Strategy kontert Bitcoin-Volatilität mit neuer Vorzugsaktie „Stretch“
Kapitalbeschaffung mit Dividenden-Stabilisator
Das neue Instrument mit dem Namen „Stretch“ ist als unbefristete Vorzugsaktie konzipiert und bietet eine variable Dividende, die derzeit bei 11,25 Prozent liegt. Die Ausschüttung wird monatlich angepasst, mit dem Ziel, den Kurs nahe am Nennwert von 100 Dollar zu stabilisieren.
CEO Phong Le bezeichnet das Produkt als Schutzmechanismus für Investoren, die „Zugang zu digitalem Kapital wünschen, aber Volatilität vermeiden wollen“. De facto schafft Strategy damit ein hybrides Finanzierungsinstrument zwischen Eigenkapital und einkommensorientierter Anlageklasse.
Bislang spielten Vorzugsaktien in der Kapitalstruktur nur eine untergeordnete Rolle. Für die letzten drei wöchentlichen Bitcoin-Käufe emittierte Strategy rund 370 Millionen Dollar an Stammaktien, aber lediglich 7 Millionen Dollar an Vorzugsaktien. Das dürfte sich nun ändern.
Geschäftsmodell unter Druck
Strategy hält mehr als 714.000 Bitcoin im Wert von rund 48 Milliarden Dollar. Das Geschäftsmodell basierte lange darauf, dass die eigene Aktie mit einem deutlichen Aufschlag zum Nettoinventarwert der Bitcoin-Bestände gehandelt wurde. Diese Prämie ermöglichte es, neue Aktien auszugeben, weitere Bitcoin zu kaufen – und so einen selbstverstärkenden Kapitalzyklus zu etablieren.
Dieser Mechanismus ist inzwischen weitgehend kollabiert. Seit dem Rekordhoch im November 2024 hat die Aktie 73 Prozent an Wert verloren. Allein seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 17 Prozent. Am Mittwoch gaben die Papiere weitere fünf Prozent nach.
Parallel dazu meldete das Unternehmen für das vierte Quartal einen Nettoverlust von 12,4 Milliarden Dollar – eine direkte Folge der massiven Bitcoin-Abwertung.
Kryptomarkt bleibt fragil
Nach einer Liquidationswelle im Oktober hat sich das Vertrauen im Kryptomarkt spürbar eingetrübt. Der Bitcoin notierte zuletzt bei 67.064 Dollar – rund ein Prozent unter dem Vortag und weit entfernt vom Rekordhoch von über 126.000 Dollar im Oktober.
Die hohe Korrelation zwischen Bitcoin-Preis und Strategy-Aktie verschärft die Eigenkapitalvolatilität des Unternehmens. Genau hier setzt das neue Vorzugsaktienmodell an: Es soll eine stabilere, planbarere Kapitalquelle schaffen – unabhängig von kurzfristigen Marktverwerfungen.
Kein Verkaufsdruck trotz Kursverfall
Mitgründer Michael Saylor wies Spekulationen zurück, fallende Bitcoin-Kurse könnten Strategy zu Notverkäufen zwingen. Diese Sorge sei „unbegründet“, sagte er bei CNBC. Das Unternehmen beabsichtige weiterhin, in jedem Quartal Bitcoin zu erwerben.
Die Einführung von „Stretch“ ist damit weniger ein taktischer Schachzug als eine strategische Anpassung an veränderte Kapitalmarktbedingungen. Strategy versucht, die Finanzierung seines aggressiven Bitcoin-Exposures auf eine breitere, weniger volatile Basis zu stellen.
Ob Investoren bereit sind, das Renditeversprechen von 11,25 Prozent gegen das strukturelle Kryptorisiko zu tauschen, wird zum entscheidenden Test für das neue Modell.


