Tarifstreit: Deutsche Bahn und Gewerkschaft EVG einigen sich

15. Dezember 2018, 12:17 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Die Deutsche Bahn AG und die Gewerkschaft EVG haben ihren Tarifkonflikt beigelegt und sich nach tagelangen Verhandlungen auf eine Lohnerhöhung von insgesamt 6,1 Prozent in zwei Stufen geeinigt. Streiks und damit verbunden ein neues Verkehrschaos sind somit vom Tisch.

Zum 1. Juli 2019 sollen die Löhne um 3,5 Prozent steigen, ein Jahr später noch einmal um 2,6 Prozent, wie die EVG und die Bahn AG am Samstag in Berlin mitteilten. Zudem erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 1000 Euro.

Die neuen Tarifverträge gelten rückwirkend vom 1. Oktober 2018 und haben eine Laufzeit von 29 Monaten. Das weitreichende Gesamtpaket umfasst außerdem Verbesserungen für Nachwuchskräfte sowie neue Wahlmöglichkeiten. In dem Tarifkonflikt geht es um insgesamt rund 160.000 Beschäftigte.

Weiter ungelöst ist der Tarifstreit mit der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL), die die Verhandlungen für gescheitert erklärt hat und zunächst in die Schlichtung müsste. Auch hier wird es aber in diesem Jahr keine Streiks mehr geben, weil die GDL dazu nach geltender Regelung erst nach Ende der Schlichtung aufrufen darf.

Die EVG, die einen Großteil der Mitarbeiter vertritt, hatte am Montag ihre Forderungen mit einem mehrstündigen Warnstreik unterstrichen und damit bundesweit erhebliche Störungen im Zugverkehr verursacht.

EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba sprach nach viertägigen Verhandlungen von einem «Erfolg auf ganzer Linie». Es sei wichtig, für alle eine ausgewogene Balance zu finden - von der Reinigungskraft bis zum Fahrdienstleiter. DB-Personalvorstand Martin Seiler sagte: «Der Abschluss ist ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung für unsere Belegschaft und ein großer Schritt in eine noch modernere Tarif- und Arbeitswelt.» Nun könne sich das Unternehmen mit ganzer Kraft darauf konzentrieren, die Agenda für eine bessere Bahn umzusetzen und bei Qualität und Pünktlichkeit besser zu werden.

Die Einmalzahlung wurde für die neun Monate vom Auslaufen des Tarifvertrages bis zur ersten prozentualen Lohnerhöhung vereinbart. Sie wird laut EVG im kommenden Februar ausgezahlt. «Dieser hohe Betrag stellt für uns eine wichtige soziale Komponente für die unteren Lohngruppen dar», sagte Rusch-Ziemba.

Zum 1. Januar 2021 erhalten die Beschäftigten erneut die Möglichkeit, anstelle der zweiten Stufe mehr Freizeit beziehungsweise Urlaub zu wählen. Sie können laut EVG also zwischen 2,6 Prozent mehr Geld, sechs Tagen mehr Urlaub oder einer Arbeitszeitverkürzung wählen. Alle, die sich für mehr Urlaub entscheiden, erhalten im August 2020 - für die Zeit vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 - laut EVG eine Einmalzahlung von 700 Euro. Ferner können DB-Mitarbeiter künftig wählen, Überstunden in betriebliche Altersvorsorge umzuwandeln.

Die Ausbildungs- und Studienvergütung wird um insgesamt 100 Euro angehoben: Zum 1. Juli 2019 steigt sie um 60 Euro und ein Jahr später um weitere 40 Euro. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 460 Euro für die Nachwuchskräfte. Die arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge wird erhöht. Zudem sei die Deutsche Bahn AG verpflichtet worden, Geld zur Gestaltung eines zukunftsfähigen Zulagensystem bereit zu stellen, hieß es bei der EVG weiter.

Beide Seiten vereinbarten auch, die Tariflandschaft grundlegend zu modernisieren. So sollen in Gesellschaften des DB-Konzerns eigene Unternehmenstarifverträge entwickelt werden mit passenden Tarifregeln für einzelne Beschäftigungsgruppen. «Wir haben einen weiteren Schritt in eine deutlich modernere und attraktivere Tariflandschaft gemacht», sagte Personalvorstand Seiler. Der Abschluss sei ein «deutliches Signal» an die Mitarbeiter. «Es geht um Qualität und Zuverlässigkeit. Dafür brauchen wir motivierte Mitarbeiter», betonte Seiler.

Zum Auftakt vor zwei Monaten hatten die beiden konkurrierenden Gewerkschaften 7,5 Prozent mehr Geld gefordert - die GDL für 24 Monate, die EVG nannte damals keine Wunschlaufzeit. Nach dem 2015 vereinbarten Verfahren können GDL und Bahn die Schlichtung einvernehmlich einleiten oder eine Seite, wenn sie zuvor die Verhandlungen für gescheitert erklärt hat. Bis zum Ende des Schlichtungsverfahrens gilt ein Streikverbot.

GDL-Chef Claus Weselsky hatte ein verändertes Tarifangebot zunächst abgelehnt, dann akzeptiert und schließlich doch wieder abgelehnt. Als Grund gab er an, dass die Bahn nicht bereit gewesen sei, den eigentlich mit der GDL bereits ausverhandelten Tarifvertrag am vergangenen Freitag in Eisenach zu unterschreiben.

