Ruinen wächst ein neuer Weltmarktführer heran Der Kontrast […] (01)
Tori Spelling
(BANG) - Tori Spelling hat sich an ihre Kindheitsfreundschaft mit Paris Hilton […] (00)
Skispringen: Weltcup
Planica (dpa) - Der slowenische Saison-Dominator Domen Prevc hat beim Skifliegen in […] (00)
Disney+ setzt verstärkt auf deutsche Originals
Beim Content Showcase kündigt der Streamer gleich mehrere ambitionierte Produktionen aus […] (00)
 
 
Suchbegriff