Südamerikareise: Papst macht weiter Bogen um Argentinien

14. Januar 2018, 21:33 Uhr · Quelle: dpa

Rom (dpa) - Wieder reist Franziskus nach Südamerika, wieder macht er einen Bogen um Argentinien. Vor seinem einwöchigen Besuch in Chile und Peru wird spekuliert: Der Papst wolle nicht zum Spielball der Innenpolitik in seiner Heimat werden, heißt es.

Vatikan-Sprecher Greg Burke lässt vor der am Montag beginnenden Reise nichts durchblicken. «Wir müssen über Argentinien fliegen, also muss er auch eine Botschaft senden. Es wird also ein interessantes Telegramm geben.» Der Papst pflegt den Ländern, die er überfliegt, Grußbotschaften zu schicken.

Argentinien ist politisch stark polarisiert - offenbar will Franziskus weder von Präsident Mauricio Macri, noch von dessen linken Widersacherin und Vorgängerin Cristina Kirchner vereinnahmt werden. «Es wird befürchtet, dass ein Besuch instrumentalisiert werden könnte, um diese Spaltung zu verschärfen», sagte der Rektor der Päpstlich-Katholischen Universität Argentiniens und Vertraute des Papstes, Erzbischof Víctor Manuel Fernández, im vergangenen Jahr.

Während in Rom gemunkelt wird, dass Franziskus bis zum Ende seines Pontifikats nicht nach Argentinien reisen wird, versucht die dortige Bischofskonferenz, den Mutmaßungen einen Riegel vorzuschieben. «Wenn es ihm angemessen erscheint, zu kommen, wird er es tun», sagte der Sprecher der Bischofskonferenz Jorge Oesterheld. Es sei dennoch «ein bisschen schmerzhaft», dass der Pontifex über das Land hinwegfliege und anderswo lande. Franziskus' Vorgänger erfüllten da die Hoffnungen der Gläubigen Zuhause mehr: Benedikt XVI. reiste dreimal nach Deutschland, Johannes Paul II. besuchte Polen ganze neunmal.

Generell sucht sich Franziskus entweder abseitige Reiseländer aus wie zuletzt Myanmar und Bangladesch - der Vatikan nannte die Reise ein «Abenteuer» - oder er reist nach Lateinamerika. Im Mittelpunkt der 22. Auslandsreise sollen Begegnungen mit Indios, Häftlingen und Heimkindern stehen. «Mit dem Reiseprogramm lässt Papst Franziskus seinen Worten wieder einmal Taten folgen», sagte der Leiter der Projektabteilung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Thomas Wieland. «Er geht selbst an die Ränder der Gesellschaft und stellt sich an die Seite der Armen und Ausgeschlossenen.»

Wieder warten konflikthaltige Themen auf den Papst: Im südchilenischen Temuco trifft er Vertreter der Mapuche-Indianer, die seit Jahren für die Rückgabe ihrer Ländereien kämpfen. Dabei kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In vergangenen Jahr bat Präsidentin Michelle Bachelet erstmals um Verzeihung für die vom chilenischen Staat begangenen «Fehler und Gräuel».

Im nordchilenischen Iquique dürfte die Situation der Migranten im Fokus stehen. In dem wirtschaftstarken Land suchen Einwanderer aus Bolivien, Peru, Kolumbien und Venezuela Arbeit. Zuletzt versuchten immer mehr Menschen aus dem bitterarmen Haiti ihr Glück. «Inzwischen gibt es eine regelrechte Mafia, die immer mehr Haitianer ins Land lockt. Das grenzt schon an Menschenhandel», sagt die Chile-Referentin von Adveniat, Margit Wichelmann.

Für Chile - wo Franziskus selbst eineinhalb Jahre während seines Studiums am Jesuiten-Seminar lebte - ist es der zweite Papstbesuch. Als Johannes Paul II. 1987 kam, herrschte dort die Militärjunta von General Augusto Pinochet. «Unser Land hat sich in den vergangenen 30 Jahren geändert. Während Johannes Paul II. uns während der Diktatur besuchte, wird der Papst nun von einem demokratischen und freien Chile empfangen», sagte Präsidentin Bachelet. Vatikan-Sprecher Burke zufolge begegnet Franziskus auch Opfern der Militärdiktatur.

In Peru wird der 81-Jährige erstmals in das Herz des Amazonas fahren und mit eigenen Augen die Umweltzerstörung sehen, die er in seiner Enzyklika «Laudato Si» anprangerte. In der Provinz Madre de Dios haben Goldschürfer den Regenwald in eine Mondlandschaft verwandelt. Unter der Abholzung und der Verseuchung der Flüsse mit Quecksilber leiden vor allem die Indios. «Wenn wir ihren Lebensraum zerstören, zerstören wir diese Völker», sagte der Erzbischof von Lima, Kardinal Luis Cipriani Thorne, bei einem Besuch im Vatikan.

«Es wird eine anstrengende Reise», sagte Burke. Auch wenn es in Chile heißt: «Er kommt einfach nach Hause» - nicht jeder freut sich auf den Besuch. Kurz vor der Ankunft des Kirchenoberhaupts demolierten Papst-Gegner mit Brandsätzen in Santiago Kirchen und drohten Franziskus auf Flugblättern. Nachdem das strenge Abtreibungsrecht ein wenig liberalisiert wurde, war auch das Verhältnis zwischen Kirche und Regierung zuletzt angespannt.

Während die katholische Kirche in Asien und Afrika immer mehr Anhänger gewinnt, steht sie in der einstigen Hochburg Lateinamerika unter Druck. Vor allem evangelikale Protestanten mit ihren charismatischen Predigern machen ihr Gläubige abspenstig. Zu den Messen des Papstes werden dennoch Hunderttausende Gläubige erwartet. Und wenn Franziskus schon nicht nach Argentinien kommt, kommen die Argentinier eben zu ihm: Bis zu 800.000 Gläubige wollen über die Anden ins Nachbarland pilgern, um ihren Landsmann zu sehen. Die Behörden bereiten sich auf die Blechlawine vor, die sich über die Kordilleren wälzen wird.

Kirche / Papst / Vatikan / Chile / Peru / Argentinien
14.01.2018 · 21:33 Uhr
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