Tarife / Bahn / EVG / Tarifstreit / Warnstreiks / Deutschland
15.12.2018 · 12:17 Uhr
[12 Kommentare]
Diese deutsche Plattform verändert, wie Privatanleger Aktien analysieren
Es gibt Momente, in denen sich eine ganze Branche verschiebt — nicht durch einen lauten Knall, sondern durch das leise Aufkommen von etwas, das plötzlich so offensichtlich richtig erscheint, dass man sich fragt, warum es das nicht schon immer gab. Im deutschen Finanzmarkt erleben wir gerade einen solchen Moment. Und mittendrin steht eine Plattform, über […] (00)
vor 43 Minuten
Ricarda Lang (Archiv)
Berlin - Die ehemalige Grünen-Chefin Ricarda Lang hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aufgefordert, sich im Fall Collien Fernandes klar zu positionieren. "Ich würde mir wünschen, dass Friedrich Merz sich zu dem Fall Collien Fernandes äußert, denn er ist Bundeskanzler dieses Landes", sagte Lang den Sendern RTL und ntv am Montag. "Und als Bundeskanzler […] (03)
vor 21 Minuten
Ryan Gosling
(BANG) - Ryan Gosling war in seiner Kindheit regelrecht besessen von Seifenopern. Der Schauspieler aus 'Project Hail Mary' (45) gab zu, dass er als Kind nicht viele Freunde hatte und die meiste Zeit vor dem Fernseher verbrachte. Besonders liebte er die Morgenshow 'Live! with Regis and Kelly' sowie die langjährige Seifenoper 'Days of Our Lives'. Im […] (00)
vor 1 Stunde
Erotik im Internet
London (dpa) - Er krempelte mit der Online-Plattform OnlyFans das Erotik-Geschäft um: Milliardär Leo Radvinsky ist im Alter von 43 Jahren gestorben. Das Unternehmen verwies in einer Mitteilung auf einen langen Kampf gegen den Krebs. Der in der Ukraine geborene und in Chicago aufgewachsene Unternehmer hatte die Betreiberfirma hinter OnlyFans 2018 den […] (00)
vor 1 Stunde
Xbox im Umbruch: Microsoft verliert zwei weitere Führungskräfte – und die Fragen häufen sich
Bei Microsoft und Xbox herrscht seit Wochen eine Unruhe, die selbst hartgesottene Branchenbeobachter aufhorchen lässt. Nachdem bereits Xbox-Urgestein Phil Spencer seinen Rückzug angekündigt und Xbox-Präsidentin Sarah Bond das Unternehmen verlassen hat, sind nun zwei weitere langjährige Führungspersönlichkeiten weg. Was hinter diesen Abgängen steckt – […] (00)
vor 3 Stunden
Valerie Perrine ist tot
Mit Valerie Perrine verliert Hollywood eine vielseitige Darstellerin zwischen Kultkino und Charakterrollen. Die US-Schauspielerin Valerie Perrine ist im Alter von 82 Jahren verstorben. Wie enge Vertraute bestätigten, starb sie nach langer Krankheit in Beverly Hills. Perrine hatte seit 2015 an Parkinson gelitten und galt bis zuletzt als kämpferische Persönlichkeit, die ihre Erkrankung mit großer […] (00)
vor 1 Stunde
Telekom-Pressekonferenz:Konzept zur WM mit Klopp, Müller, Hummels
Ismaning (dpa) - Jürgen Klopp hat mit Spekulationen über ein vorzeitiges Ende bei RB und eine schnelle Rückkehr als Trainer aufgeräumt. Der derzeitige Fußball-Chef von Red Bull sagte bei der Vorstellung als Telekom-Experte für die Weltmeisterschaft, dass ein Engagement als Bundestrainer derzeit kein Thema für ihn sei. «Im Moment denke ich da natürlich […] (00)
vor 1 Stunde
Prof. Dr. Grönemeyer im BIGtalk: „Turne bis zur Urne“ ist Schlüssel zur Rückengesundheit
Dortmund, 23.03.2026 (lifePR) - Rückenschmerzen gehören zu den am häufigsten diagnostizierten Volkskrankheiten – und stießen auch beim BIGtalk der Krankenkasse BIG direkt gesund auf großes Interesse: Rund 500 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten am 19. März im Lensing Media Port in Dortmund und im Livestream die Veranstaltung mit dem Mediziner und […] (00)
vor 1 Stunde
 
Zins-Schock in Washington: Powell opfert den Aufschwung dem Kriegs-Chaos
Es ist eine unheimliche Synchronizität der Ereignisse. In einer Woche, in der die […] (00)
bitcoin, money, finance, cryptocurrency, coin, currency, blockchain, bank, banking, business
Der Bitcoin-Kurs hat einen starken Rückgang von deutlich über $72.000 […] (00)
nahaufnahme von bitcoin-symbolschildern im freien, die moderne kryptowährungstrends widerspiegeln.
Ethereum hält sich über der Marke von $2.000, während der Verkaufsdruck erneut […] (00)
Gericht entscheidet über Klage von jüdischem Studenten
Berlin (dpa) - Der jüdische Student Lahav Shapira hat im Streit mit der Freien […] (00)
FC Augsburg - VfB Stuttgart
Augsburg (dpa) - Drei Tage nach dem bitteren Ausscheiden aus der Europa League hat der VfB […] (04)
Neues iPad mit A18-Chip soll im ersten Halbjahr 2026 erscheinen
Das neue iPad der Einstiegsklasse wird laut Mark Gurmans […] (00)
Alibaba-Gewinneinbruch: 66% Rückgang schockiert
Der chinesische Tech-Gigant verfehlt die Markterwartungen deutlich Der Onlineriese […] (00)
MagentaTV setzt bei WM 2026 auf Star-Team
Mit prominenten Namen und großem Rechtepaket rüstet sich MagentaTV für die WM 2026, verzichtet […] (00)
 
 
Suchbegriff